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Keine Ablenkung, denn ich bin schwach!

Viele KollegInnen wissen, dass ich ein iPad-Fan bin. Ich halte das iPad für eines der besten Werkzeuge, wenn man im Comedy-Business oder einem anderen Bereich arbeitet, bei dem es wichtig ist einfach, schnell und immer und überall Texte schreiben und Texte bearbeiten zu können oder auch nur Notizen zu machen. Aber neben der Hardware muss man auch die Software finden, mit der man am besten und liebsten arbeitet.

Und so passiert es immer wieder, dass wir vor, während oder nach einer Show zusammensitzen und Erfahrungen über diverse Apps und Zubehör austauschen. Und heute möchte ich hier über eine App schreiben, die mir geholfen hat meinen inneren Schweinehund oft zu überwinden und meinen Schreib-Output massiv zu erhöhen. Die Software firmiert unter dem Namen iA-Writer und ist in Versionen für den Mac, das iPad und das iPhone im App-Store erhältlich. Ich nutze sie vor allem am iPad.

Die Mission der Entwickler von iA-Writer war es, ein Textprogramm zu bauen, dass einzig und allein dem Zweck dient ablenkunsgfrei schreiben zu können. Und genau das schafft iA-Writer. Das großartige Konzept an dem Ding ist der knallharte Verzicht. Keine Formatierungsmöglichkeiten (außer Markdown – aber das ist ein eigenes Thema) mit denen man herumspielen kann während man eigentlich schreiben sollte. Keine verschiedenen Fonts in denen der Text “cooler” ausschauen könnte und mit denen man herumspielen kann. Keine Seiten- und Layout-Designs mit denen man herumspielen kann anstatt zu schreiben. Ich persönlich bin schuldig und habe oft zwei Absätze geschrieben um dann “stundenlang” blöd herum zu formatieren weil ich ja viel kreativer und besser schreiben würde mit diesem neuen “coolen” Look. Blödsinn, ich habe mich nur abgelenkt. Und iA-Writer hat mich davon geheilt. Vor allem auch mit seinem speziellen “Fokus-Mode” auf den ich später noch zurückkommen werde.

Sobald man die App startet wirkt alles aufgeräumt und auf eine einzige Aufgabe fokussiert. Alles ist auf den Text fokussiert, der mit schwarzer Schrift auf weißem Grund angezeigt wird. Die Entwickler haben wohl mit Bedacht einen großen Font und einen erhöhter Zeilenabstand designed und so ist der Text sehr gut lesbar.

iA-Writer verbessert auch die iPad-eigene, virtuelle Tastatur mit acht zusätzlichen Funktionen, die bei der Erstellung von Texten hilfreich sind. Es gibt plötzlich Tasten, um z.B. ein Wort weiter zu springen und zwei Cursor-Tasten, um einfach zurück- und vorzunavigieren. Dazu noch Tasten für Bindestrich, Semikolon, Doppelpunkt, Anführungszeichen, etc. und Klammern.

Das Menü am oberen Rand wurde auch auf das Wesentlichste reduziert und enthält Informationen zum Öffnen von Texten, zum Anlegen neuer Texte und zum Verschicken des Textes per E-Mail. Man kann aber auch einfach den ganzen Text mit einem Schritt in die Zwischenablage kopieren. Um einen Text mit einem Namen zu versehen oder auch nur einfach umzubenennen tippt man einfach am oberen Rand auf den Namen und schon ist er markiert und kann manipuliert werden.

Für Autoren – und natürlich Comedians – besonders interessant sind die Statistikfunktionen, die bei iA-Writer mit umgesetzt wurden. Am oberen rechten Rand ist immer zu sehen wie viele Worte und Zeichen der Text schon hat. Und mit einem Fingertip wird es für uns Bühnenmenschen noch besser: denn da berechnet die App gleich wie lange es dauern würde den ganzen Text zu lesen oder wie lange es dauert vom Start bis zur aktuellen Position des Cursors zu lesen. (Übrigens ist der Cursor auch ein kleiner Geniestreich. Länger als üblich und mit Farbe hervorgehoben und so immer auf einem Blick gleich sichtbar. Zurück zur Lesedauer.) Natürlich stimmt die angegebene Zeit nicht mit der Zeit überein, die man selbst braucht um eine Nummer auf der Bühne zu spielen. Diese Zeitdauer hängt natürlich von der individuellen Sprechgeschwindigkeit ab. Aber nach ein paar Versuchen kommt man schnell dahinter, wie man die errechnete Zeit umrechnen muss, um ziemlich sicher zu wissen wie lange man brauchen würde einen Text auf der Bühne zu sprechen. In meinem Fall muss ich die errechnete Zeit meist einfach nur verdoppeln, um ziemlich gut zu wissen wie lange ich auf der Bühne brauchen würde. Ich liebe diese Funktion.

Und jetzt zum nächsten tollen Detail der App: der Fokus-Mode von iA-Writer. In allen Büchern die man zum Thema Comedy oder kreatives Schreiben lesen kann steht, dass man immer zu Anfang seinen Gedanken einfach freien Lauf lassen soll. Einfach schreiben, ohne Rücksicht auf Formulierungen, Rechtschreibung und Formatierung. Leider sind wir ja nicht mehr Herren über unsere Maschinen und so kann man ja oft gar keine Texte mehr schreiben ohne dass sich nicht gleich irgendeine Autokorrektur, Autofilling oder andere Funktion einmischt, Wörter unterstreicht und uns gleich wieder das Gefühl gibt: »Hey, so geht das nicht!« Natürlich ist das in anderen Schreibsituationen hilfreich und sinnvoll. Aber beim freien, assoziativen vor sich hin-texten eben nicht. Und wer hat schon Lust sich jedesmal durch Menüs durchzutippen um diese Funktionen ein- und auszuschalten?

Und da kommt der Fokus-Mode von iA-Writer ins Spiel. Ich finde die Lösung genial: Mit einem Tap auf das Schloss in der oberen Toolbar wird die Menüleiste und die Statusleiste ausgeblendet. Am Bildschirm werden jetzt nur drei Zeilen des Texts in Schwarz, die Zeilen darüber und darunter in hellem Grau angezeigt. Die Tastatur kann nicht aus Versehen ausgeblendet werden. Zurück-scrollen ist ebenfalls nicht möglich. Durch den Text kann nur unter Verwendung der Cursor-Tasten und Wort vor/zurück-tasten navigiert werden. Funktionen, wie z. B. Autokorrektur, Rechtschreibkontrolle und alles andere, werden ausgeblendet und auf “Pause” gestellt, sodass man sich rein auf den Text konzentrieren kann. Die Idee dahinter ist, dass wenn die ominöse Schreibblockade eintritt, man sich rein auf den Text und seinen aktuellen Gedanken konzentrieren kann. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das funktioniert.

Ergänzend sei jetzt auch noch erwähnt, dass iA-Writer alle Texte entweder per iCloud oder DropBoxmit allen anderen Geräten synchronisiert. Und bei dem Thema gibt es auch von mir Kritik. Der Sync funktioniert einwandfrei, aber nur bei DropBox hat man die Option Texte in Ordner ablegen zu können und so zu organisieren. Bei iCloud – aber auch lokal auf dem iPad – liegen alle Texte in einem Folder und werden geordnet nach Bearbeitungsdatum dargestellt. Ich selbst hoffe, dass zukünftige Versionen es uns auch erlauben werden diverse Ordner zu erstellen um Dateien gezielt und thematisch abzulegen. Und noch ein Wunsch sei mir gestattet: eine Volltext-Suchfunktion die über alle Texte in einem Ordner läuft wäre genial.

Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass ich eigentlich ein fauler Hund bin und jede Gelegenheit wahrnehme, wenn es darum geht Ausreden zu finden um nicht zu schreiben. iA-Writer hat mir die meisten genommen. Ich schreibe fast alles nur mehr in dieser App, egal ob Emails, Konzepte, Gags, Programme. Das ist aber auch alles was in in iA-Writer mache. Weiterverarbeitet werden sie dann je nach Thema in Blogsoftware, Datenbank, Lay-out-Programm, etc. Und das ist das Geniale an iA-Writer. Damit kann man nur schreiben. Aber in unserem Business ist genau das, das Wichtigste und unser aller Fundament.

Wo habe ich nur die Gags abgelegt?

Inzwischen wissen wir ja alle, dass erfolgreiche Comedy vor allem auch von originellen, guten und zahlreichen Gags abhängt. Deshalb schreiben wir jede Idee, jeden guten Witz den wir hören, jede lustige Beobachtung und vieles mehr auch immer sofort auf. Na ja, zumindest in einer idealen Welt. Aber ich kann aus schmerzhafter persönlicher Erfahrung berichten, wenn man es nicht tut, bereut man es sofort. Egal wie sehr man sich bemüht, was man nicht aufschreibt, vergisst man. Und auch ich habe mich gebessert und bin schon viel braver geworden. Ich schätze, dass ich 80 Prozent meiner Ideen und Gags auch zeitnah notiere.

Ideen und Beobachtungen für Gags notieren

Aber das Notieren ist nur die halbe Miete. Unweigerlich stösst man auf die nächste kreative Hürde: wie finde ich die Sachen sinnvoll wieder? Wo sind alle meine Ideen und Gags zum Thema “U-Bahn”? Die bekanntesten und besten Comedy-Lehrbücher der USA berichten an dieser Stelle dann immer von den legendären Karteikarten-Sammlungen diverser Comedy-Größen. Bob Hope soll in seiner jahrzehntelangen Karriere mehrere hunderttausende Jokes in einer Karteikarte-Sammlung thematisch sortiert und abgelegt haben. Am Ende wird einem schnell klar, was für die Besten der Branchen gut war und funktioniert hat, sollte man selbst auch nutzen. Eine thematisch geordnete Sammlung aller Witze, Gags, Jokes und Ideen ist unverzichtbar. Das Schöne ist, dass das heute, in Zeiten von Notebooks, Tabletts und Apps, so viel einfacher geworden ist.

Notizen, Gags schnell wiederfinden Ich selbst verwende

Bento 4 auf meinem McBook Air und iPad. Bento richtet sich an Amateure und Datenbank-Einsteiger, die zwar ihre eigene Datenbank managen wollen, dabei jedoch nicht auf Benutzerfreundlichkeit und Design verzichten wollen. Die Software stammt von den Datenbank-Profis von FileMaker und ermöglichen auch einem Datenbank-Analphabeten wie mir viele nette Dinge. Ich lege jede Idee und jeden Gag in meiner Datenbank ab. Er bekommt einen Titel, dann Stichworte zu den Themen die darin abgehandelt werden. Ich markiere ob ich den Joke schon mal live gespielt habe und bewerte mit Sternchen wie sehr er beim Publikum ankommt. Die Datenbanken auf dem Notebook und dem iPad werden immer schön synchronisiert und so habe ich immer, egal wo ich gerade bin, Zugriff auf mein gesamtes kreatives Comedy-Schaffen.

Das Coole an Bento ist, dass jede Funktion die ich in der Datenbank brauche intuitiv und per Drag & Drop eingefügt werden kann. Ich muss nichts von Datenbanken verstehen. Ich habe z.B. Felder mit Häkchen um zu markieren woher ich den Gag habe, in welchem Programm er verarbeitet wurde und ob ich ihn schon live gespielt habe. Ich kann jederzeit ein weiteres Feld einbauen. Ich habe auch bei jedem Gag eine Liste mit Datumsfeldern, wo ich eintrage wo und wann ich einen Gag gespielt habe. Wenn man so wie ich einige Mixed-Shows und Clubs pro Monat moderiert, dann ist es wichtig, dass man schnell checken kann was man in der jeweiligen Location das letzte mal gebracht hat. Sehr hilfreich hat sich auch die Möglichkeit erwiesen Bewertungsfelder einbauen zu können. Jedes mal wenn ich einen Witz spiele, kann ich nach der Show vermerken wie gut er aus meiner Sicht angekommen ist. Ich verwende dazu die übliche “Sternchen-Bewertung”, also fünf Sterne für super und je weniger Sterne desto schlechter. So kann ich jederzeit ein Set zusammenstellen das nur aus Gags besteht, die fast immer sehr gut funktioniert haben.

Ein besonders gutes Feature für Kurzauftritte in Comedy-Mixed-Shows. Und wie schon erwähnt. Ganz wichtig ist die Möglichkeit Stichworte und Kategorien zuordnen zu können. Es ist einfach cool, wenn man einfach nur “Haustier” eingeben muss und dann alle Ideen und Gags zu dem Thema geliefert bekommt. Natürlich kann man auch alle Suchergebnisse in jeder nur erdenklichen Art sortieren. Ob nach Datum, Thema, Programm, Kategorie oder Bewertung. Alles ist möglich. Und das, ohne selbst auch nur einen Schimmer von Datenbank-Programmierung zu haben. Ich kann Bento für unsere tägliche Goldgräberei nach Gags nur empfehlen.

Freies Schreiben

Index Card – App für Comedians, Redner, Moderatoren

Immer wieder müssen Comedians sehr flexibel sein, wenn es um die Länge ihres Auftritts, oder wie wir Profis sagen, ihres Sets geht. TV-Auftritte bewegen sich zwischen 5-7 Minuten, diverse Mixed-Shows wollen einmal 10 Minuten, dann wieder 12 Minuten oder 15 Minuten bis hin zu 20 Minuten pro Auftritt. Jetzt haben wir alle natürlich viel Material und jedes mal müssen wir ein passendes Set zusammenstellen.

Ist aber auch ein Problem für Moderatoren und Redner, die natürlich schnell, aus diversen Quellen und Unterlagen, von der Länge her passende Sets zusammenstellen müssen. Es freut mich berichten zu dürfen, dass es eine App für iPhone und iPad gibt, die solche Projekte ungeheuer erleichtert: Index Card.

Das Prinzip ist ganz einfach und wir alle kennen es aus der realen Welt: die guten alten Karteikarten, die man mit einzelnen Ideen und Punkten füllt und dann in der richtigen Reihenfolge und Anzahl aneinander reiht. Index Card ist nichts anderes, als dieses System einfach in die digitale Welt versetzt. Die Idee zu der App stammt eigentlich von US-Drehbauchautoren, die Ideen, Szenen und Dialoge, schnell und unkompliziert umreihen und darstellen wollten. Und, die App kann noch viel mehr.

Grundsätzlich verteilt man seine Gags (Ideen) auf virtuelle Karteikarten. Diese kann man dann mit verschiedenen Farben versehen und sie jederzeit in eine beliebige Reihenfolge bringen. Einfach Finger drauf und Karte verschieben. Man kann sogar sogenannte “Stacks” machen, bei denen man Karten die thematisch zusammenhängen quasi in ein Häufchen aufeinander legt. Und auch diese Stacks kann man dann wieder jederzeit in eine beliebige Reihenfolge bringen oder auch wieder auflösen.

Wenn ich ein Set oder Moderationen für eine Show zusammenstelle, dann suche ich mir aus meiner Komplettsammlung an Gags die Anzahl der Karten raus, die der zur Verfügung stehenden Zeit ca. entsprechen, kopiere sie, bringe sie in die gewünschte Reihenfolge und speichere das neue Set ab. So habe ich immer und überall Zugriff auf meine Jokes und kann jederzeit schnell auch noch umstellen und die Reihenfolge ändern. Und im Laufe der Zeit hat sich auch eine Sammlung an Sets in verschiedenen Längen ergeben, auf die ich jetzt immer zugreifen kann. Manchmal ersetze ich dann einfach alte durch neue Gags oder durcg Gags, die thematisch besser zum nächsten Gig passen.

Ein weiteres großartiges Feature von Index Card ist, dass ich mit einem Finger-Tab alle Kärtchen eines Sets in ein Text-File umwandeln kann. So habe ich jedes Set auch als Fließtext, um es zu bearbeiten oder durchzugehen. Wenn ich dann dabei draufkomme, dass ich die Reihenfolge der Nummern ändern will, dann wechsle ich einfach wieder in die “Karteikarten-Ansicht” und verschiebe die Kärtchen bis sie in der richtigen Reihenfolge sind. Dann wieder ein Fingertab und ich habe ein neues Text-File mit der richtigen Reihenfolge.

Index Card hat noch viele weitere Features die mit Fonts, Farben, etc. zusammenhängen, aber die kann jeder selbst entdecken. Für mich ist die App zu einem unersetzlichen Werkzeug geworden, wenn es darum geht schnell und flexibel verschiedenen Sets vorzubereiten, inhaltlich abzustimmen und perfekt an Zeitvorgaben anzupassen.

 

Day One App – grandioser Weg- bzw. Schreibbegleiter

Alles aufschreiben, sofort! – das eherne Gesetz eines erfolgreichen Comedy- und Humorautoren. Gott, ich habe auch manchmal einfach keinen Bock was zu schreiben. Aber das Problem ist, dass tausende andere, die auch berühmte Comedians werden wollen, trotzdem was schreiben. Außerdem brauche ich neue Ideen für Gags und Geschichten. Ehrlich, seit ich mich meistens dazu zwinge auch wirklich jeden Tag zu schrieben muss ich zugeben, dass ich weitaus produktiver als früher geworden bin. Nebenbei gesagt, wenn ich schon meinen Sohn dazu zwinge jeden Tag zu schreiben, damit er in Deutsch in der Schule besser wird, dann sollte ich es auch tun. Vor allem, weil es heutzutage ja so viele coole digitale Gadgets gibt, die einem alles erleichtern.

Ich habe immer offen zugegeben, dass ich ein großer Fan des Apple iPads bin. Von Anfang an hat es mir bei meiner Herausforderung möglichst alles schnell zu notieren unterstützt. Und dazu kamen immer wieder tolle Apps die mich in meinem Job als Comedian und Autor perfekt unterstützen (Datenbank für meine Gags, eine tolle Schreibapp, eine geniale App um ganze Comedy-Sets zu bauen und auch diverse Apps um Ideen zu sammeln und zu notieren.

Day One ist genial

Seit einigen Wochen habe ich eine neue absolute Lieblingsapp: Day One. Ich habe noch nie eine Software gehabt mit der Tagebuch schreiben oder Notizen machen so viel Spass gemacht hat. Die App ist einfach, schön und unglaublich effektiv. Ich bin kein Technik- und Software-Experte, deswegen beschränke ich mich bei der Beschreibung auf die Aspekte, die für mich die wichtigsten sind.

  • Einfach

    Einfacher geht es nicht. Ich bin alt, mein Hirn ähnelt immer mehr einem Schweizer Käse und meine Synapsen weigern sich tapfer gegen die ansetzende Verblödung zu kämpfen. Ich brauche unkomplizierte Dinge um das Leben zu genießen und Day One ist genau das. App öffnen, auf das große +Symbol tippen und losschreiben. In den Einstellungen kann man auswählen, ob sich das Programm mit der letzte Ansicht, dem letzten Beitrag oder automatisch mit einer neuen leeren Seiten für einen neuen Beitrag öffnen soll. Ich habe alles gelassen wie es war und alles ist gut. Wenn man sich selbst ein wenig unter Druck setzen will, dann kann man sich auch regelmäßig erinnern lassen, dass es wieder Zeit wäre was schreiben. Ein bisschen so wie die Ehefrau, die einen regelmäßig daran erinnert endlich die alten kaputten Glühbirnen im 24-armigen Kronleuchter mit Energiesparbirnen zu ersetzen.

  • Lay-Out

    Okay, über Geschmack kann man streiten, aber für mich ist wichtig, dass eine Shreibapp auch “cool” aussieht. Als Comedian ist man gern cool. Ich bin überhaupt gern cool. Leider vermittle ich das oft nicht erfolgreich. Meine Tochter beschreit das was ich als coo bezeichne als ungeheuer peinlich. Aber Day One ist cool, das Design für meinen Geschmack hervorragend. Mit einer coolen App auf einem coolen iPad kann ich mich leichter motivieren. Ja, zugegeben primitiv und ein wenig peinlich, aber ehrlich.

  • Neue Funktionen

    Seit dem letzten Update hat die iPad-Version diverse neue Funktionen bekommen:

    • Volltextsuche

      über alle Beiträge. Natürlich tolle Sache.

    • Tags

      Außerdem kann man die Einträge jetzt auch mit Tags (Stichworten) versehen. Dazu gibt es dann auch eine alphabetisch geordnete Tag-Liste im Seitenmenü, wo man über einen lässigen Fingertipp alle Beiträge zu einem bestimmten Stichwort auflisten kann. Für die ExpertInnen unter euch: die Tags kann man so wie bei Twitter auch gleich mit dem #-Symbol während der Texterstellung markieren.

  • Exportfunktionen – Sync

    Einträge können als Text mit oder ohne Formatierung exportiert werden. Interessanterweise brauche ich die Funktion kaum mehr. In den letzten beiden Jahren schreibe ich fast nur mehr in Tex-Editoren, Emails oder digitalen Notizbüchern. Im Gegensatz zu früher habe ich weder Bedarf an Word oder auch Pages. Tja, so schnell ändert sich das Leben. Day One erlaubt es mir auch gleich Beiträge z.B. gleich auf Twitter zu schicken. Day One gibt es auch für den “großen Rechner” – lustig bei mir ist das MacBookAir inzwischen schon der große Rechner der immer am Schreibtisch bleibt – und das iPhone. Falls vorhanden werden alle Einträge in allen drei Gräten synchronisiert. Dazu muss man selber gar nichts tun. Funktioniert einfach

  • Markdown

    Was ist Markdown? Im Prinzip ist das eine einfach Art von html mit der man Texte formatieren kann. Aber nicht über Menüs wie bei Word, sondern durch diverse Symbole und Zeichen die gleich in den Text geschrieben werden. Der Vorteil ist, dass Dokumente die mit Markdown erstellt wurden, alle ihre Formatierungen behalten, auch wenn sie z.B. in anderen Text-Editoren, Schreib-Apps, Webpages oder auch html-Emails dargestellt werden. So kann ich z.B. meine Blog-Beiträge in Markdown schreiben und Überschriften, kursiv, fett und Links passen und funktionieren auch sofort auf der Webseite. Klingt kompliziert? Keine Sorge, ist es nicht. Ich habe auch von programmieren und html keine Ahnung, aber Markdown habe ich gleich verstanden und lieb gewonnen. Dafür musst ich zwei neue Synapsen in meinem Gehirn sorgfältig züchten.

  • Fotos

    In Day One ist es ganz einfach Fotos an Beiträge zu hängen. Entweder eines aus der Foto-App auswählen oder ein neues Foto schießen. Wenn man möchte werden die auch gleich mit GeoTags (Koordinaten des Foto- bzw. Beitrags-Erstellungs-Ort) zum Standort versehen. Für die Datenschützer unter uns: Kann man alles auch in den Einstellungen ausschalten. Nicht, dass die Ehefrau auch gleich die Adresse der Geliebten via Google-Maps mitgeteilt bekommt. Außerdem ist es möglich bei Beiträgen mit Fotos auszuwählen, ob der Zeitpunkt der Beitragserstellung das des Textes oder der Zeitpunkt der Aufnahme sein soll.

So, das waren die Funktionen, die mich zu einem Fan der App Day One gemacht haben. Natürlich gibt es noch mehr. Das Coole ist aber, dass man nie das Gefühl hat von Funktionen erschlagen zu werden, oder dass sie einen vom Schreiben abhalten bzw. ablenken. Es ist alles so einfach zu bedienen, dass man nie gebremst wird. Ah ja, noch eine wichtige Funktion für Autoren. Man kann keinen Beitrag verlieren. Selbst wenn man einfach aufhört, in eine andere App wechselt oder das iPad in den Ruhezustand versetzt, Day One speichert den letzten Eintrag und synchronisiert ihn auch gleich zu anderen Geräten. Einfach beruhigend.

Nach ein wenig mehr als drei Monaten und mehr als 200 Notizen und Einträgen kann ich Day One wirklich nur wärmstens empfehlen. Diese App hat mich als Autor viel produktiver werden lassen. (Leider werde ich nicht vom Hersteller von Day One – bzw. irgendeinem anderem Hersteller – für diese Jubelarie bezahlt. Falls irgendjemand da einen Kontakt hat, man kann mit mir, so wie mit jedem EU-Abgeordneten, über alles reden!)

 

7 Tipps für produktives Schreiben

produktiv Schreiben

Ich bin auch so. Ich liebe es meine Produktivität zu organisieren und damit vermeintlich zu steigern. Ich habe ca. 24 Listen-, To-Do- und Produktivitäts-Apps auf meinen smarten Geräten. Ich bin auch wahnsinnig gut, wenn es darum geht das Programm zu begreifen und eine erste To-Do-Liste zu erstellen. Dann wird sie auch noch behübscht und immer wieder begeistert angesehen und herumgezeigt. Inzwischen habe ich also auch 24 erste To-Do-Listen, aber keine ist abgearbeitet.

Arbeit organisieren ist nicht gleich arbeiten

Vor allem Männer, ist zumindest meine Erfahrung, lieben den Prozess mehr als die tatsächliche Arbeit. Wir können stundenlang sortieren, formatieren und prokrastinieren. Aber nichts wird tatsächlich erledigt. Ich bin schuldig. Habe das Problem aber erkannt und bin tatsächlich auf dem Weg der Besserung. Auch vor allem dank dieses Blogs, der mich immer wieder motiviert zu schreiben, aber nicht nur zu schreiben, sondern auch zu publizieren. Mein selbstauferlegtes Ziel, mindestens fünf neue Beiträge pro Woche, hat mich zunehmend gezwungen produktiv zu arbeiten. Besser formuliert, die zahlreichen BesucherInnen pro Tag, sind der beste Antriebsmotor den man haben kann.

Es gibt ein paar fundamentale Methoden, um auch einen kreativen Prozess wie Schreiben, produktiv zu gestalten. Hier sind sieben Tipps, die mir wirklich geholfen haben.

1. Geh jeden Tag ins Büro

Damit meine ich allerdings nicht ein wirkliches, physisches Büro, sondern nur einen fixen Arbeitsablauf. Das Büro kann ein Raum bei dir zu Hause, eine Bibliothek, dein Bett oder auch die Toilette sein (allerdings wirst du dich da an eingeschlafene Beine gewöhnen müssen). Wichtig ist nicht der Ort, sondern das Ritual. Such dir eine bestimmte und fixe Tageszeit, zu der du schreiben immer gehst. Es können 15 Minuten pro Tag, eine Stunde oder auch viel mehr sein. Es kann in der Früh, gleich nach dem Aufwachen im Bett, in der Mittagspause oder am Abend vor dem Schlafengehen sein. Das Wichtige ist nur: es muss ein fixer Termin sein. Trage ihn in deinen Kalender ein. Du musst ihn einhalten. Teile ihn mit Familie, FreundInnen und KollegInnen, damit sie ihn respektieren, dich aber auch ein wenig zur Rechenschaft zwingen wenn du ihn nicht einhältst. Ein solcher fixer Termin wird dir zu viel mehr geschriebenen Text verhelfen und er wird dich zu einem besseren Autor machen.

2. Lege ein Pensum fest

Lege dich selbst auf ein Ziel fest, wie viel du in bestimmten Zeitabschnitten schreiben möchtest. Das Ziel können Seiten, Gags oder auch Ideen sein. Z.B. 10 Seiten pro Woche, 1.000 Wörter pro Tag, 1 Stunde pro Tag, 10 Pointen pro Woche, etc…. Du legst dieses Ziel selbst fest. Je nach Persönlichkeit ist es für dich vielleicht einfacher Seitenzahlen einzuhalten als Stunden. Probier es aus, aber mach es. Gemeinsam mit dem fixen Termin motiviere dich. Versuch keine Ausnahmen zu machen. Programmiere dir Erinnerungen, bitte FreundInnen dich zu kontrollieren. Alles was dir hilft ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du die Vorgaben nicht einhältst ist hilfreich und erwünscht.

3. Belohne deinen Fleiß

Wenn du alles eine Woche lang eingehalten hast, belohne dich dafür. Wenn du die 20 Seiten geschrieben hast, lobe dich dafür. Gönn dir irgendeinen Spass. Geh ein Eis essen, in die Wellness-Oase oder ins Kino. Gib dir jede Woche eine Belohnung für die Einhaltung der Vorgaben. Du hast was erreicht, du warst produktiv und du verdienst eine Anerkennung.

4. Bestrafe dich für Faulheit

So wie du dich belohnen sollst wenn du die Vorgaben einhältst, genau so solltest du Konsequenzen spüren, wenn du sie nicht erfüllst. Kein Eis für dich, keine Pizza oder kein netter Abend vor der Flimmerkiste. Klar, das ist nicht leicht, aber es hilft. Ich habe das selbst bei mir gespürt. Manchmal war ich wie vor Jahrzehnten in der Schule und habe dann vor der selbstauferlegten Strafe noch alles nachgeholt. Es geht immer um Motivation. Schreiben ist ein harter Job, so wie jeder andere Job der gut gemacht wird auch. Ausreden wie »Ich bin heute nicht kreativ!«, »Ich habe eine Blockade!«, etc., zählen nicht. Finde ein paar kreative Strafen (nein, keine die Spass machen!) und halt dich dran.

5. Rechenschaft ablegen

Wenn du merkst, dass du alleine nicht hart genug zu dir bist, dann sorge dafür, dass du anderen gegenüber verantwortlich wirst. Wenn du deine Texte online stellst und jeden Tag LeserInnen anziehst, dann fühlst du dich schnell dafür verantwortlich regelmäßig zu schreiben. Du kannst aber auch einfach mit einem anderen Autor oder Autorin eine Gemeinschaft bilden und ihr gebt euch selbst zu erfüllende Vorgaben bis zum nächsten Meeting auf. Versprich deiner Frau, dass du ihr am Ende der Woche deine Texte zeigst. Geh in einen Schreibkurs auf der Volkshochschule. Such dir ein Publikum. Vereinbare Lesungen. Oft sind wir viel produktiver, wenn wir wissen, dass andere von uns diese Produktivität erwarten und den Fortschritt sehen wollen.

6. Produktivitäts-Apps

Wie schon zu Beginn des Beitrags geschrieben, es gibt sie. Es gibt sie zu tausenden. Und sie funktionieren alle, wenn du es willst. Finde Apps und Programme, die dir zusagen. Oft reicht ein Kalender mit To-Do-Liste und automatischen Erinnerungen. Es gibt aber auch hoch komplexe und kreative Lösungen. Für viele Menschen ist es eine große Motivation Listen abzuhaken und abzuarbeiten, Wörter und Seiten zu zählen oder einfach Seiten auszudrucken. Was immer dir hilft ist gut. Mach es nur.

7. Suche Inspiration

Mach einfach Sachen, die dein Projekt, dein Schreiben und deine Kreativität unterstützen, herausfordern und fördern. Geh ins Kino, lies Bücher, geh ins Theater oder in eine Comedy-Show. Mach Musik, Kampfsport, Speed-Dating oder Parties. Alles ist gut, wenn es deine Fantasie und deinen Geist anregt. Habe immer dein Notizbuch, dein Smart-Phone oder dein Tablet dabei, um großartigen Ideen und Geistesblitze sofort notieren zu können. Man kann nie vorhersehen, wann einem die geniale Roman-Idee, der perfekte Dialog oder die Wahnsinns-Pointe einfällt. Sei immer vorbereitet (Ja Jungs, das kann man auch wieder ein wenig anders verstehen).

Es liegt an dir

Kreatives und produktives Schreiben taucht nicht einfach so auf. Ja, Ideen können das, aber das war es dann auch schon. Im Gegensatz zum weiterverbreiteten Mythos hat kreatives Schreiben vor allem mit Arbeitseinsatz, Regelmäßigkeit, Übung und Selbstdisziplin zu tun. Klingt hart, hat aber einen ganz großen Vorteil. Alle diese Vorraussetzung kannst du selbst schaffen und erfüllen. Dazu ist weder Geld, noch ein grandioses Studium und vor allem kein Glück nötig. Du kannst es, also mach es.