Schlagwort-Archive: Comedypraxis

Keine Ablenkung, denn ich bin schwach!

Viele KollegInnen wissen, dass ich ein iPad-Fan bin. Ich halte das iPad für eines der besten Werkzeuge, wenn man im Comedy-Business oder einem anderen Bereich arbeitet, bei dem es wichtig ist einfach, schnell und immer und überall Texte schreiben und Texte bearbeiten zu können oder auch nur Notizen zu machen. Aber neben der Hardware muss man auch die Software finden, mit der man am besten und liebsten arbeitet.

Und so passiert es immer wieder, dass wir vor, während oder nach einer Show zusammensitzen und Erfahrungen über diverse Apps und Zubehör austauschen. Und heute möchte ich hier über eine App schreiben, die mir geholfen hat meinen inneren Schweinehund oft zu überwinden und meinen Schreib-Output massiv zu erhöhen. Die Software firmiert unter dem Namen iA-Writer und ist in Versionen für den Mac, das iPad und das iPhone im App-Store erhältlich. Ich nutze sie vor allem am iPad.

Die Mission der Entwickler von iA-Writer war es, ein Textprogramm zu bauen, dass einzig und allein dem Zweck dient ablenkunsgfrei schreiben zu können. Und genau das schafft iA-Writer. Das großartige Konzept an dem Ding ist der knallharte Verzicht. Keine Formatierungsmöglichkeiten (außer Markdown – aber das ist ein eigenes Thema) mit denen man herumspielen kann während man eigentlich schreiben sollte. Keine verschiedenen Fonts in denen der Text “cooler” ausschauen könnte und mit denen man herumspielen kann. Keine Seiten- und Layout-Designs mit denen man herumspielen kann anstatt zu schreiben. Ich persönlich bin schuldig und habe oft zwei Absätze geschrieben um dann “stundenlang” blöd herum zu formatieren weil ich ja viel kreativer und besser schreiben würde mit diesem neuen “coolen” Look. Blödsinn, ich habe mich nur abgelenkt. Und iA-Writer hat mich davon geheilt. Vor allem auch mit seinem speziellen “Fokus-Mode” auf den ich später noch zurückkommen werde.

Sobald man die App startet wirkt alles aufgeräumt und auf eine einzige Aufgabe fokussiert. Alles ist auf den Text fokussiert, der mit schwarzer Schrift auf weißem Grund angezeigt wird. Die Entwickler haben wohl mit Bedacht einen großen Font und einen erhöhter Zeilenabstand designed und so ist der Text sehr gut lesbar.

iA-Writer verbessert auch die iPad-eigene, virtuelle Tastatur mit acht zusätzlichen Funktionen, die bei der Erstellung von Texten hilfreich sind. Es gibt plötzlich Tasten, um z.B. ein Wort weiter zu springen und zwei Cursor-Tasten, um einfach zurück- und vorzunavigieren. Dazu noch Tasten für Bindestrich, Semikolon, Doppelpunkt, Anführungszeichen, etc. und Klammern.

Das Menü am oberen Rand wurde auch auf das Wesentlichste reduziert und enthält Informationen zum Öffnen von Texten, zum Anlegen neuer Texte und zum Verschicken des Textes per E-Mail. Man kann aber auch einfach den ganzen Text mit einem Schritt in die Zwischenablage kopieren. Um einen Text mit einem Namen zu versehen oder auch nur einfach umzubenennen tippt man einfach am oberen Rand auf den Namen und schon ist er markiert und kann manipuliert werden.

Für Autoren – und natürlich Comedians – besonders interessant sind die Statistikfunktionen, die bei iA-Writer mit umgesetzt wurden. Am oberen rechten Rand ist immer zu sehen wie viele Worte und Zeichen der Text schon hat. Und mit einem Fingertip wird es für uns Bühnenmenschen noch besser: denn da berechnet die App gleich wie lange es dauern würde den ganzen Text zu lesen oder wie lange es dauert vom Start bis zur aktuellen Position des Cursors zu lesen. (Übrigens ist der Cursor auch ein kleiner Geniestreich. Länger als üblich und mit Farbe hervorgehoben und so immer auf einem Blick gleich sichtbar. Zurück zur Lesedauer.) Natürlich stimmt die angegebene Zeit nicht mit der Zeit überein, die man selbst braucht um eine Nummer auf der Bühne zu spielen. Diese Zeitdauer hängt natürlich von der individuellen Sprechgeschwindigkeit ab. Aber nach ein paar Versuchen kommt man schnell dahinter, wie man die errechnete Zeit umrechnen muss, um ziemlich sicher zu wissen wie lange man brauchen würde einen Text auf der Bühne zu sprechen. In meinem Fall muss ich die errechnete Zeit meist einfach nur verdoppeln, um ziemlich gut zu wissen wie lange ich auf der Bühne brauchen würde. Ich liebe diese Funktion.

Und jetzt zum nächsten tollen Detail der App: der Fokus-Mode von iA-Writer. In allen Büchern die man zum Thema Comedy oder kreatives Schreiben lesen kann steht, dass man immer zu Anfang seinen Gedanken einfach freien Lauf lassen soll. Einfach schreiben, ohne Rücksicht auf Formulierungen, Rechtschreibung und Formatierung. Leider sind wir ja nicht mehr Herren über unsere Maschinen und so kann man ja oft gar keine Texte mehr schreiben ohne dass sich nicht gleich irgendeine Autokorrektur, Autofilling oder andere Funktion einmischt, Wörter unterstreicht und uns gleich wieder das Gefühl gibt: »Hey, so geht das nicht!« Natürlich ist das in anderen Schreibsituationen hilfreich und sinnvoll. Aber beim freien, assoziativen vor sich hin-texten eben nicht. Und wer hat schon Lust sich jedesmal durch Menüs durchzutippen um diese Funktionen ein- und auszuschalten?

Und da kommt der Fokus-Mode von iA-Writer ins Spiel. Ich finde die Lösung genial: Mit einem Tap auf das Schloss in der oberen Toolbar wird die Menüleiste und die Statusleiste ausgeblendet. Am Bildschirm werden jetzt nur drei Zeilen des Texts in Schwarz, die Zeilen darüber und darunter in hellem Grau angezeigt. Die Tastatur kann nicht aus Versehen ausgeblendet werden. Zurück-scrollen ist ebenfalls nicht möglich. Durch den Text kann nur unter Verwendung der Cursor-Tasten und Wort vor/zurück-tasten navigiert werden. Funktionen, wie z. B. Autokorrektur, Rechtschreibkontrolle und alles andere, werden ausgeblendet und auf “Pause” gestellt, sodass man sich rein auf den Text konzentrieren kann. Die Idee dahinter ist, dass wenn die ominöse Schreibblockade eintritt, man sich rein auf den Text und seinen aktuellen Gedanken konzentrieren kann. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das funktioniert.

Ergänzend sei jetzt auch noch erwähnt, dass iA-Writer alle Texte entweder per iCloud oder DropBoxmit allen anderen Geräten synchronisiert. Und bei dem Thema gibt es auch von mir Kritik. Der Sync funktioniert einwandfrei, aber nur bei DropBox hat man die Option Texte in Ordner ablegen zu können und so zu organisieren. Bei iCloud – aber auch lokal auf dem iPad – liegen alle Texte in einem Folder und werden geordnet nach Bearbeitungsdatum dargestellt. Ich selbst hoffe, dass zukünftige Versionen es uns auch erlauben werden diverse Ordner zu erstellen um Dateien gezielt und thematisch abzulegen. Und noch ein Wunsch sei mir gestattet: eine Volltext-Suchfunktion die über alle Texte in einem Ordner läuft wäre genial.

Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass ich eigentlich ein fauler Hund bin und jede Gelegenheit wahrnehme, wenn es darum geht Ausreden zu finden um nicht zu schreiben. iA-Writer hat mir die meisten genommen. Ich schreibe fast alles nur mehr in dieser App, egal ob Emails, Konzepte, Gags, Programme. Das ist aber auch alles was in in iA-Writer mache. Weiterverarbeitet werden sie dann je nach Thema in Blogsoftware, Datenbank, Lay-out-Programm, etc. Und das ist das Geniale an iA-Writer. Damit kann man nur schreiben. Aber in unserem Business ist genau das, das Wichtigste und unser aller Fundament.

Freies Schreiben

Index Card – App für Comedians, Redner, Moderatoren

Immer wieder müssen Comedians sehr flexibel sein, wenn es um die Länge ihres Auftritts, oder wie wir Profis sagen, ihres Sets geht. TV-Auftritte bewegen sich zwischen 5-7 Minuten, diverse Mixed-Shows wollen einmal 10 Minuten, dann wieder 12 Minuten oder 15 Minuten bis hin zu 20 Minuten pro Auftritt. Jetzt haben wir alle natürlich viel Material und jedes mal müssen wir ein passendes Set zusammenstellen.

Ist aber auch ein Problem für Moderatoren und Redner, die natürlich schnell, aus diversen Quellen und Unterlagen, von der Länge her passende Sets zusammenstellen müssen. Es freut mich berichten zu dürfen, dass es eine App für iPhone und iPad gibt, die solche Projekte ungeheuer erleichtert: Index Card.

Das Prinzip ist ganz einfach und wir alle kennen es aus der realen Welt: die guten alten Karteikarten, die man mit einzelnen Ideen und Punkten füllt und dann in der richtigen Reihenfolge und Anzahl aneinander reiht. Index Card ist nichts anderes, als dieses System einfach in die digitale Welt versetzt. Die Idee zu der App stammt eigentlich von US-Drehbauchautoren, die Ideen, Szenen und Dialoge, schnell und unkompliziert umreihen und darstellen wollten. Und, die App kann noch viel mehr.

Grundsätzlich verteilt man seine Gags (Ideen) auf virtuelle Karteikarten. Diese kann man dann mit verschiedenen Farben versehen und sie jederzeit in eine beliebige Reihenfolge bringen. Einfach Finger drauf und Karte verschieben. Man kann sogar sogenannte “Stacks” machen, bei denen man Karten die thematisch zusammenhängen quasi in ein Häufchen aufeinander legt. Und auch diese Stacks kann man dann wieder jederzeit in eine beliebige Reihenfolge bringen oder auch wieder auflösen.

Wenn ich ein Set oder Moderationen für eine Show zusammenstelle, dann suche ich mir aus meiner Komplettsammlung an Gags die Anzahl der Karten raus, die der zur Verfügung stehenden Zeit ca. entsprechen, kopiere sie, bringe sie in die gewünschte Reihenfolge und speichere das neue Set ab. So habe ich immer und überall Zugriff auf meine Jokes und kann jederzeit schnell auch noch umstellen und die Reihenfolge ändern. Und im Laufe der Zeit hat sich auch eine Sammlung an Sets in verschiedenen Längen ergeben, auf die ich jetzt immer zugreifen kann. Manchmal ersetze ich dann einfach alte durch neue Gags oder durcg Gags, die thematisch besser zum nächsten Gig passen.

Ein weiteres großartiges Feature von Index Card ist, dass ich mit einem Finger-Tab alle Kärtchen eines Sets in ein Text-File umwandeln kann. So habe ich jedes Set auch als Fließtext, um es zu bearbeiten oder durchzugehen. Wenn ich dann dabei draufkomme, dass ich die Reihenfolge der Nummern ändern will, dann wechsle ich einfach wieder in die “Karteikarten-Ansicht” und verschiebe die Kärtchen bis sie in der richtigen Reihenfolge sind. Dann wieder ein Fingertab und ich habe ein neues Text-File mit der richtigen Reihenfolge.

Index Card hat noch viele weitere Features die mit Fonts, Farben, etc. zusammenhängen, aber die kann jeder selbst entdecken. Für mich ist die App zu einem unersetzlichen Werkzeug geworden, wenn es darum geht schnell und flexibel verschiedenen Sets vorzubereiten, inhaltlich abzustimmen und perfekt an Zeitvorgaben anzupassen.

 

7 Tipps für produktives Schreiben

produktiv Schreiben

Ich bin auch so. Ich liebe es meine Produktivität zu organisieren und damit vermeintlich zu steigern. Ich habe ca. 24 Listen-, To-Do- und Produktivitäts-Apps auf meinen smarten Geräten. Ich bin auch wahnsinnig gut, wenn es darum geht das Programm zu begreifen und eine erste To-Do-Liste zu erstellen. Dann wird sie auch noch behübscht und immer wieder begeistert angesehen und herumgezeigt. Inzwischen habe ich also auch 24 erste To-Do-Listen, aber keine ist abgearbeitet.

Arbeit organisieren ist nicht gleich arbeiten

Vor allem Männer, ist zumindest meine Erfahrung, lieben den Prozess mehr als die tatsächliche Arbeit. Wir können stundenlang sortieren, formatieren und prokrastinieren. Aber nichts wird tatsächlich erledigt. Ich bin schuldig. Habe das Problem aber erkannt und bin tatsächlich auf dem Weg der Besserung. Auch vor allem dank dieses Blogs, der mich immer wieder motiviert zu schreiben, aber nicht nur zu schreiben, sondern auch zu publizieren. Mein selbstauferlegtes Ziel, mindestens fünf neue Beiträge pro Woche, hat mich zunehmend gezwungen produktiv zu arbeiten. Besser formuliert, die zahlreichen BesucherInnen pro Tag, sind der beste Antriebsmotor den man haben kann.

Es gibt ein paar fundamentale Methoden, um auch einen kreativen Prozess wie Schreiben, produktiv zu gestalten. Hier sind sieben Tipps, die mir wirklich geholfen haben.

1. Geh jeden Tag ins Büro

Damit meine ich allerdings nicht ein wirkliches, physisches Büro, sondern nur einen fixen Arbeitsablauf. Das Büro kann ein Raum bei dir zu Hause, eine Bibliothek, dein Bett oder auch die Toilette sein (allerdings wirst du dich da an eingeschlafene Beine gewöhnen müssen). Wichtig ist nicht der Ort, sondern das Ritual. Such dir eine bestimmte und fixe Tageszeit, zu der du schreiben immer gehst. Es können 15 Minuten pro Tag, eine Stunde oder auch viel mehr sein. Es kann in der Früh, gleich nach dem Aufwachen im Bett, in der Mittagspause oder am Abend vor dem Schlafengehen sein. Das Wichtige ist nur: es muss ein fixer Termin sein. Trage ihn in deinen Kalender ein. Du musst ihn einhalten. Teile ihn mit Familie, FreundInnen und KollegInnen, damit sie ihn respektieren, dich aber auch ein wenig zur Rechenschaft zwingen wenn du ihn nicht einhältst. Ein solcher fixer Termin wird dir zu viel mehr geschriebenen Text verhelfen und er wird dich zu einem besseren Autor machen.

2. Lege ein Pensum fest

Lege dich selbst auf ein Ziel fest, wie viel du in bestimmten Zeitabschnitten schreiben möchtest. Das Ziel können Seiten, Gags oder auch Ideen sein. Z.B. 10 Seiten pro Woche, 1.000 Wörter pro Tag, 1 Stunde pro Tag, 10 Pointen pro Woche, etc…. Du legst dieses Ziel selbst fest. Je nach Persönlichkeit ist es für dich vielleicht einfacher Seitenzahlen einzuhalten als Stunden. Probier es aus, aber mach es. Gemeinsam mit dem fixen Termin motiviere dich. Versuch keine Ausnahmen zu machen. Programmiere dir Erinnerungen, bitte FreundInnen dich zu kontrollieren. Alles was dir hilft ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du die Vorgaben nicht einhältst ist hilfreich und erwünscht.

3. Belohne deinen Fleiß

Wenn du alles eine Woche lang eingehalten hast, belohne dich dafür. Wenn du die 20 Seiten geschrieben hast, lobe dich dafür. Gönn dir irgendeinen Spass. Geh ein Eis essen, in die Wellness-Oase oder ins Kino. Gib dir jede Woche eine Belohnung für die Einhaltung der Vorgaben. Du hast was erreicht, du warst produktiv und du verdienst eine Anerkennung.

4. Bestrafe dich für Faulheit

So wie du dich belohnen sollst wenn du die Vorgaben einhältst, genau so solltest du Konsequenzen spüren, wenn du sie nicht erfüllst. Kein Eis für dich, keine Pizza oder kein netter Abend vor der Flimmerkiste. Klar, das ist nicht leicht, aber es hilft. Ich habe das selbst bei mir gespürt. Manchmal war ich wie vor Jahrzehnten in der Schule und habe dann vor der selbstauferlegten Strafe noch alles nachgeholt. Es geht immer um Motivation. Schreiben ist ein harter Job, so wie jeder andere Job der gut gemacht wird auch. Ausreden wie »Ich bin heute nicht kreativ!«, »Ich habe eine Blockade!«, etc., zählen nicht. Finde ein paar kreative Strafen (nein, keine die Spass machen!) und halt dich dran.

5. Rechenschaft ablegen

Wenn du merkst, dass du alleine nicht hart genug zu dir bist, dann sorge dafür, dass du anderen gegenüber verantwortlich wirst. Wenn du deine Texte online stellst und jeden Tag LeserInnen anziehst, dann fühlst du dich schnell dafür verantwortlich regelmäßig zu schreiben. Du kannst aber auch einfach mit einem anderen Autor oder Autorin eine Gemeinschaft bilden und ihr gebt euch selbst zu erfüllende Vorgaben bis zum nächsten Meeting auf. Versprich deiner Frau, dass du ihr am Ende der Woche deine Texte zeigst. Geh in einen Schreibkurs auf der Volkshochschule. Such dir ein Publikum. Vereinbare Lesungen. Oft sind wir viel produktiver, wenn wir wissen, dass andere von uns diese Produktivität erwarten und den Fortschritt sehen wollen.

6. Produktivitäts-Apps

Wie schon zu Beginn des Beitrags geschrieben, es gibt sie. Es gibt sie zu tausenden. Und sie funktionieren alle, wenn du es willst. Finde Apps und Programme, die dir zusagen. Oft reicht ein Kalender mit To-Do-Liste und automatischen Erinnerungen. Es gibt aber auch hoch komplexe und kreative Lösungen. Für viele Menschen ist es eine große Motivation Listen abzuhaken und abzuarbeiten, Wörter und Seiten zu zählen oder einfach Seiten auszudrucken. Was immer dir hilft ist gut. Mach es nur.

7. Suche Inspiration

Mach einfach Sachen, die dein Projekt, dein Schreiben und deine Kreativität unterstützen, herausfordern und fördern. Geh ins Kino, lies Bücher, geh ins Theater oder in eine Comedy-Show. Mach Musik, Kampfsport, Speed-Dating oder Parties. Alles ist gut, wenn es deine Fantasie und deinen Geist anregt. Habe immer dein Notizbuch, dein Smart-Phone oder dein Tablet dabei, um großartigen Ideen und Geistesblitze sofort notieren zu können. Man kann nie vorhersehen, wann einem die geniale Roman-Idee, der perfekte Dialog oder die Wahnsinns-Pointe einfällt. Sei immer vorbereitet (Ja Jungs, das kann man auch wieder ein wenig anders verstehen).

Es liegt an dir

Kreatives und produktives Schreiben taucht nicht einfach so auf. Ja, Ideen können das, aber das war es dann auch schon. Im Gegensatz zum weiterverbreiteten Mythos hat kreatives Schreiben vor allem mit Arbeitseinsatz, Regelmäßigkeit, Übung und Selbstdisziplin zu tun. Klingt hart, hat aber einen ganz großen Vorteil. Alle diese Vorraussetzung kannst du selbst schaffen und erfüllen. Dazu ist weder Geld, noch ein grandioses Studium und vor allem kein Glück nötig. Du kannst es, also mach es.

 

Comedy- und Kabarettwettbewerb

Comedy liegt im Detail – aber nicht zu sehr!

Beim Schreiben von Comedy-Material ist es immer ein guter Ansatz Allgemeinplätze und Verallgemeinerungen zu vermeiden. Auf der Bühne sollte man z.B. nicht einfach über ein “Stück Obst” sprechen. Viel besser ist es von einem Apfel zu erzählen.

Gut geschriebene Geschichten und Gags erzeugen in der Vorstellung des Publikums ein klares Bild. Alle im Publikum haben im besten Fall eine genaue Vorstellung von dem Ding oder der Situation über die der Comedian auf der Bühne spricht. Wenn man jetzt nur über ein “Stück Obst” spricht, lässt das viele Interpretationen offen. Ist es eine Banane, ein Pfirsich, ein Apfel oder eine andere Frucht? Diese “Verunsicherung” hindert die ZuschauerInnen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und – was vielleicht noch wichtiger ist – emotional in die Geschichte einzusteigen und zu investieren. Wenn man aber “Apfel” sagt, dann hat jeder im Publikum für sich ein klares Bild im Kopf und auch eine eindeutige emotionale Reaktion dazu. Plötzlich sehen alle ihren Apfel und spüren das, was sie in ihrem Leben schon immer mit einem Apfel assoziiert haben. Sie haben ein eindeutiges Bild vor Augen und ein klares Gefühl.

Wenn ich meine Gags erzähle, dann stelle ich mir vor, dass ich gerade in den Köpfen der ZuschauerInnen ein Bild male. – Steven Wright

Aber wie immer im Leben gibt es dazu auch eine Kehrseite. Man kann zu detailliert werden. Wenn man plötzlich von einem Apfel spricht, “so einen wie wir ihn alle kennen. Leicht rot an den Seiten, dann ein wenig gelb oben und mit Dellen und leicht braunen Flecken”, dann kann es sein, dass man die Vorstellungskraft der Leute überstrapaziert. Dass man ihnen zu wenig Freiheit lässt um einen Apfel, nämlich “ihren” Apfel, im Kopf zu sehen, mit dem sie Emotionen verbinden. Wenn die Farbe und der Zustand nicht unmittelbar für den Gag – vor allem der Punchline – relevant ist, dann weglassen.

Idealerweise sollte ein erfolgreicher Schreibstil für Comedy klar, einfach und eine lebendige Einladung für das Publikum sein sich statt Allgemeinheiten spezifische Dinge und Situationen vorzustellen. Situationen mit denen es eine Emotion, also ein Gefühl, verbindet. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr durch zu viele Details Menschen im Publikum auszuschließen. Ideal ist es die Vorstellungskraft der Menschen zu reizen und anzuregen, sie aber nicht einzuschränken und zu limitieren.

So sieht ein Gag von innen aus

So sieht ein Gag von innen aus

So sieht ein Gag von innen ausWas macht einen Gag aus? Es sind eigentlich im Grunde nur zwei Elemente, die bei Bedarf mit anderen Elementen ausgeschmückt werden. Die zwei essentiellen Elemente eines Gags oder einer Pointe sind:
* Set-Up (Einführung)
* Punchline (Pointe) Fast jeder Mensch kennt diese Grundstruktur. Alle Witze, sei es erzählt, aus Büchern oder aus dem Internet, basieren auf dieser Struktur. Wir alle haben sie im Laufe unseres Lebens unbewusst gelernt und reagieren instinktiv darauf. Wir wissen wann ein Set-Up zu Ende ist und meistens auch, wenn wir die Pointe hören. Außer sie ist so schlecht, dass sie nur betretenes, verwirrtes und stummes Schweigen erntet. Aber sehen wir uns das Ganze genauer an. Hier ein kleiner Witz als Beispiel:

Sagt der eine Golfer zum anderen: »Stell dir vor, gestern komme ich nach Hause, steht meine Frau in sexy Unterwäsche, mit Handschellen in der Hand an der Schlafzimmertür. Sie sagt: “Fessle mich und mach was immer du willst!“«  Fragt der andere Golfer: »Und was hast du gemacht?«  Sagt der erste Golfer: »Ich habe sie gefesselt und bin Golf spielen gegangen.« Der Klassiker: Set-Up + Punchline

Das Set-Up Dieser Witz hält sich ganz strikt an die klassischen Gag-Struktur: Set-Up und Punchline. Das Set-Up führt die Charaktere und all die Informationen ein, die man braucht um den Gag zu verstehen. Es bereitet die ZuhörerInnen auf die Punchline vor. Das Set-Up muss (soll) gar nicht lustig oder besonders aufregend sein. Es muss nur alle, für das Verständnis des Witzes notwendigen, Elemente in sich tragen.

Die Punchlline Die Punchline nimmt die Informationen auf, re-interpretiert das Geschehen oder einzelne Worte, verpasst ihr eine kreative Wendung und überrascht mit der Pointe den Zuhörer. In unserem Beispiel ist das Set-Up:

»Stell dir vor, gestern komme ich nach Hause, steht meine Frau in sexy Unterwäsche, mit Handschellen in der Hand an der Schlafzimmertür. Sie sagt: “Fessle mich und mach was immer du willst!“« und die Punchline ist: »Ich habe sie gefesselt und bin Golf spielen gegangen.« Die einzige wirkliche Vorraussetzung von Seiten des Publikums die wirklich nötig ist um den Witz zu verstehen, ist die Fähigkeit gut deutsch zu können. Denn nur wer die Sprache beherrscht versteht die verwendete Doppeldeutigkeit von »..mach was immer du willst.«  Die ZuhörerInnen müssen verstehen, dass die Ehefrau eigentlich gehofft hat mit ihrem Auftritt den Mann zu Sex verführen zu können, er aber scheinbar schon lange lieber Golf spielen geht. Es hilft natürlich auch, wenn das Publikum sich bestimmter Vorurteile bewusst ist und diese vielleicht sogar hegt, denn das Verhalten des Ehemannes bestätigt ein Vorurteil: dass regelmäßiger Sex in langfristigen Beziehungen seinen Reiz verliert. Mit Set-up und Punchline ist der Gag vollendet und auch komplett. In der Fachsprache bezeichnen wir solche Witze als „Oneliner“ (Einzeiler). Gute Comedians und Humoristen bauen solche Oneliner dann allerdings noch aus und verstecken die einfache Struktur in cleveren Formulierungen. Auch für diesen Ausbau gibt es ein eigentlich recht einfaches und immer wieder eingesetztes Werkzeug, den sogenannten „Tag“ (Anhänger).

Der Tag (Anhänger) Der Anhänger folgt der eigentlichen Punchline, also der ersten Pointe. Gute Comedians nutzen somit ein Set-Up um danach mehrere Pointen zum gleichen Thema zu setzen. Wenn sie besonders gut sind, dann schaffen sie es die Lachintensität des Publikums von Pointe zu Pointe zu steigern und bekommen nach der letzen Pointe dann auch noch Applaus. Hier wieder ein kleines Beispiel (kein Anspruch auf humoristische Brillanz):

Die Handtasche meiner Frau ist ein Verstoss gegen das Raum-Zeit-Kontinuum. Von außen sieht sie so klein aus, aber das täuscht. Innen muss sie riesig sein. Wie sie das letzte mal den Hausschlüssel gesucht hat, hat sie zufällig unser Auto drin gefunden. (Punchline) Wir haben es vor drei Tagen als gestohlen gemeldet. (1. Anhänger/Tag) Die Tasche ist so groß. Die Landesregierung hat ihr dafür eine eigene Postleitzahl gegeben. (2. Anhänger/Tag) Schiffskapitäne durchqueren jetzt schon lieber das Bermuda-Dreieck, als dass sie in die Nähe der Handtasche meiner Frau navigieren würden. (3. Anhänger/Tag) Du siehst also, wie das Prinzip „Tag“ technisch funktioniert. Gleich eine Warnung zur Verwendung von solchen Anhängern. Um dabei wirklich erfolgreich zu sein, muss man viel Erfahrung und perfektes Timing haben. Immer wenn Comedians versuchen nach einer Pointe noch einen „drauf zu setzen“ besteht die Gefahr, dass sie in die Lacher des Publikums hineinreden und diese damit abkürzen. Man darf das Publikum nie unterschätzen. Wenn ein Comedian mehrmals sin Lacher hineinspricht, dann lernen die ZuschauerInnen schnell, dass möglicherweise nach der Pointe noch was kommt. Sie befürchten dann aber, dass sie die nächste Pointe wegen des Lachens akustisch nicht verstehen könnten und kürzen ihre Lach-Reaktion  präventiv ab. Damit verkürzt du deine wohlverdienten Lachsalven. Das darf nicht passieren. Also wenn du Anhänger (Tags) verwenden willst, dann hab auch die Ruhe und Nerven jede einzelne Pointe auszusitzen, Pausen zu machen und zu warten bis die ZuseherInnen wieder aufnahmebereit sind.

Genie ist, die einfachen Bausteine genial zu verbinden Mist ist klar, dass jede Pointe und jeder Gag seinen seinen Reiz verliert, wenn man ihn so wie im oberen Abschnitt analysiert und in seine Einzelteile zerlegt. Aber um zu lernen wie man Gags findet, aufbaut und schreibt, muss man das Seziermesser ansetzen. Das raubt dem Witz zwar die Magie, zeigt aber gleichzeitig, dass man kein Hexenmeister sein muss, um Pointen schreiben zu können. Wer einmal verstanden hat, dass jeder Witz, jeder Gag und jede Pointe im Grunde genommen aus nur zwei Bausteinen besteht, dem Set-up und der Punchline, kann sich optimistisch in das Abenteuer neue Gags zu erfinden stürzen. Wer sich am Beginn seiner Abenteuerreise an die Struktur hält, wird dabei auch Erfolg haben. Die hohe Kunst ist wie bei allen Dingen im leben, die einfachen Bausteine so kreativ und geschickt zu nutzen und zu verbinden, dass daraus echte Kunstwerke entstehen.