Liste und AufzählungVor allem junge und noch nicht so erfahrene KünstlerInnen tendieren dazu Material und Gags in Form von Listen und Aufzählungen zu schreiben, zu formulieren und auch auf der Bühne zu bringen. In der großen Mehrzahl der Fälle ist das keine gute Idee. Ja, es gibt Momente, da macht eine Liste Sinn. Z.B. wenn man mit der 3-Regel einen Gag aufbaut, oder wenn in einem Gag tatsächlich von Listen wie z.B. Einkaufslisten, To-Dos und ähnlichem gesprochen wird. Aber von diesen Listen spreche ich nicht.

Listen und Aufzählungen sind nicht kreativ

Mir geht es eher um die Momente, in denen ein Comedian versucht möglichst viele Punchlines in möglichst kurzer Zeit unterzubringen. Beispiel:

»Es gibt vier Typen von Sportwagenkäufern…., Es gibt sechs Wege einen Berg zu besteigen…., es gibt ein halbes Dutzend Möglichkeiten einen Heiratsantrag zu stellen.«

Erfahrene KollegInnen haben bei so einem Set-Up und der folgenden Serie von Pointen oft das Gefühl, dass ein Comedian sich einfach nur schwer tut eben nur seine besten Punchlines zu nutzen. Die jungen KollegInnen haben so viel Zeit, Fleiß und Kreativität aufgewandt um mit vielen Pointen zu glänzen und jetzt können sie es nicht ertragen einige einfach wegzuwerfen. Aber das ist nicht gut.

Nur die besten Pointen sind gut genug

Comedy lebt davon, dass wir dem Publikum nur die besten Pointen präsentieren. Comedy ist schnell und überraschend. Nach den ersten beiden Pointen wird es also sehr schwer – bis hin zu unmöglich – das Publikum dann noch zu überraschen. Sie haben verstanden wie der Comedian das Thema sieht. Deshalb entscheiden sich erfahrene und erfolgreiche Comedians für die beste Pointe zu einem Thema und bringen nur die bei einem Auftritt. Sie nehmen sich dann aber Zeit, dass perfekte Set-Up und die natürlichste Geschichte mit dem größten Überraschungsfaktor zu erarbeiten, um ihrer besten Pointe auch ein optimales Umfeld zu geben.

Außerdem fühlen sich Listen und Aufzählungen nicht wie natürliche Sprache an. Wenn es bei einem Comedian wirklich gut läuft, dann haben die ZuhörerInnen während des Sets das Gefühl, dass dem Comedian all das gerade erst einfällt. Dass er völlig natürlich erzählt, so wie es ein guter Freund im Gespräch machen würde. Und wer spricht im persönlichen Dialog schon in Form von Listen und Aufzählungen?

Listen und Aufzählungen sind kein natürlicher Dialog

Eine Aufzählung lässt die ZuschauerInnen auch vermuten, dass die gerade gehörten Pointen die letzten zu diesem Thema sind. Die Liste und Aufzählung hat ein wenig was von Endgültigkeit und Abschluss. Das Publikum stellt sich schnell auf die “Liste” an Pointen ein und wird sich mit dem großer Lacher bis zum vermeintlich letzten Punkt auf der Liste zurückhalten. Und wenn der dann nicht der absolute Kracher ist, der alle vorigen Pointen klar übertrifft, dann ist das kontraproduktiv.

Wenn du jetzt aber der Meinung bist, dass du nicht nur eine, sondern mehrere grandiose Punchlines zu einem Thema hast, und du nicht auf keine verzichten willst dann gibt es eine Möglichkeit den Anschein einer Liste, bzw. Aufzählung, zu verschleiern. Du kannst die Gags z.B. mit der Formulierung:

»Ich denke mit den Sportwagen ist es so: entweder……oder.« Es geht auch: »Mein Vater hat zu dem Thema immer gesagt….. während meine Mutter meinte… und meine Großmutter sagte immer…..«

Es gibt also Wege mehrere Pointen zu ein und demselben Thema elegant zu bringen. Dennoch, am Ende ist es wohl immer am besten den Gag auf die allerbeste Pointe zu reduzieren. Wenn du dir bei der Entscheidung nicht sicher bist, dann probier den Gag bei Auftritten jeweils mit alternativen Punchlines aus. Die Pointe, die die größten Lacher bekommt passt dann.