McDonald's in der Schönheitsindustrie?Ich gebe es ja zu. Einer meiner schönsten Tage im Leben war mein letzter Schutag. Als ich – nach mehreren Schulwechseln (allerdings immer nur aus disziplinären Gründen) – endlich die Matura in der Tasche hatte und meinem damaligen Lehrergesocks “Adios für immer” zurufen konnte. Nie mehr wieder wollte ich mit chronisch von Minderwertigkeitskomplexen und maßloser Selbstüberschätzung geplagten Halbgebildeten zu tun haben, geschweige denn ihren Machträuschen ausgeliefert sein. Aber wie sehr habe ich mich da geirrt? Ich konnte es ja nicht lassen und musste eine Familie gründen und Kinder bekommen. Und jetzt plötzlich war nicht ich es, der der Willkür der Despoten hilflos ausgeliefert ist, sondern meine Kinder.

Erlebnis- und praxisorientiertes Mampfen

Aber, die Zeiten haben sich gändert und heute vermitteln die Schulen ja Wissen, das praxisnah, hilfreich und unverzichtbar ist. Mein Sohn (erste Klasse Gymnasium) kam heute mit einer wichtigen Elterninformation zu uns nach Hause: »Ihr Kind nimmt im Rahmen des Unterrichts am Projekt Trink- und Jausen-Führerschein teil. Fünf Wochen lang wird den Kindern erlebnis- und praxisorientiert Ernährungswissen vermittelt.«

Und wie muss ich mir das jetzt vorstellen? Werden die Kids mit Bier abgefüllt und dann mit Mountainbikes über einen Hindernisparcour geschickt? Und wenn sie im Zuckerrausch, ausgelöst durch massiven Vanillekipferl-Mißbrauch, über den Schulhof torkeln, müssen sie dann ins Röhrchen blasen und wird ihnen der Schein dann wieder abgenommen? Wird der Verzehr eines BicMacs dann als grobe Regelverletzung gewertet und gibt es dann Punkte?

Punkte in Flensburg für Big Mac?

Man fragt sich natürlich wie Generationen von Menschen überleben konnten, die Lebenserwartung seit Jahrzehnten stetig steigt und insgesamt unsere Seniorinnen und Senioren doch recht fidel durchs Leben gehen, ohne je den Trink- und Jausen-Führerschein gemacht zu haben? Auf der anderen Seite könnte ein kurzer Blick in einen U-Bahn-Waggon, belegt von durschnittlichen MitbürgerInnen, rein ästhetisch natürlich schon ein starkes Argument für möglichst stringente Führerscheinprüfungen im Bereich Ernährung sein.

Aber eins ist mir dann plötzlich auch schlagartig klar geworden. Wenn ich mir die durchschnittliche körperliche Verfassung österreichischer LehrerInnen, allen voran die athletische Figur ihres Gewerkschaftsvorsitzenden und seiner StellvertreterInnen, ansehe, dann bin ich nicht sicher, ob das die Menschen sind, von denen ich will, dass sie meinem Sohn Ernährungsratschläge geben? Oder?….