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Kopfkino - Gesten statt Worte

Wieder eine Übung: Indirekt ist oft besser!

Und wieder kommen wir zu einer praktischen Comedy-Übung, die uns Gene Perret in seinem Buch The New Writing Comedy Step by Step vorschlägt. In einem ersten Schritt machst du eine Liste mit zehn Adjektiven, als beschreibenden Wörtern, die du beim Humor-Schreiben verwenden möchtest. Es sollten ganz einfach und normale Wörter sein. Dazu solltest du kaum Zeit brauchen.

Was assoziierst du mit dem Wort?

Im zweiten Schritt suchst du dir zu deinen Adjektiven eine neue Gruppe von Wörtern, die die ursprünglichen Worte beschreiben, implizieren oder symbolisieren.

Als Beispiel können wir z.B. das Wort “rot” nehmen. Andere Worte mit denen wir “rot” assoziieren, oder die “rot” symbolisieren können z.B. sein:

  • Blut

  • Kommunismus

  • Liebe

  • Indianer

  • Morgensonne

  • Tomate

  • Wut

  • Stoptafel

  • Ampel

  • Nord Korea

Sinn der Übung ist es, die Beziehung zwischen verschiedenen Wörtern zu entdecken und sie zum Texten zu nutzen. Die neue Wörter kann man dann oft in einem Gag als Ersatzwort für das ursprüngliche Wort nutzen. Damit wird ein Gag weniger offensichtlich. Oft sind Witze einfach zu durchschaubar und direkt. Sie können aber meist einfach verbessert werden, in dem man ein Wort oder eine Redewendung einsetzt, die das Offensichtliche eher impliziert, bzw. indirekt ausdrückt, als es direkt anzusprechen.

Wortspiel ersetzt das Offensichtliche

Die besten Gags sind die, bei denen eine Witz oder die Punchline gar nicht sprichwörtlich ausgesprochen wird, sondern durch clevere Wortspiele ein klares Bild im Kopf der ZuhörerInnen erzeugt wird. Oft wird eine amüsante Geschichte so zu einem guten Bühnengag.

Immer wieder ersetzt ein Symbol die direkte Bedeutung der Worte. Hier ein kleines Beispiel mit dem Wort “weiß”.

Angenommen ein Freund kommt zu einer Party von uns komplett weiß angezogen. Hier ist eine mögliche Beschreibung für ihn.

»Wenn ich dir eine Karotte an die Nase stecke und einen Besen unter den Arm klemme würdest du dich dann für die Kinder in den Garten stellen?«

Jeder versteht, dass der Freund so weiß angezogen ist, dass man ihn für einen Schneemann halten könnte. Direkt ausgesprochen wurde das Wort “Schneemann” oder auch “weiß” dabei nie.

 

Angst, die uns durchschnittlich macht.

Tolle Gags – alles nur geklaut?

Tolle Gags - alles nur geklaut?Es gibt kaum ein heißeres Thema wenn Comedians irgendwo zusammentreffen und über ihr Geschäft sprechen: geklaute Gags. Seit es Comedy und Kabarett gibt, ist das ein Thema. Jeder hat seine eigene Geschichte von einer “Hammernummer” und einem “Mördergag” die, bzw. der, dann ein paar Wochen nach einem Auftritt plötzlich wortident beim Gig eines Kollegens aufgetaucht ist. Und Hand auf’s Herz, der oder die, welche noch nie auch nur eine Anleihe an einer Gag-Idee oder einem Witz eines anderen genommen hat, solle den ersten Stein werfen. Aber wie immer im Leben, gibt es auch bei diesem Thema kein klares schwarz und weiß, sondern mannigfaches Grau. Wie immer ist alles doch ein wenig kompliziert.

Moral – eine Frage der Perspektive

Fangen wir mit dem scheinbar Einfachen an. Pointen, Gags und Nummern zu klauen ist falsch. Punkt. Es ist eben nichts anderes als Diebstahl. Wer sich nicht schuldig machen und ein absolut reines Gewissen behalten will, darf es einfach nicht machen. Tja, klingt einfach, oder? Wir leben aber in einer Welt, in der selbst richtig und falsch immer wieder individuell und nach Eigeninteressen bewertet werden.

Es ist auch falsch Geld für einen Auftritt zu bekommen und dieses Geld dann nicht korrekt zu versteuern. Es ist auch falsch in Bus und U-Bahn schwarz zu fahren. Es ist auch falsch die Wohnung von HandwerkerInnen ohne Steuernummer ausmalen zu lassen oder die LebensabschnittsparterIn zu betrügen. Unser Glück als Menschen ist, dass wir selbst stets bereit und fähig sind die Maßstäbe, die wir in einem Lebensbereich anlegen, völlig konsequent und logisch in anderen Bereichen, sagen wir einmal, zu “adaptieren”. Was wir bei Steuererklärung, Schwarzarbeit tun, tun andere, oder gar wir selbst, auch da wo dieses Handeln unsere eigenen Interessen verletzt. Mein Punkt: es wird geklaut und es wird auch weiter geklaut werden. Das Leben ist hart.

Immer die gleichen Themen

Aber Vorsicht, nicht jeder Gag von dem wir sicher sind, dass er geklaut ist, ist es auch. Seit es Comedy gibt schreiben wir doch alle über ein und dasselbe Thema: das Leben. Jeder hat die gleichen Probleme in Beziehungs-, Familien- und Erziehungsfragen. Wir stürzen uns alle auf die Trendthemen wie im Moment z.B. Facebook, Vampirfilme, Migration und vieles mehr. Offen gesagt, wenn mir ein Gag zu einem dieser Themen einfällt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch einem anderen der gleiche Gag dazu einfallen wird. Ich bin kein Genie und natürlich nicht einzigartig. Vielleicht werden wir leicht unterschiedliche Formulierungen verwenden, aber am Ende wird es die gleiche Pointe sein.

Wer das wirklich verhindern will, muss sich mit absoluten Nischenthemen auf völlig neue Art beschäftigen. Aber dann wird er oder sie auch mit Nischenpublikum und ohne kommerziellen Erfolg leben müssen. Bevor wir also laut »Haltet den Dieb, das ist mein Gag!« rufen müssen wir uns ernsthaft fragen, ob nicht jeder halbwegs talentierte und humoristische Mensch auf diese Idee hätte kommen können? Und wenn wir dann ehrlich sind werden wir fast immer zugeben müssen: Ja!

Wenn Stars klauen

Kommen wir zu einem Trend, der wirklich langsam unangenehm wird. Das Problem, vor allem für noch nicht so bekannte KünstlerInnen in unserer Branche, ist, dass du oft nicht nur Opfer des Diebstahls bist, sondern auch keine Chance hast dich zu wehren. Diese Erfahrung von Ohnmacht und Hilflosigkeit verstärkt natürlich die verletzten Gefühle. Besonders emotional wird die Sache, wenn plötzlich ein medial erfolgreicher und berühmter Kollege beim nächsten Auftritt mit Gags im TV zu sehen ist, die du drei Wochen davor auf einer offenen Bühne in Hamburg gebracht hast. Machen kannst du dagegen nichts. Rechtlich gibt es keine Handhabe und wer will sich schon auf so einen Streit einlassen? Dir ist klar, dass du auch in Fragen der Glaubwürdigkeit ein Problem hast, wenn auf der anderen Seite eine Person steht, die regelmäßig Hallen mit tausenden Menschen füllt.

Nun, ein Grund warum diese KollegInnen diese Hallen füllen und gefühlte 12 Stunden am Tag im TV zu sehen sind, liegt genau in deren Fähigkeit alles dem eigenen Ehrgeiz und dem eigenen Erfolg unterzuordnen. Und natürlich gehört es auch da dazu gnadenlos jede sich bietende Chance und Gelegenheit zu nutzen, ohne sich lange Gedanken über moralisches Handeln zu machen. Damit meine ich nicht unbedingt, dass der eigentliche Diebstahl in Kauf genommen und selbst vollzogen wird, aber es werden gewisse Fragen halt nicht gestellt und die Methoden der Zuarbeiter, wie Agenturen, Autoren, Medien, etc. nicht hinterfragt. Ganz nach dem Motto: »Ich hatte keine Ahnung!« Im Englischen so treffend als “plausible Denial” beschrieben. Die Bereitschaft Dinge “passend” zu machen, moralische Kompromisse einzugehen und alles dem übergeordneten Ziel unterzuordnen ist der wichtigste Baustein um in einem Geschäft, das durch Egos, Medien und Selbstüberschätzung geprägt ist, echten Erfolg zu haben. Wenn man TV- und Medienpräsenz, Geld und scheinbare Anerkennung als solchen versteht. Und da ist nichts Falsches oder Verwerfliches dran. Niemand wird gezwungen, sich in dieser Branche zu versuchen. Nur die Härtesten und am besten vernetzten setzen sich durch.

Organisierter Diebstahl

Es gibt allerdings eine Entwicklung, die selbst ein moralisches Leichtgewicht wie ich für bedenklich halte. Wenn bei vielen offenen Bühnen und Nachwuchswettbewerben, oder Comedy-Wettbewerben allgemein, zunehmend AutorInnen- und Handlanger diverser “Stars” und “Agenturen” der Branche im Publikum sitzen und Ideen, bzw. Gags und Pointen, von jungen KünstlerInnen zuhauf notieren und dann weitergeben, bzw. -verkaufen, wird es wirklich schwierig. Ich verstehe die zunehmende Wut vieler KollegInnen, die in der jüngsten Vergangenheit Opfer solcher Praktiken geworden sind. Gleichzeitig fällt mir aber auch kein Mittel ein um das zu unterbinden. Wir müssen einfach damit leben.

Warum nicht Lizenzen?

Warum gibt es eigentlich im Bereich Comedy kein leistbares und handhabbares Lizenz-Modell? Aus irgendeinem Grund wollen wir nicht den Schritt gehen, denn die Musik schon immer gegangen ist. Bei klassischer Musik sind mindesten 95% aller aufgeführten Stücke alte Hüte. Selbst in der Pop-Musik lebt die Branche hervorragen von Cover-Versionen, also sanktioniertem Klau. Natürlich müsste das System im Bereich Comedy neu erdacht und adaptiert werden. Es gibt unglaublich gute Nummern und Gags von allen möglichen großen Comedians, die den letzten Generationen von ZuschauerInnen nicht bekannt sind. Größen wie Bill Cosby, Jerry Seinfeld, etc., sie alle haben Nummern geschrieben, die noch viele weitere Generationen zu Lachstürmen hinreißen könnten. Wenn es die Möglichkeit gebe diese einfach und zu vernünftigen Preisen zu lizensieren, wäre doch allen gedient? Auf dem Plakat steht halt dann: Niko Formanek (Mit Nummern von Jerry Seinfeld, Bill Cosby,…). Hier ist jetzt weder die Zeit noch der Ort ein solches Modell in allen Details auszuformulieren, aber ich halte das für einen möglichen und sinnvollen Weg.

Du hast es mit dem Gag nicht geschafft

Abschließend noch eine ganz allgemeine Überlegung von mir zu dem Thema. So ärgerlich und verletzend es sein mag, die eigenen Gags bei einem anderen Künstler zu hören, dein Ärger darüber hilft dir nichts. Konzentrier dich auf deine eigene Karriere. Brutal gesagt, wenn es ein anderer Künstler mit einem deiner Gags und deiner Nummern zu Ruhm und Erfolg bringt, dann musst du dich fragen, warum es bei dir mit den gleichen Sachen nicht geklappt hat? In Comedy erfolgreich sein ist eben weit mehr als einfach nur Spitzen-Gags vorzutragen. Vielleicht haben du und ich dieses “etwas mehr” eben einfach nicht, oder noch nicht. Vielleicht passen deine eigenen Gags auch gar nicht zu deiner Persönlichkeit? Oder du hast deine Bühnenpersönlichkeit noch gar nicht gefunden? Warum auch immer, so sehr es schmerzt, dass ein anderer mit deiner Nummer abräumt, frag dich warum es bei dir nicht klappt?

Selbst wenn du den Dieb öffentlich brandmarkst, seine oder ihre Karriere beendest und in den Ruin treiben könntest, hat das dir selbst nicht geholfen. Deshalb bist du noch lange nicht erfolgreich. Jede Energie die du darauf verschwendest dich selbst zu bedauern und andere zu hassen könntest du genau so gut einsetzen um zu schreiben, besser zu werden, dich selbst zu vermarkten und dich um die eigenen Karriere zu kümmern. Klar, ein schwacher Trost, aber wenigstens ein produktiver Weg um mit einem Problem umzugehen. Denn eines ist sicher. Es wird auch in Zukunft geklaut werden was das Zeug, bzw. der Gag, hält.

 

Sieben Todsünden

Grandioses Thema: Die sieben Todsünden

Sieben TodsündenWorüber schreiben? Worüber lustig sein? Wie die LeserInnen und ZuhörerInnen fesseln? Immer wieder sind wir als AutorInnen, RednerInnen, Performer und PäsentatorInnen mit dieser Herausforderung konfrontiert. Natürlich ist das nicht einfach. Wenn man inspiriert ist und wunderbare Ideen im Kopf umherschwirren, ist alles möglich und machbar. Was aber, wenn man gerade mal nicht von der Muse geküsst wird? Tja, dann muss man die Muse suchen.

Dafür gibt es einige Techniken, Übungen und Schreibwerkzeuge, die uns dabei unterstützen. Heute möchte ich über eine Technik schreiben, die mir schon oft geholfen hat, auf der Suche nach Themen und Ideen für Comedy-Material. Es geht um die sieben Todsünden.

Schuld & Schwäche – wahres Gold für Comedy

Geschichten sind vor allem dann aufregend und erfolgreich, wenn sie sich mit Emotionen und Gefühlen von Menschen beschäftigen. Gefühle, die eine wahre Flut an Comedy-Ideen ermöglichen, sind “menschliche Schwäche” und “Schuld”. Wir alle lieben Situationen in denen der Held (Comedian) von einer unangenehmen Situation in die nächste stolpert, nur weil er oder sie schwach ist. Weil sie Gier, Lust und Schadenfreude nachgibt.

Warum ist Material, dass sich mit diesen menschlichen Emotionen beschäftigt so erfolgreich? Weil wir alle genau diese Gefühle und Emotionen so gut kennen. Weil wir alle unsere kleineren und größeren Schwächen haben, ihnen zu oft nachgeben und uns dann schuldig fühlen. Wenn wir also Geschichten erzählen wollen die bewegen und fesseln, müssen wir nur in uns selber schauen und uns fragen: Wann und wo sind wir schuldig, schwach und vielleicht sogar böse? Wir können uns nämlich sicher sein, dass viele andere genau in den gleichen Situationen ähnlich reagieren und somit eine hohe emotionale Bindung zu diesen Themen haben werden.

Die sieben Todsünden

Schön und gut Niko, wie funktioniert das jetzt praktisch? Genau da kommen die sieben Todsünden ins Spiel. Sie werden uns zu den schönen Geschichten führen. Das sind die sieben Todsünden:

  • Hochmut (Eitelkeit, Stolz, Übermut)
  • Geiz (Habgier)
  • Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren)
  • Zorn (Wut, Rachsucht)
  • Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)
  • Neid (Eifersucht, Missgunst)
  • Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Trägheit des Herzens)

Und jetzt schreiben wir einfach drauf los. Such Dir eine Todsünde aus und schreibe auf, wann und wo Du ihrer schuldig bist. Nur kurze Sätze beziehungsweise Stichwörter. Schreibe schnell. Stell dir einen Timer auf fünf Minuten ein (Eieruhr, Smartphone,…). Und dann schreib los, ohne aufzublicken oder aufzuhören bis der Timer läutet.

So ungefähr könnte das aussehen:

Ich nehme heute die Völlerei

  • Ich habe zum BigMac-Menü auch noch zwei Cheeseburger essen müssen.
  • Packung aufgemacht und alle Gummibärli gegessen.
  • Ich habe die Schokolade versteckt, damit ich nicht mit meinen Kindern teilen muss.
  • Ich habe Sprite in die Mineralwasserflasche gefüllt, damit meine Frau mich nicht mit “schon wieder Zuckerwasser” nervt.
  • Ich habe einen “Termin” erfunden, damit ich im Subway essen kann und nicht die Veggi-Burger meiner Frau zu Hause.

Jede dieser kleinen Sünden ist ein wunderbarer Startpunkt für eine Geschichte voller menschlicher Schwäche, Schuld, Vertuschung und Versagen. Jede der Todsünden, umgelegt auf unser tägliches Leben, fördert solche Ideen zu Tage. Wann und wo waren wir voller Neid, haben uns geärgert und uns vom Zorn leiten lassen oder einfach nur zu faul etwas zu erledigen. Was waren die Konsequenzen unseres Handelns und der Tatsache, dass wir schwach waren?

Jeder von uns ist schuldig. Also warum nicht darüber lachen oder tolle Geschichten schreiben? Versuche es.

Die 3-Regel

Comedy schreiben: die Magie der Zahl Drei – die 3-Regel

Die 3-RegelEgal ob in Comedy oder Rhetorik, eine der wichtigsten Bausteine für Erfolg ist die 3-Regel. Die Zahl Drei ist in der Menschheitsgeschichte immer schon als eine besondere Zahl angesehen worden. Oft wird diese Anziehung mit der Balance, die die Drei vermeintlich symbolisiert, erklärt. Eins in der Mitte und eins jeweils links und rechts davon. Sehr oft deutet die Zahl Drei auch ein Muster an. Höher, schnelle, weiter…. rot, gelb, grün …. Gold, Silber, Bronze. Ein Begriff allein bedeutet noch nichts, ein zweiter Begriff steht für eine bestimmte Richtung in die es gehen könnte und ein dritter bestätigt die in den Köpfen der ZuhörerInnen erwartete “Regel” oder das Muster.

Die 3-Regel erzeugt ein Muster, das gebrochen werden kann

Und das macht die Drei für Comedy so wertvoll. Um Humor und Comedy in den Augen und Ohren der ZuhörerInnen zu erzeugen, muss man sie überraschen. Je überraschender, kürzer und präziser (ja, wieder drei – es ist so tief in mir verwurzelt) die Pointe ist, desto größer der Lacher. Die Zahl Drei ist dadurch eine der beliebtesten Instrumente um Überraschung zu erzeugen.

So kommt es, dass die Fähigkeit dein Material und deine Punchlines in kompakte Gruppen zu drei Information zu packen ein sicheres Erfolgsrezept für gute Gags ist. Die ersten beiden Informationen erzeugen das scheinbare Muster mit einer wahrscheinlichen logischen Konsequenz. Die letzte Info bricht das Muster mit einer Überraschung. Wenn z.B. die ersten Infos jeweils zwei große Übertreibungen sind, dann kommt zum Schluss eine Untertreibung. Oder die ersten beiden Begriffe sind aus ein und derselben Kategorie, dann sollte der dritte Begriff aus einer völlig anderen sein.

3-Regel in der Praxis: Logisch, logisch und unlogisch.

Meine Teenage-Tochter fasst ihre Beziehung zu mir, ihrem Vater, in wenigen Worten zusammen: »Ich hasse dich. Geh sterben. Bring mich noch ins CINEMAX.

Dass ich heute hier sein darf. Es macht mich stolz. Meine Karriere ist am Höhepunkt. Vorgestern New York, gestern London und heute: Hüffelsheim.

Ich habe in Las Vegas geheiratet. Da gibt es das Las-Vegas-Hochzeits-Paket: Musik, Blumen und Scheidungsdokumente.

Wie ich jung war. Das war was. Wie oft bin ich in der Früh neben einer Person im Bett aufgewacht und ich nicht wusste wie sie heißt, wo ich sie kennengelernt habe oder warum sie tot ist?

Die 3-Regel spielt nicht nur in der Comedy eine große Rolle. Sie ist auch bei erfolgreicher Rhetorik ein verlässlicher Baustein. Allerdings wird sie dort nicht gebrochen: »Wir kämpfen für Gleichberechtigung, faire Chancen und eine bessere Welt für alle. Blut, Schweiß und Tränen. Was zählt bei einer Immobilie? Lage, Lage und Lage….«

Je öfter du die Magie der Zahl Drei für deine Auftritte als Redner oder Comedian nutzt, desto schneller lernst du sie automatisch und instinktiv im richtigen Moment anzuwenden. Und je intensiver du deine Umwelt beobachtest und dich dabei fragst ob und wie die 3-Regel anwendbar wäre, um so öfter wirst du auf tolle Gags und Punchlines stossen.

 

Humor liegt im Detail

Humor liegt in der Magie des Details – aber nicht zu vieler Details!

Humor liegt im Detail Wenn man Comedy-Material schreibt sollte man Verallgemeinerungen immer vermeiden, denn der Humor und seine Magie liegt im Detail. Statt über “Brot” zu sprechen ist es besser über Bauernbrot oder Toastbrot zu reden. Wenn ich von so “einem richtigen saftigen Bauernbrot mit knuspriger Rinde” spreche, werden fast alle im Publikum ein bestimmtes Bild im Kopf haben. Sie alle werden sich an Momente in ihrem Leben erinnern, an denen sich auch so ein Stück Brot vor sich gehabt und dann vielleicht gegessen haben. Und im besten Fall wird es ihnen damals gut geschmeckt haben und sie sich mit Freude daran erinnern. Natürlich kann man das Bild auch negativ zeichnen und statt “Brot” von so einem “letscherten, schon voll gesogenen, Weißbrot-Toast-Lappen” erzählen, der auch bei den meisten ZuhörerInnen ein ähnliches Bild vor ihrem geistigen Auge erzeugt.

Wenn ich als Comedian nur von einem “Brot” erzähle, dann werden viele im Publikum verschiedene Bilder im Kopf haben. Sie könnten dann z.B. an Schwarz- oder Weißbrot, Toastbrot, Baguette oder Vollkornbrot denken. Und je nach persönlichem Geschmack werden sie je nach Bild bestimmte Emotionen damit verknüpfen. Wenn ich als Künstler aber eine bestimmte Emotion brauche damit mein Gag funktioniert, muss ich das “Brot” so beschreiben, dass ich davon ausgehen kann bei den meisten ZuhörerInnen die gewünschte Emotion (Freude, Ekel, Enttäuschung, etc.) auszulösen. Diesen Vorgang bezeichnen wir Comedians gerne als “Kopfkino”. Je erfolgreicher wir unsere Texte so formulieren, dass die ZuhörerInnen in ihrer persönlichen Vorstellung und Fantasie uns emotional folgen, aber dann natürlich von unseren Pointen überrascht werden, umso größer wird der Lacher. Die besten Comedians schaffen es schon allein durch die, im Kopf der ZuhörerInnen, erzeugten Bilder Lachsstürme auszulösen und heben sich so von der Masse der durchschnittlichen Künstler ab.

Aber – auch im Detail nicht übertreiben

So schön und hilfreich eine detaillierte Beschreibung ist, man darf natürlich nicht übertreiben. Unter “Vollkorn-Bio-Ziegel” können sich viele bestimmtes Brot vorstellen. Wenn ich aber auf der Bühne sage: »Dieses Vollkorn-Bio-Brot, ganz schwarz, mit Kürbiskernen und in der Mitte einem Gerstenkorn und einer so einer rauhen Struktur…« dann ist das erstens natürlich viel zu lang (viel zu viele Worte) für Comedy und zweitens lasse ich keinen Raum mehr für die Fantasie meiner ZuhörerInnen. Die müssen jetzt genau zuhören um sich genau das Vollkorn-Brot vorzustellen, das ich gerade beschrieben habe und haben so gar keine Chance ihr eigenes. ungeliebtes Bio-Wollkorn-Brot in ihren Köpfen zu sehen. Das wird nicht funktionieren, weil sie zu dem Brot, das ich beschrieben habe keine emotionale Bindung haben. Zu dem Brot, das ihnen bei einer gerade noch ausreichend detaillierten Beschreibung als ihr “verhasstes” Bio-Brot einfällt, da haben sie sehr wohl starke Gefühle. Und diese Gefühle nützt der Profi für Komik aus.

Richtig ist es mit ausreichend detaillierten Beschreibungen von Menschen, Dingen und Situationen, jene Emotionen beim Publikum zu wecken, die mich bei meinen Gags unterstützen. Es ist der Versuch, bei möglichst vielen der ZuhörerInnen ein ähnliches Bild vor ihrem geistigen Auge zu formen, um sie alle auf meine Pointe vorzubereiten. Aber man darf dabei nicht übertreiben und so sehr ins Detail gehen, dass man immer mehr auf dem Weg zum gemeinsamen Bild verliert. Es kommt darauf an die Vorstellungskraft der Menschen anzuregen, sie in eine Richtung zu lenken aber sie nicht zu sehr einzugrenzen.