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Keine Ablenkung, denn ich bin schwach!

Viele KollegInnen wissen, dass ich ein iPad-Fan bin. Ich halte das iPad für eines der besten Werkzeuge, wenn man im Comedy-Business oder einem anderen Bereich arbeitet, bei dem es wichtig ist einfach, schnell und immer und überall Texte schreiben und Texte bearbeiten zu können oder auch nur Notizen zu machen. Aber neben der Hardware muss man auch die Software finden, mit der man am besten und liebsten arbeitet.

Und so passiert es immer wieder, dass wir vor, während oder nach einer Show zusammensitzen und Erfahrungen über diverse Apps und Zubehör austauschen. Und heute möchte ich hier über eine App schreiben, die mir geholfen hat meinen inneren Schweinehund oft zu überwinden und meinen Schreib-Output massiv zu erhöhen. Die Software firmiert unter dem Namen iA-Writer und ist in Versionen für den Mac, das iPad und das iPhone im App-Store erhältlich. Ich nutze sie vor allem am iPad.

Die Mission der Entwickler von iA-Writer war es, ein Textprogramm zu bauen, dass einzig und allein dem Zweck dient ablenkunsgfrei schreiben zu können. Und genau das schafft iA-Writer. Das großartige Konzept an dem Ding ist der knallharte Verzicht. Keine Formatierungsmöglichkeiten (außer Markdown – aber das ist ein eigenes Thema) mit denen man herumspielen kann während man eigentlich schreiben sollte. Keine verschiedenen Fonts in denen der Text “cooler” ausschauen könnte und mit denen man herumspielen kann. Keine Seiten- und Layout-Designs mit denen man herumspielen kann anstatt zu schreiben. Ich persönlich bin schuldig und habe oft zwei Absätze geschrieben um dann “stundenlang” blöd herum zu formatieren weil ich ja viel kreativer und besser schreiben würde mit diesem neuen “coolen” Look. Blödsinn, ich habe mich nur abgelenkt. Und iA-Writer hat mich davon geheilt. Vor allem auch mit seinem speziellen “Fokus-Mode” auf den ich später noch zurückkommen werde.

Sobald man die App startet wirkt alles aufgeräumt und auf eine einzige Aufgabe fokussiert. Alles ist auf den Text fokussiert, der mit schwarzer Schrift auf weißem Grund angezeigt wird. Die Entwickler haben wohl mit Bedacht einen großen Font und einen erhöhter Zeilenabstand designed und so ist der Text sehr gut lesbar.

iA-Writer verbessert auch die iPad-eigene, virtuelle Tastatur mit acht zusätzlichen Funktionen, die bei der Erstellung von Texten hilfreich sind. Es gibt plötzlich Tasten, um z.B. ein Wort weiter zu springen und zwei Cursor-Tasten, um einfach zurück- und vorzunavigieren. Dazu noch Tasten für Bindestrich, Semikolon, Doppelpunkt, Anführungszeichen, etc. und Klammern.

Das Menü am oberen Rand wurde auch auf das Wesentlichste reduziert und enthält Informationen zum Öffnen von Texten, zum Anlegen neuer Texte und zum Verschicken des Textes per E-Mail. Man kann aber auch einfach den ganzen Text mit einem Schritt in die Zwischenablage kopieren. Um einen Text mit einem Namen zu versehen oder auch nur einfach umzubenennen tippt man einfach am oberen Rand auf den Namen und schon ist er markiert und kann manipuliert werden.

Für Autoren – und natürlich Comedians – besonders interessant sind die Statistikfunktionen, die bei iA-Writer mit umgesetzt wurden. Am oberen rechten Rand ist immer zu sehen wie viele Worte und Zeichen der Text schon hat. Und mit einem Fingertip wird es für uns Bühnenmenschen noch besser: denn da berechnet die App gleich wie lange es dauern würde den ganzen Text zu lesen oder wie lange es dauert vom Start bis zur aktuellen Position des Cursors zu lesen. (Übrigens ist der Cursor auch ein kleiner Geniestreich. Länger als üblich und mit Farbe hervorgehoben und so immer auf einem Blick gleich sichtbar. Zurück zur Lesedauer.) Natürlich stimmt die angegebene Zeit nicht mit der Zeit überein, die man selbst braucht um eine Nummer auf der Bühne zu spielen. Diese Zeitdauer hängt natürlich von der individuellen Sprechgeschwindigkeit ab. Aber nach ein paar Versuchen kommt man schnell dahinter, wie man die errechnete Zeit umrechnen muss, um ziemlich sicher zu wissen wie lange man brauchen würde einen Text auf der Bühne zu sprechen. In meinem Fall muss ich die errechnete Zeit meist einfach nur verdoppeln, um ziemlich gut zu wissen wie lange ich auf der Bühne brauchen würde. Ich liebe diese Funktion.

Und jetzt zum nächsten tollen Detail der App: der Fokus-Mode von iA-Writer. In allen Büchern die man zum Thema Comedy oder kreatives Schreiben lesen kann steht, dass man immer zu Anfang seinen Gedanken einfach freien Lauf lassen soll. Einfach schreiben, ohne Rücksicht auf Formulierungen, Rechtschreibung und Formatierung. Leider sind wir ja nicht mehr Herren über unsere Maschinen und so kann man ja oft gar keine Texte mehr schreiben ohne dass sich nicht gleich irgendeine Autokorrektur, Autofilling oder andere Funktion einmischt, Wörter unterstreicht und uns gleich wieder das Gefühl gibt: »Hey, so geht das nicht!« Natürlich ist das in anderen Schreibsituationen hilfreich und sinnvoll. Aber beim freien, assoziativen vor sich hin-texten eben nicht. Und wer hat schon Lust sich jedesmal durch Menüs durchzutippen um diese Funktionen ein- und auszuschalten?

Und da kommt der Fokus-Mode von iA-Writer ins Spiel. Ich finde die Lösung genial: Mit einem Tap auf das Schloss in der oberen Toolbar wird die Menüleiste und die Statusleiste ausgeblendet. Am Bildschirm werden jetzt nur drei Zeilen des Texts in Schwarz, die Zeilen darüber und darunter in hellem Grau angezeigt. Die Tastatur kann nicht aus Versehen ausgeblendet werden. Zurück-scrollen ist ebenfalls nicht möglich. Durch den Text kann nur unter Verwendung der Cursor-Tasten und Wort vor/zurück-tasten navigiert werden. Funktionen, wie z. B. Autokorrektur, Rechtschreibkontrolle und alles andere, werden ausgeblendet und auf “Pause” gestellt, sodass man sich rein auf den Text konzentrieren kann. Die Idee dahinter ist, dass wenn die ominöse Schreibblockade eintritt, man sich rein auf den Text und seinen aktuellen Gedanken konzentrieren kann. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das funktioniert.

Ergänzend sei jetzt auch noch erwähnt, dass iA-Writer alle Texte entweder per iCloud oder DropBoxmit allen anderen Geräten synchronisiert. Und bei dem Thema gibt es auch von mir Kritik. Der Sync funktioniert einwandfrei, aber nur bei DropBox hat man die Option Texte in Ordner ablegen zu können und so zu organisieren. Bei iCloud – aber auch lokal auf dem iPad – liegen alle Texte in einem Folder und werden geordnet nach Bearbeitungsdatum dargestellt. Ich selbst hoffe, dass zukünftige Versionen es uns auch erlauben werden diverse Ordner zu erstellen um Dateien gezielt und thematisch abzulegen. Und noch ein Wunsch sei mir gestattet: eine Volltext-Suchfunktion die über alle Texte in einem Ordner läuft wäre genial.

Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass ich eigentlich ein fauler Hund bin und jede Gelegenheit wahrnehme, wenn es darum geht Ausreden zu finden um nicht zu schreiben. iA-Writer hat mir die meisten genommen. Ich schreibe fast alles nur mehr in dieser App, egal ob Emails, Konzepte, Gags, Programme. Das ist aber auch alles was in in iA-Writer mache. Weiterverarbeitet werden sie dann je nach Thema in Blogsoftware, Datenbank, Lay-out-Programm, etc. Und das ist das Geniale an iA-Writer. Damit kann man nur schreiben. Aber in unserem Business ist genau das, das Wichtigste und unser aller Fundament.

Wo habe ich nur die Gags abgelegt?

Inzwischen wissen wir ja alle, dass erfolgreiche Comedy vor allem auch von originellen, guten und zahlreichen Gags abhängt. Deshalb schreiben wir jede Idee, jeden guten Witz den wir hören, jede lustige Beobachtung und vieles mehr auch immer sofort auf. Na ja, zumindest in einer idealen Welt. Aber ich kann aus schmerzhafter persönlicher Erfahrung berichten, wenn man es nicht tut, bereut man es sofort. Egal wie sehr man sich bemüht, was man nicht aufschreibt, vergisst man. Und auch ich habe mich gebessert und bin schon viel braver geworden. Ich schätze, dass ich 80 Prozent meiner Ideen und Gags auch zeitnah notiere.

Ideen und Beobachtungen für Gags notieren

Aber das Notieren ist nur die halbe Miete. Unweigerlich stösst man auf die nächste kreative Hürde: wie finde ich die Sachen sinnvoll wieder? Wo sind alle meine Ideen und Gags zum Thema “U-Bahn”? Die bekanntesten und besten Comedy-Lehrbücher der USA berichten an dieser Stelle dann immer von den legendären Karteikarten-Sammlungen diverser Comedy-Größen. Bob Hope soll in seiner jahrzehntelangen Karriere mehrere hunderttausende Jokes in einer Karteikarte-Sammlung thematisch sortiert und abgelegt haben. Am Ende wird einem schnell klar, was für die Besten der Branchen gut war und funktioniert hat, sollte man selbst auch nutzen. Eine thematisch geordnete Sammlung aller Witze, Gags, Jokes und Ideen ist unverzichtbar. Das Schöne ist, dass das heute, in Zeiten von Notebooks, Tabletts und Apps, so viel einfacher geworden ist.

Notizen, Gags schnell wiederfinden Ich selbst verwende

Bento 4 auf meinem McBook Air und iPad. Bento richtet sich an Amateure und Datenbank-Einsteiger, die zwar ihre eigene Datenbank managen wollen, dabei jedoch nicht auf Benutzerfreundlichkeit und Design verzichten wollen. Die Software stammt von den Datenbank-Profis von FileMaker und ermöglichen auch einem Datenbank-Analphabeten wie mir viele nette Dinge. Ich lege jede Idee und jeden Gag in meiner Datenbank ab. Er bekommt einen Titel, dann Stichworte zu den Themen die darin abgehandelt werden. Ich markiere ob ich den Joke schon mal live gespielt habe und bewerte mit Sternchen wie sehr er beim Publikum ankommt. Die Datenbanken auf dem Notebook und dem iPad werden immer schön synchronisiert und so habe ich immer, egal wo ich gerade bin, Zugriff auf mein gesamtes kreatives Comedy-Schaffen.

Das Coole an Bento ist, dass jede Funktion die ich in der Datenbank brauche intuitiv und per Drag & Drop eingefügt werden kann. Ich muss nichts von Datenbanken verstehen. Ich habe z.B. Felder mit Häkchen um zu markieren woher ich den Gag habe, in welchem Programm er verarbeitet wurde und ob ich ihn schon live gespielt habe. Ich kann jederzeit ein weiteres Feld einbauen. Ich habe auch bei jedem Gag eine Liste mit Datumsfeldern, wo ich eintrage wo und wann ich einen Gag gespielt habe. Wenn man so wie ich einige Mixed-Shows und Clubs pro Monat moderiert, dann ist es wichtig, dass man schnell checken kann was man in der jeweiligen Location das letzte mal gebracht hat. Sehr hilfreich hat sich auch die Möglichkeit erwiesen Bewertungsfelder einbauen zu können. Jedes mal wenn ich einen Witz spiele, kann ich nach der Show vermerken wie gut er aus meiner Sicht angekommen ist. Ich verwende dazu die übliche “Sternchen-Bewertung”, also fünf Sterne für super und je weniger Sterne desto schlechter. So kann ich jederzeit ein Set zusammenstellen das nur aus Gags besteht, die fast immer sehr gut funktioniert haben.

Ein besonders gutes Feature für Kurzauftritte in Comedy-Mixed-Shows. Und wie schon erwähnt. Ganz wichtig ist die Möglichkeit Stichworte und Kategorien zuordnen zu können. Es ist einfach cool, wenn man einfach nur “Haustier” eingeben muss und dann alle Ideen und Gags zu dem Thema geliefert bekommt. Natürlich kann man auch alle Suchergebnisse in jeder nur erdenklichen Art sortieren. Ob nach Datum, Thema, Programm, Kategorie oder Bewertung. Alles ist möglich. Und das, ohne selbst auch nur einen Schimmer von Datenbank-Programmierung zu haben. Ich kann Bento für unsere tägliche Goldgräberei nach Gags nur empfehlen.

Freies Schreiben

Index Card – App für Comedians, Redner, Moderatoren

Immer wieder müssen Comedians sehr flexibel sein, wenn es um die Länge ihres Auftritts, oder wie wir Profis sagen, ihres Sets geht. TV-Auftritte bewegen sich zwischen 5-7 Minuten, diverse Mixed-Shows wollen einmal 10 Minuten, dann wieder 12 Minuten oder 15 Minuten bis hin zu 20 Minuten pro Auftritt. Jetzt haben wir alle natürlich viel Material und jedes mal müssen wir ein passendes Set zusammenstellen.

Ist aber auch ein Problem für Moderatoren und Redner, die natürlich schnell, aus diversen Quellen und Unterlagen, von der Länge her passende Sets zusammenstellen müssen. Es freut mich berichten zu dürfen, dass es eine App für iPhone und iPad gibt, die solche Projekte ungeheuer erleichtert: Index Card.

Das Prinzip ist ganz einfach und wir alle kennen es aus der realen Welt: die guten alten Karteikarten, die man mit einzelnen Ideen und Punkten füllt und dann in der richtigen Reihenfolge und Anzahl aneinander reiht. Index Card ist nichts anderes, als dieses System einfach in die digitale Welt versetzt. Die Idee zu der App stammt eigentlich von US-Drehbauchautoren, die Ideen, Szenen und Dialoge, schnell und unkompliziert umreihen und darstellen wollten. Und, die App kann noch viel mehr.

Grundsätzlich verteilt man seine Gags (Ideen) auf virtuelle Karteikarten. Diese kann man dann mit verschiedenen Farben versehen und sie jederzeit in eine beliebige Reihenfolge bringen. Einfach Finger drauf und Karte verschieben. Man kann sogar sogenannte “Stacks” machen, bei denen man Karten die thematisch zusammenhängen quasi in ein Häufchen aufeinander legt. Und auch diese Stacks kann man dann wieder jederzeit in eine beliebige Reihenfolge bringen oder auch wieder auflösen.

Wenn ich ein Set oder Moderationen für eine Show zusammenstelle, dann suche ich mir aus meiner Komplettsammlung an Gags die Anzahl der Karten raus, die der zur Verfügung stehenden Zeit ca. entsprechen, kopiere sie, bringe sie in die gewünschte Reihenfolge und speichere das neue Set ab. So habe ich immer und überall Zugriff auf meine Jokes und kann jederzeit schnell auch noch umstellen und die Reihenfolge ändern. Und im Laufe der Zeit hat sich auch eine Sammlung an Sets in verschiedenen Längen ergeben, auf die ich jetzt immer zugreifen kann. Manchmal ersetze ich dann einfach alte durch neue Gags oder durcg Gags, die thematisch besser zum nächsten Gig passen.

Ein weiteres großartiges Feature von Index Card ist, dass ich mit einem Finger-Tab alle Kärtchen eines Sets in ein Text-File umwandeln kann. So habe ich jedes Set auch als Fließtext, um es zu bearbeiten oder durchzugehen. Wenn ich dann dabei draufkomme, dass ich die Reihenfolge der Nummern ändern will, dann wechsle ich einfach wieder in die “Karteikarten-Ansicht” und verschiebe die Kärtchen bis sie in der richtigen Reihenfolge sind. Dann wieder ein Fingertab und ich habe ein neues Text-File mit der richtigen Reihenfolge.

Index Card hat noch viele weitere Features die mit Fonts, Farben, etc. zusammenhängen, aber die kann jeder selbst entdecken. Für mich ist die App zu einem unersetzlichen Werkzeug geworden, wenn es darum geht schnell und flexibel verschiedenen Sets vorzubereiten, inhaltlich abzustimmen und perfekt an Zeitvorgaben anzupassen.

 

unterhaltsamer Geschichten

Wo kommen die Ideen her?

Wo kommen die Ideen her? Eine der häufigsten Fragen die man als Comedian, Kabarettist aber auch als Autor gestellt bekommt ist: »Wo bekommst du deine Ideen her?« Es wäre so schön, wenn Ideen einfach so plötzlich aus dem Nichts auftauchen würden. So wie es uns Filme und Mythen glauben machen wollen. Der Held sitzt im Café, sieht sich um und plötzlich ist sie da. Die grandiose Story-Idee, der perfekte Gag und die fesselnde Geschichte. Wer würde nicht gerne diese geheime Technik kennen, mit der manche scheinbar so einfach ein grandioses Programm nach dem anderen, oder einen Bestseller gefolgt vom nächsten, aus dem Ärmel schütteln?

Jeder hat den Schlüssel in sich

Die brutale Wahrheit. Es gibt die geheime Technik nicht. Das ist die unangenehme Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass jeder von uns den Universalschlüssel zu fesselnden und unterhaltsamen Geschichten in sich trägt. In Wahrheit hat jeder von uns mehr Ideen und Gedanken als er oder sie je aufschreiben könnte. Das Problem ist also nicht, dass wir die Geschichten und Pointen nicht schon in uns tragen würden, das Problem ist, dass wir nicht gelernt haben sie in die Welt hinauszulassen.

In jeder Anleitung zum kreativen Schreiben – und natürlich auch Comedy-Schreiben – wird uns gesagt, dass wir mit einer klaren Prämisse oder Story-Idee beginnen sollen. Was kaum beschrieben und erklärt wird ist, woher diese Idee denn kommen soll? Und genau das hat diesen Mythos geschaffen, der besagt, dass manche diese Ideen in sich tragen, manche nicht und somit Talent haben oder nicht. Blödsinn! Die Ideenfindung ist nicht ein plötzliches Event sondern ein langer Prozess.

Zu oft glauben wir, dass die Erschaffung von Comedy-Material oder Romaninhalten mit einer plötzlichen Erleuchtung einhergeht, die uns eine Geschichte offenbart, die wir einfach nicht gesehen hatten. Eine Idee, die dann ausgebaut und angefettet wird und so zur perfekten Story oder Pointe wird. So ist es aber nicht. Ideen, Geschichten und Gags zu finden ist in sich schon der Prozess, also ein Prinzip, das man mit dem wunderbaren Zitat: »Der Weg ist das Ziel«, schön umschreiben kann.

Das Geheimnis der Ideen-Quelle

Tja, und jetzt kommt das große Geheimnis. Um tolle Texte, Gags und Geschichten schreiben zu können, muss man einfach nur schreiben. Große Ideen kommen allein durch die Aktivität des Schreibens. Ich kann direkt spüren wie dankbar du mir für diese grandiosen Tipp bist. »Super, Niko, bist ein Genie. Und jetzt? Was soll ich schreiben? Das ist ja mein Problem. Hätte ich ein tolle Idee, wäre ich schon längst am Keyboard!« Ok, kann ich nachvollziehen.

Nächste Überraschung. Um zu schreiben braucht man keine fertige Idee, Story oder einen Plan. Genau das Festhalten an diesem Gerücht hält uns nämlich vom schreiben ab. Eigentlich braucht man nur eine ganz kleine Inspiration um loszulegen.

Kleine Text-Pflänzchen

Mach dir Notizen zu Themen. Sammle Gefühle, Eindrücke und Emotionen. Du hast ja sicher immer ein Notizbuch, Smart-Phone, Tablet, etc. dabei. (»Natürlich Niko.«) Schreib keine Geschichten, nur Stichworte (außer es kommt dir in einem der Momente wirklich so eine tolle Erleuchtung, dass daraus in 10 Stunden ein Roman wird). Worüber Notizen machen? Über alles und jeden! Immer nur Stichworte.

  • Beschreib den Raum in dem du gerade sitzt – Wie sehen die Möbel aus? Ist der Tisch aufgeräumt? Sin dir die Beine auf der Kloschüssel schon eingeschlafen? Stinkt es?…

  • Beschreib deinen größten Feind – Wie sieht er aus? Wäscht er sich? Was hasst du an ihm/ihr am meisten? Warum ist er/sie dein Feind?…

  • Schreib einen Dialogfetzen auf – Was haben die Kids in der U-Bahn gerade besprochen? Was hat die Frau im Café laut ins Handy gebrüllt? Wie hat der Zugbegleiter die Verspätung begründet?…

  • Eine andere Welt – Wo wärest du gerade lieber? Du bist Gott – wie hättest du die Welt designed? Welche Superkraft hättest du gerne? Warum?…

Je öfter du dich einfach hinsetzt und deinen Gedanken zu egal welchem Thema in Stichworten sammelst und notierst desto besser. Selbst wenn du schreibst, dass dir nichts einfällt und dich das in den Wahnsinn treibt. Wie treibt es dich in den Wahnsinn?… Alle diese kleinen Text-Versatzstücke bzw. Jungpflanzen werden voll Formulierungen und Ideen für Geschichten sein.

Pflänzchen wird zur Pflanze

Nach einiger Zeit setzt dich hin, hol dir deine Notizen raus und mache aus den Notizen kleine Texte. Wieder sind Fragen wichtig. Hinterfrage warum du dir die Notizen gemacht hast? Was hat dich interessiert? Wieso genau das? Was ist vor und nach der Beobachtung passiert? Völlig egal was du fragst oder schreibst, mach einfach weiter. Lass dich einfach führen egal wohin dich die Fragen führen. Versuche nicht krampfhaft eine strukturierte Geschichte zu schreiben. Geh vorwärts, geh rückwärts, ändere die Richtung, aber schreib. Schreib schnell. Lass deine innere Stimme, deinen Korrektor und deinen Schweinehund nicht zu Wort kommen. Grammatik, Rechtschreibung, Formatierung, alles ist egal. Die Regel ist: Es kann nie zu viel Text werden. Masse ist dein bester Freund. Arbeite so deine Notizen auf und du wirst überrascht sein, wie viel Material plötzlich entsteht.

Die Magie unseres Gehirns und der Kreativität

Aus all diesen Texten wird dann plötzlich irgendeine Geschichte oder auch ein Gag auftauchen. Es geht gar nicht anders. Unser Gehirn ist trainiert Fakten, Daten und Inhalte zu sortieren, sie sinnvoll zu verbinden und eine zusammenhängende Geschichte daraus zu machen. Durch die permanente Fütterung mit deinen Ideen, Gedanken und Texten wird dein Gehirn immer mehr versuchen irgendeinen Sinn darin zu finden. Und plötzlich findet es ihn auch, weil wir dieses wundervolle Werkzeug Kreativität in uns haben. Und das ist der Moment, wo wir die Idee für eine tolle Pointe oder eine fesselnde Geschichte plötzlich klar vor uns sehen. Und jetzt sind wir am Ende unseres Prozesses, bzw. Weges, angekommen. Da wollten wir hin.

Das Tolle an dem Weg ist, dass er immer wieder eine neue Quelle für andere Ideen sein kann. Neue Fragen führen uns zu neuen Abzweigungen und Zielen. Deshalb solltest du alle Notizen zumindest speichern und mit irgendeinem System ablegen. Toll wenn du sie zumindest grob irgendwelchen Überthemen zuordnen kannst. Wenn du nach Monaten wieder einmal drüber liest, werden dir dabei wieder viele neue Ideen kommen.

Das Geheimnis der Ideenfindung

Das ist das Geheimnis. Notiere deine Gedanken, Eindrücke und Erlebnisse in Stichworten (immer, egal wo und so schnell wie möglich), bau sie zu kleinen Texten und Geschichten, bzw. Gedankenketten, aus und lass dich von ihnen zu großen Geschichten inspirieren. So sollte es klappen.

 

5 Punkte Checkliste: Kommt meine Botschaft beim Publikum an?

Botschaft an das Publikum

Eines wird nie passieren: dass alle im Publikum deine Botschaft im selben Moment verstehen, verarbeiten und bewerten. Trotzdem ist das Ziel jeder Rede, jedes Vortrags und jeder Präsentation, dass die ZuhörerInnen deine Hauptbotschaft mitnehmen. Deshalb ist es so ungeheuer wichtig, dass du während deines Auftritts immer wieder überprüfst, ob dir noch die nötige Aufmerksamkeit von Seiten des Publikums geschenkt wird. Einige ZuhörerInnen werden vielleicht nicht mit allen deinen Thesen einverstanden sein, einige werden vielleicht mit keinem einzigen deiner Punkte übereinstimmen. Manche werden Teile unterstützen und andere Gedanken ablehnen. Aber alle diese Entscheidungen kann ein Publikum nur fällen, wenn es deine Botschaft grundsätzlich verstanden hat. Ohne dass sie sie verstehen, macht ein weiterer Dialog keinen Sinn. Und nur wenn du das Publikum aufmerksam beobachtest und seine Signale richtig interpretierst, kannst du abschätzen wie sehr du durchdringst.

Setze deinen Hausverstand ein

Die nachfolgenden Tipps sind so genannte No na-Punkte. Dinge, die logisch, offensichtlich und leicht nachvollziehbar sind. Und dennoch, in der Aufregung vergisst und übersieht man oft die einfachsten und offensichtlichsten Sachen. Es ist deshalb immer gut auch völlig logische und einfache Grundregeln immer wieder durchzudenken, sich selbst daran zu erinnern und sie präsent zu halten.

Hier ist eine Checkliste mit Anzeichen und Werkzeugen um das Publikum bei der Stange zu halten

1. Sieh ihnen in die Augen

  • Wenn sie mit dir Augenkontakt halten, dann hören sie aufmerksam zu. Sie verarbeiten deine Aussagen und Ideen. Viel Augenkontakt ist natürlich ein sehr positives Signal. Scanne den Raum und beobachte ob in allen Bereichen des Zuschauerraums Augenkontakt vorhanden ist. Wenn nicht, könnte das ein Hinweis sein, dass du in bestimmten Bereichen akustisch nicht ausreichend zu verstehen bist.

2. Es steht ihnen ins Gesicht geschrieben

  • Verwirrung, Langeweile, Desinteresse, Interesse, Neugier und Freude sind Menschen leicht anzusehen. Das machst du täglich, egal ob im Büro oder im Privatleben. Nutze deinen Hausverstand und interpretiere die Gesichter.

  • Kopfnicken signalisiert Zustimmung, Kopfschütteln signalisiert Ablehnung. Beides sind gute Signale. Offensichtlich wirst du verstanden und deine Botschaft verarbeitet. Du hast zumindest die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen.

  • Gähnen, Schnarchen, Speichelfluss aus den Mundecken sind natürlich keine guten Signale. Sie können auch von Schlafmangel, Übermüdung und einer langen Nacht zeugen. Allerdings nur, wenn es sich um ein oder zwei Einzelfälle im Publikum handelt. Wenn zwei Drittel des Publikums gemütlich vor sich hin schnarchen, dann bist du verloren.

3. Beobachte die Körpersprache des Publikums

  • So wie bei dir als RednerIn selbst, verrät uns die Körpersprache auch viel über unser Publikum. Leicht vorgebeugt sitzend, signalisiert Interesse und Aufmerksamkeit.

  • Im Sessel lümmelnd ist ziemlich sicher kein gutes Signal. Die Position ist eher ein Indikator für Langeweile und Desinteresse.

  • Verschränkte Arme sind kein schlechtes Signal. Sie signalisieren Ablehnung, Verteidigung und Nicht-Übereinstimmung, sie bestätigen aber Aufmerksamkeit und Verarbeitung deiner Argumente und Ideen.

4. Fragen ob sie verstanden haben

  • Es ist völlig in Ordnung nachzufragen. Fragen wie: »War das verständlich?« oder »Können mir alle folgen?« sind wichtige Werkzeuge. Sie sind ein weiterer Weg um zu prüfen, ob das Publikum deine Botschaften versteht.

  • Nach der Frage eine kurze Pause machen, um tatsächlich Fragen zu bekommen, wenn es welche gibt. Die Frage muss ernst gemeint sein und darf keine rhetorische Floskel sein.

5. Niemanden herausheben

  • Wenn du einer Person im Publikum offensichtlich anmerkst, dass sie den Faden oder das Interesse an deinen Ausführungen verloren hat, dann führe sie nicht vor. Stell die einzelne Person nicht ins Schaufenster. Sprich auf keinen Fall nur diese eine Person an. Es könnte ihr unangenehm und peinlich sein. Sei dir bewusst, dass wenn es diese eine Person nicht verstanden hat, dann gibt es sicher auch noch andere im Publikum, denen es genauso geht.

  • Erkenne das Signal und versuche die ZuhörerInnen wieder ins Boot zu holen. Manchmal müssen Dinge einfach wiederholt werden, manchmal erklärt man etwas noch einmal in anderen Worten. Menschen hören und verstehen jeweils auf ihre eigene individuelle Art. Obwohl du es natürlich nie wirklich allen und jeden in jedem Moment recht machen kannst, versuche möglichst viele am gemeinsamen Weg zu halten.