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Comedy- und Kabarettwettbewerb

Skandal bei ORF-Show: Barbara Karlich-Aufzeichnung endet in Senioren-Sex-Orgie!

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Wien – Wie erst heute bekannt wurde, kam es letzte Woche bei der beliebten täglichen Barbara Karlich Show zu einem handfesten Skandal. Während der Aufzeichnung der 2345. Folge mit dem Titel Lieber Orgie als senile Bettflucht – der Trend zur Geriatrieschlampe im Seniorenheim verloren mehr als zwei Dutzend PensionistInnen die Beherrschung und vergingen sich aneinander in einer obszönen Gruppen-Senioren-Sexorgie.

„Die Probleme haben angefangen, als Mitzi, eine 67-jährige Pensionistin aus Wien-Donaustadt, plötzlich von ihrer Liebe zu Reizwäsche erzählte und auch gleich begann sie zu zeigen“, meinte eine – noch immer unter Schock stehende – Barbara Karlich, nachdem mehrere ORF-Sicherheitsleute fast 15 Minuten gebraucht hatten um die fidelen Senioren zu trennen. „An sich haben wir ja nichts dagegen wenn ein wenig Haut gezeigt wird, aber sie hat dabei einige ältere Herren so gereizt, dass die völlig die Kontrolle über sich verloren haben.“

Swinger Club aus Kapfenberg

Die Situation eskalierte, als Mitglieder eines steirischen SeniorInnen-Swinger-Clubs aus Kapfenberg, mit Inbrunst an dem erotischen Ringkampf, der sich inzwischen auf der Talk-Bühne abspielte, teilnahmen. Die Gruppe war – so wie das bei der Sendung üblich ist – als Seniorenreisegruppe vom ORF als Publikum zur Aufzeichnung eingeladen worden. „Wir machen alle drei Monate eine so genannte Heiß-Decken-Reise in Großstädte, um auch dem europäischen Swing-Gedanken Rechnung zu tragen“, erzählte Josefa Loislhuber, Pensionistin aus Kapfenberg. „Wer unsere steirischen Mannsbilder kennt, dem ist klar, dass die so einem Flittchen wie der Mitzi nicht lange widerstehen können – überhaupt wenn sie sich so zeigt.“

Mehrere ÖBB-Frühpensionisten, die der Gruppe der steirischen Swing-Eichen und Besen-Hexerln angehören, stürzten sich ins Geschehen und sorgten für endgültiges Chaos. „Es war schockierend das mit anzusehen“, erklärte Sabine Fekter, 23-jährige ORF-Produktionsassistentin, nachdem sie von Notärzten wegen eines Traumas behandelt worden war. „Überall kopulierende SeniorInnen in Miedern, Stringtangas und Lederunterwäsche, die sich völlig ihrer Lust hingaben.“

Öffentlich rechtlicher Auftrag in Frage gestellt

Auf Anfrage von salamiNEWS meinte ein Sprecher des ORF, dass die Orgie an sich nicht in allen Details dem öffentlich rechtlichen Auftrag entsprach. „Aber man muss auch klar sagen, dass man dem ORF nicht einfach alles verbieten kann, denn wenn die fidelen Senioren das nicht bei uns machen, dann vielleicht auf SAT 1 und das kann ja wirklich nicht das Interesse Österreichs sein.“ Die Sendung wird trotz des Vorfalls in der kommenden Woche gesendet, allerdings mit einer besonderen Kennzeichnung, um junge ZuseherInnen nicht völlig zu verstören. „Die Gefahr dafür ist aber eh gering, denn die Show schaut sich eigentlich eh niemand unter 65 Jahren an“, ergänzte der ORF-Sprecher.

[Achtung – Satire – Über die letzten Jahre haben sich viele Satire-Beiträge von mir angesammelt. Auf mehrfachen Wunsch stelle ich nun einige davon hier online.]

 

Ein Panzer und männliche Selbstüberschätzung

Ein Panzer, eine Bedienungsanleitung und männliche Selbstüberschätzung

Ein Panzer und männliche Selbstüberschätzung (Foto: Oregon State Police)Immer wieder beobachten meine Frau und ich unseren hochgeschätzten Sohn dabei, wie er seine Fähigkeiten, Kräfte und Brillanz grandios männlich überschätzt. Mit Gusto versucht er fußballerische Kunstschüsse, die unter anderem eine neue Deckenleuchte für das Schulatrium und eine neue HIFi-Anlage für unser Wohnzimmer nötig machten. Handstandüberschläge oder Salti — mit oder ohne Skateboard, Snowboard oder Mountainbike —, enden meist in mehr oder weniger intensiver ambulanter Notversorgung. Beeindruckend sind aber auch seine physikalisch-chemische Versuchsreihe, die zu verblüffenden Verformungen bei Küchenutensilien und -gefäßen oder aber auch zu grandiosen Verfärbungen diverser Teppichen, Böden und Wandtapeten führt.

Vor allem meine Frau ist dabei immer wieder von der Tatsache erstaunt, dass ein katastrophaler Ausgang seiner Erfahrungstrips ihn keineswegs davon abhalten das Ganze in gleicher oder ähnlicher Form nochmals zu versuchen. Konsequent der männlichen Logik folgend, die da sagt: Nur weil die Mikrowelle beim ersten Mal explodiert ist, muss sie das nicht auch beim zweiten Mal tun. Immer wieder blickt mich meine Frau dann mit einem Seufzen an und sagt: »Warum versteht er es nicht? Lernt er nie aus den vorangegangenen Fehlschlägen? Was stimmt nicht mit ihm?«

Männer lernen nie!

Dann schaue ich sie mild lächelnd an und sage: »Du bist seit mehr als 25 Jahren mit mir zusammen. Habe ich je etwas gelernt? Männer lernen nicht. Nie.« Und bevor sie antworten kann führe ich auch gleich den Beweis, dass Männer nie lernen, egal wie alt sie sind.

Erst letzte Woche bestätigte ein 58-jähriger Mann und Altenpfleger im US-Bundesstaat Oregon, wie recht ich mit meiner These habe. Jeffrey Glossop musste im Eigenversuch lernen, dass eine Bedienungsanleitung alleine nicht reicht, um einen 50-Tonnen-Panzer zu fahren. Glossop betreut einen agilen Senior, der sich aus Spass an der Sache einen 50 Jahre alten und gebrauchten Chieftain Battle Tank — ein britischer Kampfpanzer aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts — gekauft hatte. Einfach so, um auch als Pensionist noch eine Hetz zu haben.

Zum Zeitpunkt seiner Einführung war der Chieftain einer der bestbewaffneten und am besten gepanzerten Panzer der Welt. Die schwere Panzerung führte jedoch zu einer eingeschränkten Beweglichkeit. Also genau das Richtige für einen rüstigen Senior mit viel Zeit, Geld und einem Treppenlift.

Traum jedes Mannes: ein eigener Panzer

Vorige Woche war es also soweit. Der Panzer wurde per LKW angeliefert. Leider liegt das Anwesen des Rentners und zukünftigen Panzerkommandantens auf einer Anhöhe unweit des US-Highways 101, die nur über eine sehr steile und kurvige Straße erreichbar ist. Der LKW konnte nicht rauffahren, also lud der verantwortliche Fahrer den Panzer unten am Highway ab.

Da schlug die Stunde von Jeffrey Glossop, der Privatpfleger unseres Seniors. Er reagierte wie jeder Mann in dieser Situation reagieren würde. »Solange Treibstoff im Tank des Panzers ist, fahre ich den selbst da rauf. Kann ja nicht so schwer sein«, dachte sich Glossop. Ein Polizeisprecher kommentierte den Moment später so: »Er hatte eine Bedienungsanleitung und war überzeugt es damit zu schaffen.« Wer kennt das nicht von diversen blutigen und gewalttätigen IKEA-Momenten in den eigenen vier Wänden?

Na ja, unser Held hat den Panzer tatsächlich in Bewegung gesetzt und ist die steile Straße rauf bis zur ersten Kurve. Dort ist ihm dann der Leerlauf reingerutscht, woraufhin der Panzer rückwärts den Hang hinuntergeschossen ist, die Leitschiene des Highways durchschlagen hat, quer über den Highway gerutscht ist (wie durch ein Wunder konnten alle Fahrzeuge auf dem Highway rechtzeitig bremsen oder ausweichen) und dann auf der anderen Seite endlich wieder zum Stehen kam.

Männergesetz: Einmal ist keinmal!

Wie hat Glossop auf seinen Fehlversuch reagiert? So wie jeder Mann. »Nur weil es beim ersten Mal nicht funktioniert hat, heißt das noch lange nicht, dass es nicht beim zweiten Mal klappt«, dachte er sich. Also, Gang rein und noch einmal rauf. Welch Überraschung. Kaum hatte er die erste Kurve erreicht, rutschte wieder der Leerlauf rein, der Panzer machte sich erneut rückwärts auf eine schnelle Abfahrt, durchschlug erneut die Leitplanke des Highways (diesmal an einer anderen Stelle), rutschte wieder quer über die Fahrbahn (ohne in einen Unfall verwickelt zu werden), durchschlug die Leitplanke auf der anderen Seite, rutschte einen weiteren Hand rückwärts hinunter und blieb dann in einer Baumgruppe hängen.

Natürlich hat Glossop eine Strafe ausgefasst und muss für die Reparatur der Leitschienen aufkommen. Aber der Panzer konnte nach zwei Tagen geborgen werden und steht jetzt bei seinem glücklichen Besitzer im Garten. Aber, und Polizisten sind eben auch nur Männer, der Polizeisprecher konnte die — aus Männersicht — wichtigste Nachricht verkünden: »Dem Panzer ist nichts passiert. Er hat das alles ohne Schaden überstanden.«

Und wenn ich jetzt meinen Sohn zuschaue, der wieder einmal versucht auf der Couch neben dem Tablett mit den Spaghetti und dem Apfelsaft, einen Handstand zu machen, dann habe ich volles Verständnis. Ja, es ist ein Konstruktionsfehler der Natur an uns Männern, aber ich hätte auch versucht den Panzer selbst raufzufahren. Ja auch zweimal. Ich bin nicht stolz das zuzugeben, aber es ist nun mal die Wahrheit — also zumindest unsere.

Für die, die mir die Geschichte nicht glauben. Hier ein Link zum Originalartikel

Comedy- und Kabarettwettbewerb

Kunde wegen mangelnder Coolness aus Apple-Store geworfen und schwer verletzt!

Apple-Store Zwischenfall

Hamburg – Wie erst heute bekannt wurde, kam es vergangenen Freitag im Hamburger Apple-Store am Jungfernstieg zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Stammkunden des Apple Stores, MitarbeiterInnen und einem Kunden, der den strengen “Coolness”-Maßstäben von Apple nicht entsprach. Bei der Auseinandersetzung wurde der 34-jährige Versicherungskaufmann an den Haaren aus dem Geschäft gezerrt und auf der Straße dann mit diversen MacBooks, iPads und IPhones quasi gesteinigt. Der Mann erlitt mehrere Platzwunden am Kopf und schwere Prellungen.

Laut Auskunft eines Arztes hatte er noch “Glück im Unglück, weil die Apple-Jünger den Angriff mit iPad-Minis versucht haben und die sind glücklicherweise doch sehr leicht. Echte 27-Zoll MacBook Pros hätten wahrscheinlich noch schwerere Verletzungen bedeutet.”

Mit einer Targus-Tasche im Apple-Store

Das Opfer war gleich bei seinem Eintreffen im Apple-Store negativ aufgefallen, da er eine Notebook-Tasche von Targus bei sich trug, anstatt der vorgeschriebenen und viel cooleren “Crumpler”-Bag. “Und dann hat er auch noch so eine normale Brille aufgehabt, nur mit einem dünnen Metallrahmen”, erzählt Doris Knechstberger, 22-jährge Kunststudentin an Hochschule für bildenden Künste in Hamburg und langjährige Apple-Kundin von Vaters Gnaden. “Mit der Brille hat er halt provoziert. Keine viereckigen Gläser und kein dicker Plastikrahmen, weder grün, rot noch schwarz.” Außerdem war die Kleidung des Provokateurs farblich unauffällig, aufeinander abgestimmt und auch die Schuhe wurden als “Spießer-Fußbekleidung” beschrieben. “Wenn er wenigstens Converse-Schuhe angehabt hätte”, ergänzte ein weiterer Apple-Stammkunde.

Ein Windows Phone eskalierte die Lage

Die Stimmung im Geschäft sei dann immer aggressiver geworden, als das Opfer auch noch darauf bestand von einem Apple-Mitarbeiter in klaren und einfachen Worten den Vorteil von Mac OS X Mountain Lion im Vergleich zu Windows 8 erklärt zu bekommen. “Mitten in diesem Gespräch hat dann auch noch sein Handy geläutet”, erzählt ein weiterer Augenzeuge, ein Werbe-Visual-Arts-Graphic-Artist, der lieber anonym bleiben möchte. “Als er dann ein Windows-HTC 8S – verstehen Sie? Ein Windows-HTC 8S im Apple-Store!!! – aus der Tasche zog und mehr als 10 Minuten ohne Gesprächsunterbrechung und technische Probleme durchtelefonierte, ist uns allen der Kragen geplatzt.”

Mehrere Stammkunden und Apple-Mitarbeiter schleiften das Opfer auf die Straße, wo er dann mit Apple-Produkten attackiert wurde. Erst das Einschreiten beherzter Passanten, die aufgrund ihres Durchschnittsaussehens als Windows- und Linux-Benutzer identifiziert wurden, schützte das Opfer vor weiteren Angriffen.

[Achtung – Satire – Über die letzten Jahre haben sich viele Satire-Beiträge von mir angesammelt. Auf mehrfachen Wunsch stelle ich nun einige davon hier online. Quasi ein “Best-Of”.]

 

Kletzenbrot — Waffe im Advent

Kletzenbrot — oder doch nur Kretznbrot?

Kletzenbrot — Waffe im AdventJetzt ist es wieder so weit. Die Zeit für besinnliche Adventabende mit Punsch und Bratäpfeln bei den Menschen, die man das ganze Jahr über erfolgreich gemieden hat, ist wieder gekommen. Aber, allein die Tatsache, dass man so einen Abend mit FreundInnen verbringen darf — der, nebenbei gesagt, jeden Aufenthalt in Guantanamo Bay wie einen Wellness-Trip wirken lässt — reicht ja nicht. Es gibt noch Strafverschärfung. Wenn man in der Adventzeit bei Freunden zu besinnlichen Weihnachtsabenden eingeladen wird, muss man natürlich was Passendes mitbringen.

Was bringt man zu solchen Abenden also mit? Natürlich zuerst einmal Alkohol. Reiner Selbstschutz und bewährte Überlebensstrategie. Ein Tipp von mir: die Weinflasche nicht schon zu drei Viertel bei der Anreise leeren und dann unauffällig verkorken. Das fällt auf. Vor allem denen, die tatsächlich nüchtern gekommen sind.

Kletzenbrot — taktische Massenvernichtungswaffe im Advent

Es gibt immer mindesten ein Pärchen, das zu so einem Abend ein „traditionelles“ Weihnachts-Kletzenbrot mitbringt. Ein schöner neuer Weihnachtsbrauch aus meiner Sicht wäre es, diese Leute, die das Kletzenbrot mitbringen, auch gleich dazu zwingen das Brot auf der Stelle selbst runter zu würgen. Die Amis haben in Guantanamo Waterboarding, wir machen das in der Adventzeit ab jetzt mit Kletzenboarding. Statt Waterboarding in Kuba, Kletzenboarding in Penzing.

Natürlich hat das Brot eine Tradition. Das Kletzenbrot kommt eigentlich aus dem alten Ägypten. Es wurde damals von ägyptischen Hohepriestern gebacken, um Kleopatra die VII. Philopator (ja, das ist die, die das Gspusi mit Cäsar gehabt hat) 30 vor Christus zu vergiften. Danach wurde es in der berühmten Bundeslade versperrt, jahrhundertelang herumgetragen. Es tauchte erst 1503 in Rom wieder auf, als Papst Alexander der VI (Rodrigo de Borgia) zusammen mit seinem Sohn Cesare bei einem weihnachtlichen Punschtrinken im Vatikan versuchte einen unliebsamen Konkurrenten zu vergiften. Eigentlich sollte das Brot Silvio Berlusconi serviert werden, aber ein Diener verwechselte die vorbereiteten Teller und so erwischte der Papst selbst ein Stück des Kletzenbrots. Historische Texte beschreiben den Moment so:

Als er starb, habe es im Innern des Körpers zu brodeln begonnen, und aus seinem Munde habe es geschäumt wie aus einem Kessel auf dem Feuer, so lange, bis er schließlich unter der Erde lag. Er sei so stark aufgequollen, daß er jede menschliche Form verloren und daß es am Leichnam keinen Unterschied mehr zwischen Länge und Breite gegeben habe.

Okay, vielleicht hat Silvio doch ein wenig davon abbekommen?

Kletzenbrot — Spur des Grauens

Mir ist es auch so gegangen. Vor zwei Jahren bin ich einmal ganz spät nach Hause gekommen. Ich habe so einen Hunger gehabt. So einen Hunger. Und da war noch dieses Kletzenbrot da, das ich eigentlich nächste Weihnachten wieder Freunden weiter schenken wollte. Ich war verzweifelt und so hungrig. Ich habe die Verpackung geöffnet und “Pffffffffff” sind Teile des Brots sofort unter meinen Fingern zu Staub zerfallen. Wirklich! Wie bei einer Mumie, die Du nach tausenden Jahren in einer Pyramide entdeckst und bei der Du den Sarkophag öffnest. Trotzdem habe ich ein kleines Stück gekostet. Kurz darauf war ich mir sicher, dass ich sterben werde. Sterben, am Fluch des Kletzenbrots.

Ich glaube ja, kein Mensch hat je so ein Kletzenbrot wirklich ganz gegessen. In der Geschichte der Menschheit hat es wohl überhaupt nur ein halbes Dutzend dieser Brote gegeben. Eines hat Kleopatra probiert, das Zweite Rodrigo de Borja und ein Drittes wäre mir fast zum Verhängnis geworden. Die restlichen drei Kletzenbrote werden seit Jahrhunderten immer wieder ungeöffnet weitergeschenkt. Schönen Advent zusammen!

Kleiner Mann im Klositz

Ein Mann (2 Jahre), sechs Feuerwehrleute und ein Klositz

Kleiner Mann im KlositzDie ganze Geschichte kurz gefasst. Ein zweieinhalb Jahre alter kleiner Mann steckte mit dem Kopf in einem Klositz fest. Jede Ehefrau und Mutter verwundert das nicht. Was sonst sollte man(n) mit einem Kinderklositz machen, wenn man mit männlichem Wissensdrang, Forschergeist und Mut ausgestattet ist?

Seinen Instinkten folgend hatte der Bub seinen Kopf durch den Sitz gedrückt und damit eine Frage geklärt, die Männer schon seit Jahrhunderten quält: Wie sieht die Welt aus der Sicht eines Klodeckels aus? Aber wie alle Männer hatte der kleine Junge das Abenteuer nicht ganz zu Ende gedacht, kam mit dem Kopf nicht mehr aus dem Klositz raus und steckte somit bis zum Hals in der Klemme.

Männliches Lebensphänomen

Damit hat er ein Phänomen entdeckt, dass ihn wohl den Rest seines männlichen Lebens begleiten wird. Was zuerst wie eine gute Idee scheint, endet nicht selten in einem dramatischen Schlamassel. Ein Phänomen, bei dem sich im Laufe der Lebenszeit eines Mannes der Klositz (also die gute Idee) z.B. in 24 Caipirinhas, schlechte Lokalbeleuchtung und eine — zumindest an der Bar — schönste Frau der Welt, oder aber auch in sechs Jagatee, die Kinderrodel und die geile Eisschanze, verwandelt. Am Ende wird er, so wie alle Männer, immer wieder bis zum Hals in der Klemme stecken.

Unser kleiner Kloforscher bekam also den Kopf nicht mehr raus aus dem Sitz und auch die Befreiungsversuche der Mutter hatten keinen Erfolg. Also rief sie die Feuerwehr. Ein Einsatzfahrzeug mit sechs Feuerwehrleuten an Bord — das ist die kleinste Einsatzgruppe in Wien — machte sich rasch auf den Weg zur Familie, um das Kleinkind aus seiner misslichen Lage zu befreien. Erste Lektion des Lebens: Von ungewollten Klositzen kann die Feuerwehr Dich noch befreien, von unbekannten Frauen, die nach einer feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier am nächsten Tag in Deinem Bett liegen, nicht.

Rettende Blechschere

»Zuerst haben wir es mit der sanften Methode, also mit Seifenwasser probiert. Das funktionierte aber nicht, weil der gerade Teil der Klobrille oben war. Deshalb mussten wir zu unserer Blechschere greifen«, erklärte der Einsatzleiter der Feuerwehr im KURIER. Die Retter haben dann den abgetrennten Kopf und den Rumpf des Kindes auf Eis gepackt und alles wurde im AKH wieder zusammengenäht. Nein, das war jetzt natürlich nur ein Scherz. Sie habe nur die Ohren abgeschnitten.

Egal, alles ist gut gegangen und das Kind wurde gesund aus der misslichen Lage befreit. Ist es aber nicht überraschend, dass man so eine Geschichte natürlich nur über einen Buben liest. Ein Mädchen würde nie auf die Idee kommen, sich den Klositz über die Rübe zu ziehen. Sie würde ihn bemalen, vielleicht mit Klopapier umwickeln, um ihn kuschelig zu machen, oder eine Puppe draufsetzen. Ist doch ein Phänomen oder? Auch wenn man von Kindern liest, die sich eine Münze in die Nase, ein TicTac ins Ohr oder einen STAR WARS Devastator sonst wo hin geschoben haben, sind es immer Jungs. Wir müssen scheinbar alles angreifen, befingern und überall reinstecken. Eine Unart, die auch viele Frauen an uns Männern kritisieren.

Die Moral von der Geschichte

Und natürlich reagiert die Gesellschaft falsch auf solche Vorfälle. Ja, mit besten Intentionen, aber schlimmen Konsequenzen. In unserem Fall des kleinen Klobrillenträgers wollte die Feuerwehr nur nett sein. Am nächsten Tag kam sie noch einmal zu Besuch, um nach den Kleinen zu sehen. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Jungen als Erinnerung ein Kinderfeuerwehrhelm mitgebracht, der eine wesentlich bessere Kopfbedeckung ist als der Kinder-WC-Sitz. Der Bub war von der Idee begeistert und probierte ihn auch sofort aus. Keine Sorge, der Helm konnte ohne Probleme von einem Chirurgen im AKH aus dem Hinterteil des Kleinen entfernt werden.

Und was hat der junge Mann jetzt schon als Zweijähriger gelernt? Man kann als Mann nichts anstellen, dass dumm genug wäre, um nicht nachher — sofern man überlebt — belohnt zu werden. Und da wundern sich alle, dass Männer nie lernen, wehleidig sind und zum Drama neigen.