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unterhaltsamer Geschichten

Wo kommen die Ideen her?

Wo kommen die Ideen her? Eine der häufigsten Fragen die man als Comedian, Kabarettist aber auch als Autor gestellt bekommt ist: »Wo bekommst du deine Ideen her?« Es wäre so schön, wenn Ideen einfach so plötzlich aus dem Nichts auftauchen würden. So wie es uns Filme und Mythen glauben machen wollen. Der Held sitzt im Café, sieht sich um und plötzlich ist sie da. Die grandiose Story-Idee, der perfekte Gag und die fesselnde Geschichte. Wer würde nicht gerne diese geheime Technik kennen, mit der manche scheinbar so einfach ein grandioses Programm nach dem anderen, oder einen Bestseller gefolgt vom nächsten, aus dem Ärmel schütteln?

Jeder hat den Schlüssel in sich

Die brutale Wahrheit. Es gibt die geheime Technik nicht. Das ist die unangenehme Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass jeder von uns den Universalschlüssel zu fesselnden und unterhaltsamen Geschichten in sich trägt. In Wahrheit hat jeder von uns mehr Ideen und Gedanken als er oder sie je aufschreiben könnte. Das Problem ist also nicht, dass wir die Geschichten und Pointen nicht schon in uns tragen würden, das Problem ist, dass wir nicht gelernt haben sie in die Welt hinauszulassen.

In jeder Anleitung zum kreativen Schreiben – und natürlich auch Comedy-Schreiben – wird uns gesagt, dass wir mit einer klaren Prämisse oder Story-Idee beginnen sollen. Was kaum beschrieben und erklärt wird ist, woher diese Idee denn kommen soll? Und genau das hat diesen Mythos geschaffen, der besagt, dass manche diese Ideen in sich tragen, manche nicht und somit Talent haben oder nicht. Blödsinn! Die Ideenfindung ist nicht ein plötzliches Event sondern ein langer Prozess.

Zu oft glauben wir, dass die Erschaffung von Comedy-Material oder Romaninhalten mit einer plötzlichen Erleuchtung einhergeht, die uns eine Geschichte offenbart, die wir einfach nicht gesehen hatten. Eine Idee, die dann ausgebaut und angefettet wird und so zur perfekten Story oder Pointe wird. So ist es aber nicht. Ideen, Geschichten und Gags zu finden ist in sich schon der Prozess, also ein Prinzip, das man mit dem wunderbaren Zitat: »Der Weg ist das Ziel«, schön umschreiben kann.

Das Geheimnis der Ideen-Quelle

Tja, und jetzt kommt das große Geheimnis. Um tolle Texte, Gags und Geschichten schreiben zu können, muss man einfach nur schreiben. Große Ideen kommen allein durch die Aktivität des Schreibens. Ich kann direkt spüren wie dankbar du mir für diese grandiosen Tipp bist. »Super, Niko, bist ein Genie. Und jetzt? Was soll ich schreiben? Das ist ja mein Problem. Hätte ich ein tolle Idee, wäre ich schon längst am Keyboard!« Ok, kann ich nachvollziehen.

Nächste Überraschung. Um zu schreiben braucht man keine fertige Idee, Story oder einen Plan. Genau das Festhalten an diesem Gerücht hält uns nämlich vom schreiben ab. Eigentlich braucht man nur eine ganz kleine Inspiration um loszulegen.

Kleine Text-Pflänzchen

Mach dir Notizen zu Themen. Sammle Gefühle, Eindrücke und Emotionen. Du hast ja sicher immer ein Notizbuch, Smart-Phone, Tablet, etc. dabei. (»Natürlich Niko.«) Schreib keine Geschichten, nur Stichworte (außer es kommt dir in einem der Momente wirklich so eine tolle Erleuchtung, dass daraus in 10 Stunden ein Roman wird). Worüber Notizen machen? Über alles und jeden! Immer nur Stichworte.

  • Beschreib den Raum in dem du gerade sitzt – Wie sehen die Möbel aus? Ist der Tisch aufgeräumt? Sin dir die Beine auf der Kloschüssel schon eingeschlafen? Stinkt es?…

  • Beschreib deinen größten Feind – Wie sieht er aus? Wäscht er sich? Was hasst du an ihm/ihr am meisten? Warum ist er/sie dein Feind?…

  • Schreib einen Dialogfetzen auf – Was haben die Kids in der U-Bahn gerade besprochen? Was hat die Frau im Café laut ins Handy gebrüllt? Wie hat der Zugbegleiter die Verspätung begründet?…

  • Eine andere Welt – Wo wärest du gerade lieber? Du bist Gott – wie hättest du die Welt designed? Welche Superkraft hättest du gerne? Warum?…

Je öfter du dich einfach hinsetzt und deinen Gedanken zu egal welchem Thema in Stichworten sammelst und notierst desto besser. Selbst wenn du schreibst, dass dir nichts einfällt und dich das in den Wahnsinn treibt. Wie treibt es dich in den Wahnsinn?… Alle diese kleinen Text-Versatzstücke bzw. Jungpflanzen werden voll Formulierungen und Ideen für Geschichten sein.

Pflänzchen wird zur Pflanze

Nach einiger Zeit setzt dich hin, hol dir deine Notizen raus und mache aus den Notizen kleine Texte. Wieder sind Fragen wichtig. Hinterfrage warum du dir die Notizen gemacht hast? Was hat dich interessiert? Wieso genau das? Was ist vor und nach der Beobachtung passiert? Völlig egal was du fragst oder schreibst, mach einfach weiter. Lass dich einfach führen egal wohin dich die Fragen führen. Versuche nicht krampfhaft eine strukturierte Geschichte zu schreiben. Geh vorwärts, geh rückwärts, ändere die Richtung, aber schreib. Schreib schnell. Lass deine innere Stimme, deinen Korrektor und deinen Schweinehund nicht zu Wort kommen. Grammatik, Rechtschreibung, Formatierung, alles ist egal. Die Regel ist: Es kann nie zu viel Text werden. Masse ist dein bester Freund. Arbeite so deine Notizen auf und du wirst überrascht sein, wie viel Material plötzlich entsteht.

Die Magie unseres Gehirns und der Kreativität

Aus all diesen Texten wird dann plötzlich irgendeine Geschichte oder auch ein Gag auftauchen. Es geht gar nicht anders. Unser Gehirn ist trainiert Fakten, Daten und Inhalte zu sortieren, sie sinnvoll zu verbinden und eine zusammenhängende Geschichte daraus zu machen. Durch die permanente Fütterung mit deinen Ideen, Gedanken und Texten wird dein Gehirn immer mehr versuchen irgendeinen Sinn darin zu finden. Und plötzlich findet es ihn auch, weil wir dieses wundervolle Werkzeug Kreativität in uns haben. Und das ist der Moment, wo wir die Idee für eine tolle Pointe oder eine fesselnde Geschichte plötzlich klar vor uns sehen. Und jetzt sind wir am Ende unseres Prozesses, bzw. Weges, angekommen. Da wollten wir hin.

Das Tolle an dem Weg ist, dass er immer wieder eine neue Quelle für andere Ideen sein kann. Neue Fragen führen uns zu neuen Abzweigungen und Zielen. Deshalb solltest du alle Notizen zumindest speichern und mit irgendeinem System ablegen. Toll wenn du sie zumindest grob irgendwelchen Überthemen zuordnen kannst. Wenn du nach Monaten wieder einmal drüber liest, werden dir dabei wieder viele neue Ideen kommen.

Das Geheimnis der Ideenfindung

Das ist das Geheimnis. Notiere deine Gedanken, Eindrücke und Erlebnisse in Stichworten (immer, egal wo und so schnell wie möglich), bau sie zu kleinen Texten und Geschichten, bzw. Gedankenketten, aus und lass dich von ihnen zu großen Geschichten inspirieren. So sollte es klappen.

 

Lustige Rede

Anleitung zur lustigen Rede – Recherche und Zeitreise garantieren Lacher

Lustige Rede

Google Analytics ist eine tolle Sache. Dank der Daten und Zahlen die das Tool liefert kann ich immer wieder sehen, welche Themen für die BesucherInnen auf meinem kleinen Blog interessant sind. In den letzten Monaten sind – unter anderen – immer wieder die Begriffe »Jubiläum, Firmenjubiläum, Pensionierung, MiterbeiterInnen-Verabschiedung, etc.« im Zusammenhang mit »lustig, komisch, unterhaltsam, Rede, etc.« gesucht worden. Hier gibt es offenbar einen Bedarf an Informationen und das kann ich natürlich nur als Auftrag für einen Beitrag zu diesem Thema verstehen. Hier kommen jetzt also meine Tipps zu dem Thema: Anleitung zur lustigen Rede.

Grundsätzlich habe ich diese Serie in vier Teile aufgeteilt:

Welch Überraschung. Los geht’s mit dem ersten Teil.

Recherche hilft immer

Gleich vorweg, um alle Ängste zu zerstreuen: Man kann auch sehr lustige und unterhaltsame Reden, die auch noch persönlich wirken, halten, selbst wenn man kaum bis gar nicht vorab recherchiert. Die Pointen und Witze in einer Rede, kreativ formuliert und scheinbar personalisiert, können da ganze Arbeit leisten. Trotzdem wird jede Rede durch gute Recherche besser. Und es gilt auch: je besser recherchiert, desto lustiger und berührender für Publikum und Hauptfigur (Firma). Die Gründe dafür sind recht einfach.

Nur wenn ich vorab recherchiert habe, kann ich Fettnäpfchen vermeiden. Es gibt für jeden Menschen Themen, die aufgrund persönlicher Erlebnisse, Lebensbedingungen und Erfahrungen, für diese Menschen nicht lustig sein können – egal wie brillant die Pointe ist. Wer über Menschen spricht – z.B. bei Berufsjubiläen, Verabschiedungen in die Pension, etc. – muss wissen welche Themen unangenehm, verletzend und zu persönlich sein könnten. Das kann man nur mit guter Recherche vorab herausfinden. Nichts ist unangenehmer als schon zu Beginn in ein rhetorisches Fettnäpfchen zu treten (auch wenn es nicht bös gemeint war) und damit das Publikum in ein betretenes, peinlich berührtes und unangenehm schweigsames Etwas zu verwandeln.

Auf der anderen Seite haben KollegInnen, Chefs, etc. immer auch verborgene Seiten auf die sie eigentlich sehr stolz sind. Hobbys, die man ihnen auf den ersten Blick nicht zutraut, Vorlieben, Steckenpferde, und vieles mehr. Der Abteilungsleiter, der ein begeisterter Westernreiter ist, die Chefsekretärin die seit 20 Jahren den schwarzen Gürtel in Judo hat, etc. Alle diese »geheimen« Dinge sind großartiger Stoff für Unterhaltung und Pointen. Vor allem wenn sie zeigen, dass der Jubilar auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich und menschlich ist. Natürlich immer in Maßen und vorab mit Freunden und Familien des Betroffenen abgeklärt, ob es ok ist darüber zu sprechen.

Gute Recherche ermöglicht es dem/der RednerIn auch viel mehr auf den Menschen selbst, seine/ihre Persönlichkeit und Menschlichkeit einzugehen. All das weckt Emotionen und bindet die ZuhörerInnen. Gerade wenn man versucht zu unterhalten sollte man sich einer Grundregel bewusst sein: Je emotionaler ein Thema, desto größer die Lacher bei einer Pointe.

Je mehr persönliche Dinge und Einzelheiten du über den Jubilar in Erfahrung bringst, desto besser. Dabei geht es nicht um intime Geheimnisse oder peinliche Momente. Nein, viel wichtiger und erfolgreicher sind Details die uns als ZuhörerInnen Vergangenheit, Charakter und Gewohnheiten der Hauptdarsteller zum Leben erwecken. Was für eine Schultasche hatten sie, wo waren die Sommerurlaube, Lieblingsstofftier, Lieblingsspielzeug, erste Sporterfahrungen, Kindergartenliebe, Spiele und Aktivitäten die schon früh auf Eigenschaften von heute hingewiesen haben, Sturheit, Lebhaftigkeit, Essens- und Schlafgewohnheiten, Ordnungssinn, Geschmack bei Musik, Kleidung, Freunden, etc.? Beispiele:

  • Lieblingsjacke

  • Big Jim oder Barbie-Puppe

  • Fahrradkollisionen

  • Duschangst…

Versuche solche Details aus allen Lebensabschnitten bis zum Tag des Jubiläums oder der Pensionierung zu finden. Setze sie in einen gesellschaftlichen und historischen Zusammenhang. Entführe das Publikum auf eine kleine Gedanken- und Zeitreise bei der sie sich selbst – aber auch viele im Publikum – an ihre erste Schultasche, Schularbeitenschummelei und vieles mehr erinnern.

Die Zeitreise – garantierte Lacher

Wir Menschen lieben es über die »gute alte Zeit« zu sprechen und zu lachen. Kleine Zeitreisen gemeinsam mit den ZuhörerInnen sind ein garantierter Weg um Lacher zu bekommen. Gerade Jubiläen, Pensionierungen und Verabschiedungen eignen sich dafür hervorragend. Die Zeitreise eignet sich nicht nur als punktueller Pointenlieferant, nein, sie kann auch ein großartig unterhaltender roter Faden für die ganze Rede sein. Und das beste an der Zeitreise ist, dass sie so einfach zu recherchieren und gefahrlos einzusetzen ist.

Einfach Jahreszahlen, Jahrzehnte auswählen und im Internet, Chroniken oder der in den eigenen Erinnerung kramen, was damals alles wirklich cool, aufregend, sensationell oder eben noch nicht vorhanden war. Alle Themen sind gut und werden für Unterhaltung sorgen. Warum, weil wir alle auf dieser Reise gemeinsam sind. Das heißt, alle im Publikum werden zu jedem Thema persönlichen Bezug und auch emotionale Empfindungen haben. Und selbst die im Publikum, die für vieles zu jung waren, werden über die absurden Dinge der Vergangenheit lachen. Themen gibt es immer genug. Garantiert: Wohnungs- und Büroeinrichtungen, Tapeten, TV-Geräte, Küchen, Autos, Telefone, Telex, Musik, Mode, Währungen, Grenzkontrollen, Tourismus, Fernreisen, etc.

Vergleiche mit alltäglichen Dingen von heute funktionieren immer. Kleines Beispiel ohne viel darüber nachgedacht zu haben:

Mein einziges Navi war damals meine Freundin/Frau. Da konntest du nicht zwischen verschiedenen Stimmen wählen. Die hat sich damals nur kurz vor Unfällen dramatisch verändert. Das Kartenmaterial war auch nicht sehr zuverlässig. Wir haben so viele fremde Kulturen und Orte besucht. Oft völlig überraschend. Aber mit so einem Navi konnte man wenigstens noch diskutieren, streiten und dann Versöhnungssex haben…«.

Solche Vergleiche gehen in fast allen Themenbereichen: Telekommunikation, Taschenrechner, Computer, Haushaltsgeräten, etc.

Die Zeitreise ist das beste Werkzeug um eine Rede zu einem unterhaltsamen Höhepunkt zu machen. Sie bindet die ZuhörerInnen, regt ihre Fantasie und Kopfkino an und versetzt sie in eine emotional-fröhliche Stimmung. Je nach Alter des/der RednerIn ist sie einfach vorzubereiten, denn die persönlichen Erinnerungen sind eine inspirierende Quelle an lustigen Erfahrungen und Fakten. Die Zeitreise eignet sich zudem auch noch wunderbar um einer Rede einen roten Faden mit Beginn, Mittelteil und Schluss zu geben. Nutze sie.

Anleitung zur lustigen Rede – der gute alte Witz

Anleitung zur lustigen Rede – eigene Pointen und Gags

Anleitung zur lustigen Rede – Showtime

Comedy- und Kabarettwettbewerb

Comedy liegt im Detail – aber nicht zu sehr!

Beim Schreiben von Comedy-Material ist es immer ein guter Ansatz Allgemeinplätze und Verallgemeinerungen zu vermeiden. Auf der Bühne sollte man z.B. nicht einfach über ein “Stück Obst” sprechen. Viel besser ist es von einem Apfel zu erzählen.

Gut geschriebene Geschichten und Gags erzeugen in der Vorstellung des Publikums ein klares Bild. Alle im Publikum haben im besten Fall eine genaue Vorstellung von dem Ding oder der Situation über die der Comedian auf der Bühne spricht. Wenn man jetzt nur über ein “Stück Obst” spricht, lässt das viele Interpretationen offen. Ist es eine Banane, ein Pfirsich, ein Apfel oder eine andere Frucht? Diese “Verunsicherung” hindert die ZuschauerInnen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und – was vielleicht noch wichtiger ist – emotional in die Geschichte einzusteigen und zu investieren. Wenn man aber “Apfel” sagt, dann hat jeder im Publikum für sich ein klares Bild im Kopf und auch eine eindeutige emotionale Reaktion dazu. Plötzlich sehen alle ihren Apfel und spüren das, was sie in ihrem Leben schon immer mit einem Apfel assoziiert haben. Sie haben ein eindeutiges Bild vor Augen und ein klares Gefühl.

Wenn ich meine Gags erzähle, dann stelle ich mir vor, dass ich gerade in den Köpfen der ZuschauerInnen ein Bild male. – Steven Wright

Aber wie immer im Leben gibt es dazu auch eine Kehrseite. Man kann zu detailliert werden. Wenn man plötzlich von einem Apfel spricht, “so einen wie wir ihn alle kennen. Leicht rot an den Seiten, dann ein wenig gelb oben und mit Dellen und leicht braunen Flecken”, dann kann es sein, dass man die Vorstellungskraft der Leute überstrapaziert. Dass man ihnen zu wenig Freiheit lässt um einen Apfel, nämlich “ihren” Apfel, im Kopf zu sehen, mit dem sie Emotionen verbinden. Wenn die Farbe und der Zustand nicht unmittelbar für den Gag – vor allem der Punchline – relevant ist, dann weglassen.

Idealerweise sollte ein erfolgreicher Schreibstil für Comedy klar, einfach und eine lebendige Einladung für das Publikum sein sich statt Allgemeinheiten spezifische Dinge und Situationen vorzustellen. Situationen mit denen es eine Emotion, also ein Gefühl, verbindet. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr durch zu viele Details Menschen im Publikum auszuschließen. Ideal ist es die Vorstellungskraft der Menschen zu reizen und anzuregen, sie aber nicht einzuschränken und zu limitieren.

So sieht ein Gag von innen aus

So sieht ein Gag von innen aus

So sieht ein Gag von innen ausWas macht einen Gag aus? Es sind eigentlich im Grunde nur zwei Elemente, die bei Bedarf mit anderen Elementen ausgeschmückt werden. Die zwei essentiellen Elemente eines Gags oder einer Pointe sind:
* Set-Up (Einführung)
* Punchline (Pointe) Fast jeder Mensch kennt diese Grundstruktur. Alle Witze, sei es erzählt, aus Büchern oder aus dem Internet, basieren auf dieser Struktur. Wir alle haben sie im Laufe unseres Lebens unbewusst gelernt und reagieren instinktiv darauf. Wir wissen wann ein Set-Up zu Ende ist und meistens auch, wenn wir die Pointe hören. Außer sie ist so schlecht, dass sie nur betretenes, verwirrtes und stummes Schweigen erntet. Aber sehen wir uns das Ganze genauer an. Hier ein kleiner Witz als Beispiel:

Sagt der eine Golfer zum anderen: »Stell dir vor, gestern komme ich nach Hause, steht meine Frau in sexy Unterwäsche, mit Handschellen in der Hand an der Schlafzimmertür. Sie sagt: “Fessle mich und mach was immer du willst!“«  Fragt der andere Golfer: »Und was hast du gemacht?«  Sagt der erste Golfer: »Ich habe sie gefesselt und bin Golf spielen gegangen.« Der Klassiker: Set-Up + Punchline

Das Set-Up Dieser Witz hält sich ganz strikt an die klassischen Gag-Struktur: Set-Up und Punchline. Das Set-Up führt die Charaktere und all die Informationen ein, die man braucht um den Gag zu verstehen. Es bereitet die ZuhörerInnen auf die Punchline vor. Das Set-Up muss (soll) gar nicht lustig oder besonders aufregend sein. Es muss nur alle, für das Verständnis des Witzes notwendigen, Elemente in sich tragen.

Die Punchlline Die Punchline nimmt die Informationen auf, re-interpretiert das Geschehen oder einzelne Worte, verpasst ihr eine kreative Wendung und überrascht mit der Pointe den Zuhörer. In unserem Beispiel ist das Set-Up:

»Stell dir vor, gestern komme ich nach Hause, steht meine Frau in sexy Unterwäsche, mit Handschellen in der Hand an der Schlafzimmertür. Sie sagt: “Fessle mich und mach was immer du willst!“« und die Punchline ist: »Ich habe sie gefesselt und bin Golf spielen gegangen.« Die einzige wirkliche Vorraussetzung von Seiten des Publikums die wirklich nötig ist um den Witz zu verstehen, ist die Fähigkeit gut deutsch zu können. Denn nur wer die Sprache beherrscht versteht die verwendete Doppeldeutigkeit von »..mach was immer du willst.«  Die ZuhörerInnen müssen verstehen, dass die Ehefrau eigentlich gehofft hat mit ihrem Auftritt den Mann zu Sex verführen zu können, er aber scheinbar schon lange lieber Golf spielen geht. Es hilft natürlich auch, wenn das Publikum sich bestimmter Vorurteile bewusst ist und diese vielleicht sogar hegt, denn das Verhalten des Ehemannes bestätigt ein Vorurteil: dass regelmäßiger Sex in langfristigen Beziehungen seinen Reiz verliert. Mit Set-up und Punchline ist der Gag vollendet und auch komplett. In der Fachsprache bezeichnen wir solche Witze als „Oneliner“ (Einzeiler). Gute Comedians und Humoristen bauen solche Oneliner dann allerdings noch aus und verstecken die einfache Struktur in cleveren Formulierungen. Auch für diesen Ausbau gibt es ein eigentlich recht einfaches und immer wieder eingesetztes Werkzeug, den sogenannten „Tag“ (Anhänger).

Der Tag (Anhänger) Der Anhänger folgt der eigentlichen Punchline, also der ersten Pointe. Gute Comedians nutzen somit ein Set-Up um danach mehrere Pointen zum gleichen Thema zu setzen. Wenn sie besonders gut sind, dann schaffen sie es die Lachintensität des Publikums von Pointe zu Pointe zu steigern und bekommen nach der letzen Pointe dann auch noch Applaus. Hier wieder ein kleines Beispiel (kein Anspruch auf humoristische Brillanz):

Die Handtasche meiner Frau ist ein Verstoss gegen das Raum-Zeit-Kontinuum. Von außen sieht sie so klein aus, aber das täuscht. Innen muss sie riesig sein. Wie sie das letzte mal den Hausschlüssel gesucht hat, hat sie zufällig unser Auto drin gefunden. (Punchline) Wir haben es vor drei Tagen als gestohlen gemeldet. (1. Anhänger/Tag) Die Tasche ist so groß. Die Landesregierung hat ihr dafür eine eigene Postleitzahl gegeben. (2. Anhänger/Tag) Schiffskapitäne durchqueren jetzt schon lieber das Bermuda-Dreieck, als dass sie in die Nähe der Handtasche meiner Frau navigieren würden. (3. Anhänger/Tag) Du siehst also, wie das Prinzip „Tag“ technisch funktioniert. Gleich eine Warnung zur Verwendung von solchen Anhängern. Um dabei wirklich erfolgreich zu sein, muss man viel Erfahrung und perfektes Timing haben. Immer wenn Comedians versuchen nach einer Pointe noch einen „drauf zu setzen“ besteht die Gefahr, dass sie in die Lacher des Publikums hineinreden und diese damit abkürzen. Man darf das Publikum nie unterschätzen. Wenn ein Comedian mehrmals sin Lacher hineinspricht, dann lernen die ZuschauerInnen schnell, dass möglicherweise nach der Pointe noch was kommt. Sie befürchten dann aber, dass sie die nächste Pointe wegen des Lachens akustisch nicht verstehen könnten und kürzen ihre Lach-Reaktion  präventiv ab. Damit verkürzt du deine wohlverdienten Lachsalven. Das darf nicht passieren. Also wenn du Anhänger (Tags) verwenden willst, dann hab auch die Ruhe und Nerven jede einzelne Pointe auszusitzen, Pausen zu machen und zu warten bis die ZuseherInnen wieder aufnahmebereit sind.

Genie ist, die einfachen Bausteine genial zu verbinden Mist ist klar, dass jede Pointe und jeder Gag seinen seinen Reiz verliert, wenn man ihn so wie im oberen Abschnitt analysiert und in seine Einzelteile zerlegt. Aber um zu lernen wie man Gags findet, aufbaut und schreibt, muss man das Seziermesser ansetzen. Das raubt dem Witz zwar die Magie, zeigt aber gleichzeitig, dass man kein Hexenmeister sein muss, um Pointen schreiben zu können. Wer einmal verstanden hat, dass jeder Witz, jeder Gag und jede Pointe im Grunde genommen aus nur zwei Bausteinen besteht, dem Set-up und der Punchline, kann sich optimistisch in das Abenteuer neue Gags zu erfinden stürzen. Wer sich am Beginn seiner Abenteuerreise an die Struktur hält, wird dabei auch Erfolg haben. Die hohe Kunst ist wie bei allen Dingen im leben, die einfachen Bausteine so kreativ und geschickt zu nutzen und zu verbinden, dass daraus echte Kunstwerke entstehen.  

Angst, die uns durchschnittlich macht.

Tolle Gags – alles nur geklaut?

Tolle Gags - alles nur geklaut?Es gibt kaum ein heißeres Thema wenn Comedians irgendwo zusammentreffen und über ihr Geschäft sprechen: geklaute Gags. Seit es Comedy und Kabarett gibt, ist das ein Thema. Jeder hat seine eigene Geschichte von einer “Hammernummer” und einem “Mördergag” die, bzw. der, dann ein paar Wochen nach einem Auftritt plötzlich wortident beim Gig eines Kollegens aufgetaucht ist. Und Hand auf’s Herz, der oder die, welche noch nie auch nur eine Anleihe an einer Gag-Idee oder einem Witz eines anderen genommen hat, solle den ersten Stein werfen. Aber wie immer im Leben, gibt es auch bei diesem Thema kein klares schwarz und weiß, sondern mannigfaches Grau. Wie immer ist alles doch ein wenig kompliziert.

Moral – eine Frage der Perspektive

Fangen wir mit dem scheinbar Einfachen an. Pointen, Gags und Nummern zu klauen ist falsch. Punkt. Es ist eben nichts anderes als Diebstahl. Wer sich nicht schuldig machen und ein absolut reines Gewissen behalten will, darf es einfach nicht machen. Tja, klingt einfach, oder? Wir leben aber in einer Welt, in der selbst richtig und falsch immer wieder individuell und nach Eigeninteressen bewertet werden.

Es ist auch falsch Geld für einen Auftritt zu bekommen und dieses Geld dann nicht korrekt zu versteuern. Es ist auch falsch in Bus und U-Bahn schwarz zu fahren. Es ist auch falsch die Wohnung von HandwerkerInnen ohne Steuernummer ausmalen zu lassen oder die LebensabschnittsparterIn zu betrügen. Unser Glück als Menschen ist, dass wir selbst stets bereit und fähig sind die Maßstäbe, die wir in einem Lebensbereich anlegen, völlig konsequent und logisch in anderen Bereichen, sagen wir einmal, zu “adaptieren”. Was wir bei Steuererklärung, Schwarzarbeit tun, tun andere, oder gar wir selbst, auch da wo dieses Handeln unsere eigenen Interessen verletzt. Mein Punkt: es wird geklaut und es wird auch weiter geklaut werden. Das Leben ist hart.

Immer die gleichen Themen

Aber Vorsicht, nicht jeder Gag von dem wir sicher sind, dass er geklaut ist, ist es auch. Seit es Comedy gibt schreiben wir doch alle über ein und dasselbe Thema: das Leben. Jeder hat die gleichen Probleme in Beziehungs-, Familien- und Erziehungsfragen. Wir stürzen uns alle auf die Trendthemen wie im Moment z.B. Facebook, Vampirfilme, Migration und vieles mehr. Offen gesagt, wenn mir ein Gag zu einem dieser Themen einfällt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch einem anderen der gleiche Gag dazu einfallen wird. Ich bin kein Genie und natürlich nicht einzigartig. Vielleicht werden wir leicht unterschiedliche Formulierungen verwenden, aber am Ende wird es die gleiche Pointe sein.

Wer das wirklich verhindern will, muss sich mit absoluten Nischenthemen auf völlig neue Art beschäftigen. Aber dann wird er oder sie auch mit Nischenpublikum und ohne kommerziellen Erfolg leben müssen. Bevor wir also laut »Haltet den Dieb, das ist mein Gag!« rufen müssen wir uns ernsthaft fragen, ob nicht jeder halbwegs talentierte und humoristische Mensch auf diese Idee hätte kommen können? Und wenn wir dann ehrlich sind werden wir fast immer zugeben müssen: Ja!

Wenn Stars klauen

Kommen wir zu einem Trend, der wirklich langsam unangenehm wird. Das Problem, vor allem für noch nicht so bekannte KünstlerInnen in unserer Branche, ist, dass du oft nicht nur Opfer des Diebstahls bist, sondern auch keine Chance hast dich zu wehren. Diese Erfahrung von Ohnmacht und Hilflosigkeit verstärkt natürlich die verletzten Gefühle. Besonders emotional wird die Sache, wenn plötzlich ein medial erfolgreicher und berühmter Kollege beim nächsten Auftritt mit Gags im TV zu sehen ist, die du drei Wochen davor auf einer offenen Bühne in Hamburg gebracht hast. Machen kannst du dagegen nichts. Rechtlich gibt es keine Handhabe und wer will sich schon auf so einen Streit einlassen? Dir ist klar, dass du auch in Fragen der Glaubwürdigkeit ein Problem hast, wenn auf der anderen Seite eine Person steht, die regelmäßig Hallen mit tausenden Menschen füllt.

Nun, ein Grund warum diese KollegInnen diese Hallen füllen und gefühlte 12 Stunden am Tag im TV zu sehen sind, liegt genau in deren Fähigkeit alles dem eigenen Ehrgeiz und dem eigenen Erfolg unterzuordnen. Und natürlich gehört es auch da dazu gnadenlos jede sich bietende Chance und Gelegenheit zu nutzen, ohne sich lange Gedanken über moralisches Handeln zu machen. Damit meine ich nicht unbedingt, dass der eigentliche Diebstahl in Kauf genommen und selbst vollzogen wird, aber es werden gewisse Fragen halt nicht gestellt und die Methoden der Zuarbeiter, wie Agenturen, Autoren, Medien, etc. nicht hinterfragt. Ganz nach dem Motto: »Ich hatte keine Ahnung!« Im Englischen so treffend als “plausible Denial” beschrieben. Die Bereitschaft Dinge “passend” zu machen, moralische Kompromisse einzugehen und alles dem übergeordneten Ziel unterzuordnen ist der wichtigste Baustein um in einem Geschäft, das durch Egos, Medien und Selbstüberschätzung geprägt ist, echten Erfolg zu haben. Wenn man TV- und Medienpräsenz, Geld und scheinbare Anerkennung als solchen versteht. Und da ist nichts Falsches oder Verwerfliches dran. Niemand wird gezwungen, sich in dieser Branche zu versuchen. Nur die Härtesten und am besten vernetzten setzen sich durch.

Organisierter Diebstahl

Es gibt allerdings eine Entwicklung, die selbst ein moralisches Leichtgewicht wie ich für bedenklich halte. Wenn bei vielen offenen Bühnen und Nachwuchswettbewerben, oder Comedy-Wettbewerben allgemein, zunehmend AutorInnen- und Handlanger diverser “Stars” und “Agenturen” der Branche im Publikum sitzen und Ideen, bzw. Gags und Pointen, von jungen KünstlerInnen zuhauf notieren und dann weitergeben, bzw. -verkaufen, wird es wirklich schwierig. Ich verstehe die zunehmende Wut vieler KollegInnen, die in der jüngsten Vergangenheit Opfer solcher Praktiken geworden sind. Gleichzeitig fällt mir aber auch kein Mittel ein um das zu unterbinden. Wir müssen einfach damit leben.

Warum nicht Lizenzen?

Warum gibt es eigentlich im Bereich Comedy kein leistbares und handhabbares Lizenz-Modell? Aus irgendeinem Grund wollen wir nicht den Schritt gehen, denn die Musik schon immer gegangen ist. Bei klassischer Musik sind mindesten 95% aller aufgeführten Stücke alte Hüte. Selbst in der Pop-Musik lebt die Branche hervorragen von Cover-Versionen, also sanktioniertem Klau. Natürlich müsste das System im Bereich Comedy neu erdacht und adaptiert werden. Es gibt unglaublich gute Nummern und Gags von allen möglichen großen Comedians, die den letzten Generationen von ZuschauerInnen nicht bekannt sind. Größen wie Bill Cosby, Jerry Seinfeld, etc., sie alle haben Nummern geschrieben, die noch viele weitere Generationen zu Lachstürmen hinreißen könnten. Wenn es die Möglichkeit gebe diese einfach und zu vernünftigen Preisen zu lizensieren, wäre doch allen gedient? Auf dem Plakat steht halt dann: Niko Formanek (Mit Nummern von Jerry Seinfeld, Bill Cosby,…). Hier ist jetzt weder die Zeit noch der Ort ein solches Modell in allen Details auszuformulieren, aber ich halte das für einen möglichen und sinnvollen Weg.

Du hast es mit dem Gag nicht geschafft

Abschließend noch eine ganz allgemeine Überlegung von mir zu dem Thema. So ärgerlich und verletzend es sein mag, die eigenen Gags bei einem anderen Künstler zu hören, dein Ärger darüber hilft dir nichts. Konzentrier dich auf deine eigene Karriere. Brutal gesagt, wenn es ein anderer Künstler mit einem deiner Gags und deiner Nummern zu Ruhm und Erfolg bringt, dann musst du dich fragen, warum es bei dir mit den gleichen Sachen nicht geklappt hat? In Comedy erfolgreich sein ist eben weit mehr als einfach nur Spitzen-Gags vorzutragen. Vielleicht haben du und ich dieses “etwas mehr” eben einfach nicht, oder noch nicht. Vielleicht passen deine eigenen Gags auch gar nicht zu deiner Persönlichkeit? Oder du hast deine Bühnenpersönlichkeit noch gar nicht gefunden? Warum auch immer, so sehr es schmerzt, dass ein anderer mit deiner Nummer abräumt, frag dich warum es bei dir nicht klappt?

Selbst wenn du den Dieb öffentlich brandmarkst, seine oder ihre Karriere beendest und in den Ruin treiben könntest, hat das dir selbst nicht geholfen. Deshalb bist du noch lange nicht erfolgreich. Jede Energie die du darauf verschwendest dich selbst zu bedauern und andere zu hassen könntest du genau so gut einsetzen um zu schreiben, besser zu werden, dich selbst zu vermarkten und dich um die eigenen Karriere zu kümmern. Klar, ein schwacher Trost, aber wenigstens ein produktiver Weg um mit einem Problem umzugehen. Denn eines ist sicher. Es wird auch in Zukunft geklaut werden was das Zeug, bzw. der Gag, hält.