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5 Punkte Checkliste: Kommt meine Botschaft beim Publikum an?

Botschaft an das Publikum

Eines wird nie passieren: dass alle im Publikum deine Botschaft im selben Moment verstehen, verarbeiten und bewerten. Trotzdem ist das Ziel jeder Rede, jedes Vortrags und jeder Präsentation, dass die ZuhörerInnen deine Hauptbotschaft mitnehmen. Deshalb ist es so ungeheuer wichtig, dass du während deines Auftritts immer wieder überprüfst, ob dir noch die nötige Aufmerksamkeit von Seiten des Publikums geschenkt wird. Einige ZuhörerInnen werden vielleicht nicht mit allen deinen Thesen einverstanden sein, einige werden vielleicht mit keinem einzigen deiner Punkte übereinstimmen. Manche werden Teile unterstützen und andere Gedanken ablehnen. Aber alle diese Entscheidungen kann ein Publikum nur fällen, wenn es deine Botschaft grundsätzlich verstanden hat. Ohne dass sie sie verstehen, macht ein weiterer Dialog keinen Sinn. Und nur wenn du das Publikum aufmerksam beobachtest und seine Signale richtig interpretierst, kannst du abschätzen wie sehr du durchdringst.

Setze deinen Hausverstand ein

Die nachfolgenden Tipps sind so genannte No na-Punkte. Dinge, die logisch, offensichtlich und leicht nachvollziehbar sind. Und dennoch, in der Aufregung vergisst und übersieht man oft die einfachsten und offensichtlichsten Sachen. Es ist deshalb immer gut auch völlig logische und einfache Grundregeln immer wieder durchzudenken, sich selbst daran zu erinnern und sie präsent zu halten.

Hier ist eine Checkliste mit Anzeichen und Werkzeugen um das Publikum bei der Stange zu halten

1. Sieh ihnen in die Augen

  • Wenn sie mit dir Augenkontakt halten, dann hören sie aufmerksam zu. Sie verarbeiten deine Aussagen und Ideen. Viel Augenkontakt ist natürlich ein sehr positives Signal. Scanne den Raum und beobachte ob in allen Bereichen des Zuschauerraums Augenkontakt vorhanden ist. Wenn nicht, könnte das ein Hinweis sein, dass du in bestimmten Bereichen akustisch nicht ausreichend zu verstehen bist.

2. Es steht ihnen ins Gesicht geschrieben

  • Verwirrung, Langeweile, Desinteresse, Interesse, Neugier und Freude sind Menschen leicht anzusehen. Das machst du täglich, egal ob im Büro oder im Privatleben. Nutze deinen Hausverstand und interpretiere die Gesichter.

  • Kopfnicken signalisiert Zustimmung, Kopfschütteln signalisiert Ablehnung. Beides sind gute Signale. Offensichtlich wirst du verstanden und deine Botschaft verarbeitet. Du hast zumindest die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen.

  • Gähnen, Schnarchen, Speichelfluss aus den Mundecken sind natürlich keine guten Signale. Sie können auch von Schlafmangel, Übermüdung und einer langen Nacht zeugen. Allerdings nur, wenn es sich um ein oder zwei Einzelfälle im Publikum handelt. Wenn zwei Drittel des Publikums gemütlich vor sich hin schnarchen, dann bist du verloren.

3. Beobachte die Körpersprache des Publikums

  • So wie bei dir als RednerIn selbst, verrät uns die Körpersprache auch viel über unser Publikum. Leicht vorgebeugt sitzend, signalisiert Interesse und Aufmerksamkeit.

  • Im Sessel lümmelnd ist ziemlich sicher kein gutes Signal. Die Position ist eher ein Indikator für Langeweile und Desinteresse.

  • Verschränkte Arme sind kein schlechtes Signal. Sie signalisieren Ablehnung, Verteidigung und Nicht-Übereinstimmung, sie bestätigen aber Aufmerksamkeit und Verarbeitung deiner Argumente und Ideen.

4. Fragen ob sie verstanden haben

  • Es ist völlig in Ordnung nachzufragen. Fragen wie: »War das verständlich?« oder »Können mir alle folgen?« sind wichtige Werkzeuge. Sie sind ein weiterer Weg um zu prüfen, ob das Publikum deine Botschaften versteht.

  • Nach der Frage eine kurze Pause machen, um tatsächlich Fragen zu bekommen, wenn es welche gibt. Die Frage muss ernst gemeint sein und darf keine rhetorische Floskel sein.

5. Niemanden herausheben

  • Wenn du einer Person im Publikum offensichtlich anmerkst, dass sie den Faden oder das Interesse an deinen Ausführungen verloren hat, dann führe sie nicht vor. Stell die einzelne Person nicht ins Schaufenster. Sprich auf keinen Fall nur diese eine Person an. Es könnte ihr unangenehm und peinlich sein. Sei dir bewusst, dass wenn es diese eine Person nicht verstanden hat, dann gibt es sicher auch noch andere im Publikum, denen es genauso geht.

  • Erkenne das Signal und versuche die ZuhörerInnen wieder ins Boot zu holen. Manchmal müssen Dinge einfach wiederholt werden, manchmal erklärt man etwas noch einmal in anderen Worten. Menschen hören und verstehen jeweils auf ihre eigene individuelle Art. Obwohl du es natürlich nie wirklich allen und jeden in jedem Moment recht machen kannst, versuche möglichst viele am gemeinsamen Weg zu halten.

 

Lustige Rede

Anleitung zur lustigen Rede – Recherche und Zeitreise garantieren Lacher

Lustige Rede

Google Analytics ist eine tolle Sache. Dank der Daten und Zahlen die das Tool liefert kann ich immer wieder sehen, welche Themen für die BesucherInnen auf meinem kleinen Blog interessant sind. In den letzten Monaten sind – unter anderen – immer wieder die Begriffe »Jubiläum, Firmenjubiläum, Pensionierung, MiterbeiterInnen-Verabschiedung, etc.« im Zusammenhang mit »lustig, komisch, unterhaltsam, Rede, etc.« gesucht worden. Hier gibt es offenbar einen Bedarf an Informationen und das kann ich natürlich nur als Auftrag für einen Beitrag zu diesem Thema verstehen. Hier kommen jetzt also meine Tipps zu dem Thema: Anleitung zur lustigen Rede.

Grundsätzlich habe ich diese Serie in vier Teile aufgeteilt:

Welch Überraschung. Los geht’s mit dem ersten Teil.

Recherche hilft immer

Gleich vorweg, um alle Ängste zu zerstreuen: Man kann auch sehr lustige und unterhaltsame Reden, die auch noch persönlich wirken, halten, selbst wenn man kaum bis gar nicht vorab recherchiert. Die Pointen und Witze in einer Rede, kreativ formuliert und scheinbar personalisiert, können da ganze Arbeit leisten. Trotzdem wird jede Rede durch gute Recherche besser. Und es gilt auch: je besser recherchiert, desto lustiger und berührender für Publikum und Hauptfigur (Firma). Die Gründe dafür sind recht einfach.

Nur wenn ich vorab recherchiert habe, kann ich Fettnäpfchen vermeiden. Es gibt für jeden Menschen Themen, die aufgrund persönlicher Erlebnisse, Lebensbedingungen und Erfahrungen, für diese Menschen nicht lustig sein können – egal wie brillant die Pointe ist. Wer über Menschen spricht – z.B. bei Berufsjubiläen, Verabschiedungen in die Pension, etc. – muss wissen welche Themen unangenehm, verletzend und zu persönlich sein könnten. Das kann man nur mit guter Recherche vorab herausfinden. Nichts ist unangenehmer als schon zu Beginn in ein rhetorisches Fettnäpfchen zu treten (auch wenn es nicht bös gemeint war) und damit das Publikum in ein betretenes, peinlich berührtes und unangenehm schweigsames Etwas zu verwandeln.

Auf der anderen Seite haben KollegInnen, Chefs, etc. immer auch verborgene Seiten auf die sie eigentlich sehr stolz sind. Hobbys, die man ihnen auf den ersten Blick nicht zutraut, Vorlieben, Steckenpferde, und vieles mehr. Der Abteilungsleiter, der ein begeisterter Westernreiter ist, die Chefsekretärin die seit 20 Jahren den schwarzen Gürtel in Judo hat, etc. Alle diese »geheimen« Dinge sind großartiger Stoff für Unterhaltung und Pointen. Vor allem wenn sie zeigen, dass der Jubilar auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich und menschlich ist. Natürlich immer in Maßen und vorab mit Freunden und Familien des Betroffenen abgeklärt, ob es ok ist darüber zu sprechen.

Gute Recherche ermöglicht es dem/der RednerIn auch viel mehr auf den Menschen selbst, seine/ihre Persönlichkeit und Menschlichkeit einzugehen. All das weckt Emotionen und bindet die ZuhörerInnen. Gerade wenn man versucht zu unterhalten sollte man sich einer Grundregel bewusst sein: Je emotionaler ein Thema, desto größer die Lacher bei einer Pointe.

Je mehr persönliche Dinge und Einzelheiten du über den Jubilar in Erfahrung bringst, desto besser. Dabei geht es nicht um intime Geheimnisse oder peinliche Momente. Nein, viel wichtiger und erfolgreicher sind Details die uns als ZuhörerInnen Vergangenheit, Charakter und Gewohnheiten der Hauptdarsteller zum Leben erwecken. Was für eine Schultasche hatten sie, wo waren die Sommerurlaube, Lieblingsstofftier, Lieblingsspielzeug, erste Sporterfahrungen, Kindergartenliebe, Spiele und Aktivitäten die schon früh auf Eigenschaften von heute hingewiesen haben, Sturheit, Lebhaftigkeit, Essens- und Schlafgewohnheiten, Ordnungssinn, Geschmack bei Musik, Kleidung, Freunden, etc.? Beispiele:

  • Lieblingsjacke

  • Big Jim oder Barbie-Puppe

  • Fahrradkollisionen

  • Duschangst…

Versuche solche Details aus allen Lebensabschnitten bis zum Tag des Jubiläums oder der Pensionierung zu finden. Setze sie in einen gesellschaftlichen und historischen Zusammenhang. Entführe das Publikum auf eine kleine Gedanken- und Zeitreise bei der sie sich selbst – aber auch viele im Publikum – an ihre erste Schultasche, Schularbeitenschummelei und vieles mehr erinnern.

Die Zeitreise – garantierte Lacher

Wir Menschen lieben es über die »gute alte Zeit« zu sprechen und zu lachen. Kleine Zeitreisen gemeinsam mit den ZuhörerInnen sind ein garantierter Weg um Lacher zu bekommen. Gerade Jubiläen, Pensionierungen und Verabschiedungen eignen sich dafür hervorragend. Die Zeitreise eignet sich nicht nur als punktueller Pointenlieferant, nein, sie kann auch ein großartig unterhaltender roter Faden für die ganze Rede sein. Und das beste an der Zeitreise ist, dass sie so einfach zu recherchieren und gefahrlos einzusetzen ist.

Einfach Jahreszahlen, Jahrzehnte auswählen und im Internet, Chroniken oder der in den eigenen Erinnerung kramen, was damals alles wirklich cool, aufregend, sensationell oder eben noch nicht vorhanden war. Alle Themen sind gut und werden für Unterhaltung sorgen. Warum, weil wir alle auf dieser Reise gemeinsam sind. Das heißt, alle im Publikum werden zu jedem Thema persönlichen Bezug und auch emotionale Empfindungen haben. Und selbst die im Publikum, die für vieles zu jung waren, werden über die absurden Dinge der Vergangenheit lachen. Themen gibt es immer genug. Garantiert: Wohnungs- und Büroeinrichtungen, Tapeten, TV-Geräte, Küchen, Autos, Telefone, Telex, Musik, Mode, Währungen, Grenzkontrollen, Tourismus, Fernreisen, etc.

Vergleiche mit alltäglichen Dingen von heute funktionieren immer. Kleines Beispiel ohne viel darüber nachgedacht zu haben:

Mein einziges Navi war damals meine Freundin/Frau. Da konntest du nicht zwischen verschiedenen Stimmen wählen. Die hat sich damals nur kurz vor Unfällen dramatisch verändert. Das Kartenmaterial war auch nicht sehr zuverlässig. Wir haben so viele fremde Kulturen und Orte besucht. Oft völlig überraschend. Aber mit so einem Navi konnte man wenigstens noch diskutieren, streiten und dann Versöhnungssex haben…«.

Solche Vergleiche gehen in fast allen Themenbereichen: Telekommunikation, Taschenrechner, Computer, Haushaltsgeräten, etc.

Die Zeitreise ist das beste Werkzeug um eine Rede zu einem unterhaltsamen Höhepunkt zu machen. Sie bindet die ZuhörerInnen, regt ihre Fantasie und Kopfkino an und versetzt sie in eine emotional-fröhliche Stimmung. Je nach Alter des/der RednerIn ist sie einfach vorzubereiten, denn die persönlichen Erinnerungen sind eine inspirierende Quelle an lustigen Erfahrungen und Fakten. Die Zeitreise eignet sich zudem auch noch wunderbar um einer Rede einen roten Faden mit Beginn, Mittelteil und Schluss zu geben. Nutze sie.

Anleitung zur lustigen Rede – der gute alte Witz

Anleitung zur lustigen Rede – eigene Pointen und Gags

Anleitung zur lustigen Rede – Showtime

Publikumssituation

Mit schwieriger Publikumssituation umgehen

PublikumssituationEine der schwierigsten Situation für Comedians und KabarettistInnen sind mehr oder weniger große Firmenfeiern, Galas oder spezielle Events. Die Publikumssituation vor Ort ist oft schwierig und schwer in den Griff zu bekommen. Während das Publikum normalerweise wegen einer KünstlerIn, einem bestimmten Programm oder einer spezifischen Show kommt, kommen die Gäste bei Firmenevents, -galas und -feiern zuerst einmal nur wegen der Einladung. Meist bezahlen sie nichts für die Karten und sind eigentlich nur gekommen um zu netzwerken und Teil des sozialen Lebens des eigenen Unternehmens zu sein.

Firmenpublikum und der Rest im Raum

Besonders kompliziert für die KünstlerInnen wird es dann, wenn sie Shows spielen, die aus einem Mischpublikum bestehen. Also wenn große Gruppen mehrerer Unternehmen und Organisationen mit Publikum gemischt sind, die für die Show normale Karten gekauft haben. Vor allem rund um Weihnachten und Neujahr, sind wir KünstlerInnen solchen Situationen konfrontiert. Wenn wir also nicht untergehen wollen, müssen wir mit der Situation professionell umgehen.

Ich selbst habe unlängst eine Show gespielt, bei der 80 Gäste von einem bestimmten Unternehmen mit mehr als 90 „normalen“ Gästen gemischt waren. Gleich zu Beginn der Show war klar, dass das nicht unbedingt einfach wird. Im Raum waren große Tische mit bis zu 25 Personen pro Tisch. Vier dieser Tische waren also mit MitarbeiterInnen des Unternehmens gefüllt und auf den anderen Tischen verteilte sich das Restpublikum. Welche Tische zur Firmenfeier gehörten war leicht zu erkennen, denn als die Show begann, dachte an diesen Tischen niemand daran auch nur ein wenig leiser miteinander zu sprechen. Die Leute hatten gemeinsam gegessen, getrunken und Spass und warum sollten sie jetzt plötzlich still sein und einem einsamen Comedian/Moderator auf der Bühne zuhören? Was also tun?

Wissen ist Macht

Wenn schon vorher bekannt ist, dass viele BesucherInnen einer bestimmten Firma oder Organisation angehören, dann sollte man sich als KünstlerIn unbedingt vorab informieren und recherchieren, was diese Menschen eigentlich tun. Dank Internet ist das heute nicht mehr wirklich schwer und man findet immer wunderbare Presse-, Marketing- und Produkttexte. Mit diesem Wissen kann man arbeiten und bei den BesucherInnen Punkte sammeln.

Firma und MItarbeiterInnen von Anfang an einbinden

Bei dem oben erwähnten Auftritt habe ich einfach aus den Unterlagen des Unternehmens ein 8-10minütiges Comedy-Set vorbereitet. Am einfachsten geht das, wenn man Fachbegriffe aus diversen Broschüren und Firmentexten nimmt, sie entweder absichtlich völlig missversteht, in andere Lebensbereiche überträgt oder auf das tägliche Leben umlegt. Es geht nicht darum möglichst viele Daten und Fakten zu kennen, sondern möglichst witzig klingende Fachwörter, -begriffe und Texte anzubringen.

Sobald die Gäste des Unternehmens bemerken, dass sich jemand mit ihrer Welt, die gerade ihnen wichtig ist und auf die sie natürlich stolz sind, beschäftigt hören sie zu. Bei der letzten Show haben mir andere Kollegen bestätigt, dass, sobald ich Fachbegriffe ihrer Produkte auf die Bühne gebracht habe, die Gäste plötzlich sehr wohl bereit waren zuzuhören.

Gleichzeitig habe ich auch gleich ein paar ihrer MitarbeiterInnen von der Bühne aus in die Moderation mit einbezogen. Ich fokussiere mich da vor allem auf jene junge Männer, die mit offen zur Schau gestellter Coolness zeigen wollen, dass sie eigentlich zu cool zum Lachen und Amüsieren sind. Ich frage sie nach ihren Namen, nach ihrer Position und ob sie in Beziehung leben? Plötzlich wird das für alle anderen ihrer KollegInnen natürlich besonders interessant und lustig. Sie wollen nicht verpassen, wie sich ihr Arbeitskollege in so einer Situation verhält. Natürlich darf man dabei auf keinen Fall beleidigend werden oder jemanden der Lächerlichkeit preisgeben.

Und nach einem kurzen Dialog hat man sich so sofort Verbündete im Publikum geschaffen, die man nutzen kann. Man kann sie immer wieder direkt mit Namen ansprechen oder sie bitten die KünstlerInnen des Abends zu unterstützen. Man kann ihnen schmeicheln und sagen, dass sie nun Vorbilder für alle sind, dass alle nur lachen wenn sie es tun und auch nur jubeln wenn sie es tun. Ob sie es wollen oder nicht, sind sie nun im Fokus ihrer KollegInnen und wollen natürlich dazu beitragen, dass die Show ein Erfolg wird.

Firmen-Lingo für alle witzig machen

Bei einem gemischten Publikum darf man die Pointen über ein jenes Unternehmen, das die meisten Gäste stellt, nicht so fachspezifisch machen, dass sie für das restliche Publikum weder interessant noch witzig sind. Deshalb immer darauf achten, die Produkte und Bergriffe mit funktionierenden Pointen allgemeiner Art zu vermischen. Wir alle haben Witze und Sets, die eigentlich fast immer funnktionieren. Wenn man das Unternehmen oder die Organisation geschickt mit solchen Sachen verwebt (oft reicht nur die Verwendung eines Produkts, eines Katalog-Textes, eines Fachbegriffs, etc.) wird das für alle im Publikum unterhaltsam sein.

Auch die direkte Interaktion mit Teilen des Firmenpublikums kann man so gestalten, dass sie auch für „Normalgäste“ unterhaltsam ist. Menschen freuen sich immer, wenn andere vom Moderator oder Comedian „drangsaliert“ werden.

Firmen-Gigs und Galas sind Dienstleistung

Wer sich künstlerisch verwirklichen will sollte solche Events nicht spielen. Er oder sie sollte sich auch Gedanken machen, ob Weihnachts- und Neujahrsshows wirklich einen Auftritt wert sind? Wenn Menschen organisiert zu so einem Abend kommen, dann kommen sie meist nicht primär wegen der Show. Sie kommen, um einen Abend mit KollegInnen zu verbringen, zu plaudern, zu essen und zu trinken. Die Show ist quasi nur noch eine Art Draufgabe. Wer bei so einem Abend die Bühne mit 20 Sekunden Stille und einem Monolog beginnt, bei dem die erste Pointe nach 12 Minuten kommt, ist einfach am falschen Ort.

Warm-Up ist vielleicht eine gute Idee

Auf jeden Fall sollte man an so einem Abend eine Art des Warm-Ups planen. Entweder hat man das Glück einen Moderator, Anheizer oder unterhaltsamen Master of Ceremony zu haben, oder aber, man muss die Härte haben, es die ersten Minuten selbst zu machen. Ein Comedy-Set — und sei es noch so gut — kann nur erfolgreich sein, wenn das Publikum zuhört und die Pointen verstehen kann. Wer die verschiedenen Gruppen im Publikum nicht in den Griff bekommt und sich ihre Aufmerksamkeit nicht erarbeitet, kann gleich wieder von der Bühne gehen und allen einen netten Abend wünschen.

Publikumssituation

Comedy: Indirekte und direkte Einbindung des Publikums

Comedy für das Publikum
Eine Grundregel bei Comedy: wenn es dem Publikum egal ist worüber du sprichst, dann wird niemand lachen. So einfach ist es. Themen, die die Menschen nicht interessieren oder ihnen gar auf die Nerven gehen, werden weder Gelächter noch Beifall erzeugen. Die ZuschauerInnen müssen emotional eingebunden werden, um sie bei der Stange zu halten. Das ist nicht leicht, aber machbar. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen indirekter und direkter emotionaler Einbindung des Publikums.

Wer für Comedy zahlt, will auch lachen

Wenn Menschen bereit sind Zeit, Energie und vor allem auch Geld zu opfern, damit sie zu einer Comedy-Show gehen, dann kann man davon ausgehen, dass sie auch emotional in den Abend investiert haben. Sie wollen für die Organisation des Babysitters, die Parkplatzsuche und für das bezahlte Eintrittsgeld belohnt werden. Vielleicht haben sie auch schon hohe Erwartungen an den Künstler, weil sie von ihm gehört oder gelesen haben? Oder der Moderator hat gerade eine wunderbare Vorstellung beendet und den folgenden Comedian positiv angekündigt? Alle diese Vorgänge sorgen für eine indirekte emotionale Erwartungshaltung in den Köpfen der Gäste.

Am Ende zählt nur das Produkt selbst

Aber wir alle wissen, dass Werbung und Hype nur bedingt zu Erfolg führen kann. Gutes Marketing und gute Werbung bringen die meisten Menschen dazu ein Produkt einmal auszuprobieren. Überzeugen muss es am Ende selbst. Egal wie viel die Leute Eintritt gezahlt haben und wie sehr Medien oder andere Werbung für dich gemacht haben. All das zählt nur, bis du selbst die Bühne betrittst. Mit den ersten Minuten auf der Bühne ist all das vergessen und du musst alle Erwartungen selbst erfüllen. Dein Erfolg hängt von dem Moment an nur mehr von dir selbst, deinem Talent und deiner professionellen Vorbereitung ab.

Deswegen ist es dann so wichtig eine Performance abzuliefern, die nicht nur technisch sauber ist, sondern auch das Publikum mitreißt. Sobald du auf der Bühne bist geht es darum, die Emotionen der ZuschauerInnen auch direkt zu wecken. Wenn ein Performer dies schafft, dann wird er oder sie auch Erfolg haben. Frag dich also immer, ob in deiner Show genug Elemente sind, die die Emotionen des Publikums direkt ansprechen. Sei es thematisch, sei es gefühlsmäßig oder auch der Spannung wegen. Mache das Publikum zu Freunden die wollen, dass du erfolgreich und unterhaltsam bist. Dann bist du auf dem richtigen Weg.

Versagen ist Teil des Jobs

Versagen ist Teil des Jobs

Versagen ist Teil des JobsGestern hatte ich wieder so einen Abend. Gott sei Dank passiert mir das nicht mehr oft, aber es hat einfach nicht funktioniert. Und es war meine Schuld. Es ist immer die Schuld des Künstlers und nicht die des Publikums, der Crew oder des Saals. Aber natürlich macht man sich nachher Gedanken und überlegt, was schief gelaufen ist. Von Anfang an habe ich einen Teil des Publikums nicht erreicht. Es wäre vielleicht nicht so problematisch gewesen wenn der Saal voll gewesen wäre. War er aber nicht.

Vor mir waren fünf lange Tischreichen, so ähnlich wie in einem Bierzelt, und selbst die waren nicht voll besetzt. Ich schätze es waren ca. 40 Leute im Publikum. Bei einem vollen Haus hätte man wohl leicht 150 — wenn nicht mehr — Gäste untergebracht. Von Anfang an hat der Tisch links außen von mir, meinem Humor wohl nicht so viel abgewinnen können.

Die ersten Pointen haben das Ende vorweggenommen

Es hat klassisch begonnen. Schon bei den ersten Pointen waren die Lacher nicht so laut und heftig wie sonst. Links von mir vielleicht ein wenig Schmunzeln und Gekicher aber sonst nichts. Und obwohl auf den anderen Tischen zuerst die Zustimmung groß war, wurde sie dann auch dort immer zurückhaltender. Das ist ja so ein Phänomen bei Kabarett und Comedy. Wenn der Teil, der sich gut unterhält den Teil, der sich nicht so wohl fühlt, nicht mitreißen kann, dann passiert es eben genau umgekehrt. Dann ziehen die Unlustigen die Lustigen runter. Plötzlich trauen die sich nicht mehr so laut zu lachen, fragen sich, ob sie vielleicht den schlechteren Humor haben und sind verunsichert. Und genau das ist mir passiert.

Obwohl ich es schon ein paar mal geschafft habe solche Situationen aufzufangen, ist es mir eben gestern nicht gelungen. Ich war verunsichert. Schon nach den ersten Pointen war mir klar, dass Teile des Publikums nicht meinen Humor haben würden. Sofort habe ich dann auch alle die Fehler gemacht, die man eigentlich als erfahrener Comedian nicht machen sollte. Ich bin schneller geworden, habe im Kopf begonnen das Material umzustellen und sogar die erste Hälfte meiner Show mit neuem Material verlängert. Das hat alles nichts gebracht. Ich hatte die falsche Abzweigung genommen und konnte nicht mehr umdrehen.

Der Absturz kann jedem passieren – auch den Besten

Aber so ist das nun mal in unserem Geschäft. Es gibt solche Shows. Und egal wie gut und erfahren man ist, sie passieren immer wieder. Selbst den Allerbesten unter uns. Vielleicht stürzen sie nicht völlig ab (war gestern bei mir auch nicht so), aber sie spüren innerlich, dass die Show mies gelaufen ist. Das ist Comedy.

Ich habe Touren erlebt, bei denen am ersten Abend ein Kollege den Saal zum Ausflippen gebracht hat, und dann am nächsten Abend in einer anderen Stadt, mit dem exakt gleichen Material und Pointen völlig untergegangen ist. Ein Veranstalter hat mir mal in einem Gespräch gesagt: »Ich könnte das nicht. Comedy! Es gibt keine Garantie dass die Leute lachen. Bei Musikern ist das einfacher. Wenn es gar nicht läuft wird halt ein eigener Hit oder ein Welthit eines anderen ausgepackt und schon läuft’s wieder. Aber bei Euch. Die Pointe die an einem Abend ein Hit ist, ist am nächsten Abend vielleicht ein Flop.«

Das Leben geht weiter, trotz Bühnentod

Was also tun? Zuerst einmal einfach akzeptieren, dass das Versagen Teil unseres Geschäfts ist. Es kann immer passieren. Und im Gegensatz zu weit wichtigeren Jobs auf dieser Welt stirbt niemand wegen schlechter Witze. Nur wir selbst auf der Bühne haben das Gefühl tausende Tode zu sterben. Trotz dieser vermeintlichen Tode können wir nachher noch was trinken, der Welt in die Augen sehen und dürfen meist auch noch nach Hause kommen. Wir müssen also lernen, dass ein schlechter Abend nicht das Ende unserer Welt bedeutet.

Zweitens: Versuchen wir daraus zu lernen. Am einfachsten ist das, wenn man seine Auftritte aufzeichnet. Dann sind all die kleinen Fehler, die zum vermeintlichen Desaster führen, auch schön zu sehen. Die Verunsicherung, die Beschleunigung, die Körpersprache und all die anderen Dinge, die auch dem Publikum zeigen, dass man verunsichert ist und in der Klemme steckt. Die Besten unter uns können genau das kontrollieren und schaffen es so das Publikum wieder zu entspannen.

Drittens: Wenn wir aus solchen missglückten Abenden lernen, dann können wir auch ein wenig an ihnen wachsen. Je öfter wir spielen, je mehr wir schreiben und je besser wir lernen mit Publikum umzugehen, desto seltener wird uns so ein Absturz passieren. Und das ist es worauf es ankommt.

Wieder rauf auf’s Pferd und losreiten. Wenn wir gut sind schaffen wir immer weitere Strecken ohne runterzufallen. Und wenn wir wirklich einer zu den Besten der Welt aufschließen, werden wir irgendwann eimal so sicher im Sattel sitzen, dass wir im schlimmsten Fall vielleicht nur ein wenig seitlich aus dem Sattel rutschen, aber nicht mehr ganz raus fallen. In diesem Sinne: ich geh’ wieder mein Pferd satteln.