Schlagwort-Archive: Vortrag vorbereiten

Der Beginn

Überleitungen – Hinweisschilder für das Publikum

Überleitungen und HinweiseEin erfolgreicher Vortrag besteht aus guten Argumenten, guten und unterhaltsamen Formulierungen, perfekten Überleitungen und einer glasklaren Struktur. Wenn das Publikum immer das Gefühl hat überall mitzukommen, jeden Punkt zu verstehen und auch richtig zu gewichten, dann wird ihnen deine Präsentation positiv in Erinnerung bleiben. Deshalb ist eine klare Struktur bei einem Vortrag so wichtig.

Wegweiser und Hinweisschilder für das Publikum

Während sich die Struktur oft aus dem Thema und den Inhalten ergibt, gibt es großartige Überleitungen und Formulierungen, um die Struktur einer Rede auch noch einmal herauszustreichen und zu unterstützen. Es ist oft sehr sinnvoll mit bestimmten Formulierungen Wegweiser für die ZuhörerInnen aufzustellen, die ihnen die Orientierung erleichtern. Das Schöne ist, dass man diese Formulierungen immer genau so nutzen kann, wenn man sie einmal richtig beherrscht. Richtig eingesetzt verpassen sie jeder Art von Vortrag eine Aura von “gut formuliert” und perfekt strukturiert.

Überleitung zum nächsten Punkt bzw. Thema

Sobald man von einem wichtigen Punkt in einem Vortrag zum nächsten wechselt sollte man das immer ankündigen:

Ich komme nun zum nächsten Punkt…

Als nächstes möchte ich über Erziehung sprechen…

Ein weiterer Aspekt ist….

Kompletter Themenwechsel

Um Verwirrung bei den ZuhörerInnen zu vermeiden, sollte man einen kompletten Themenwechsel klar ankündigen. Am besten mit:

Wenden wir uns nun einem völlig anderen Thema zu….

Auf der anderen Seite steht natürlich….

Wenn es um weitere Details geht

Nicht immer kann man einen Punkt mit ein paar Sätzen erläutern. Man muss ins Detail gehen. Auch das sollte man ankündigen:

Sehen wir uns die Sache im Detail an…

Bei diesem Thema muss man einige Details (Kleinigkeiten, Fakten, Zahlen…) beachten…

Hier müssen wir auch unter die Oberfläche schauen…

Folgende Faktoren müssen wir dazu beachten….

Vom Thema abschweifen

Es kann vorkommen, dass man (auch geplant) das enge Korsett eines vorgegebenen Themas oder einer Struktur verlassen muss oder möchte. Um z.B. für etwas Auflockerung zu sorgen, um auf etwas zu reagieren oder einfach ein Anekdote zu erzählen. Die Abzweigung muss für die ZuhörerInnen aber klar ausgeschildert sein:

Ich schweife hier jetzt mal kurz ab…

Ich möchte kurz ein völlig anderes Thema ansprechen…

Obwohl es nicht direkt mit Wien zusammenhängt, möchte ich jetzt hier kurz anmerken…

Der Callback oder die Referenz zu einem früheren Punkt

Wir können nicht davon ausgehen, dass alle immer gebannt zugehört haben und alle Punkte der Rede im Kopf abrufbar halten. Es wäre schön, bei Comedy sollte es so sein, aber bei Vorträgen und Präsentationen sollte man Callbacks und Referenzen klar kennzeichnen:

Ich möchte kurz auf mein vorheriges Argument zurückkommen…

Wie ich zu Beginn meines Vortrages schon gesagt habe…

Ich möchte auf das Statement meines Vorredners Bezug nehmen…

Wie ich in meiner Einleitung schon gesagt habe…

Thema, Argument und Punkt zusammenfassen

Wenn du ein besonders komplexes Argument, eine vielschichtige Sichtweise oder kompliziertes Thema angesprochen hast, dann solltest du es gleich danach noch einmal zusammenfassend abschließen. Das gilt auch, wenn du dich z.B. auf die Argumente einer Vorrednerin oder eines Vorredners beziehst:

In wenigen Worten könnte man also sagen…

Kurz gesagt…

Einfach formuliert…

Man könnte es auf diese zusammenfassende Formel bringen…

Wiederholung der Hauptargumente und -punkte des Vortrags

Am Ende deines Vortrags musst du die wichtigsten Argumente und Punkte deiner Präsentation zusammenfassen. Diese Zusammenfassung musst du unbedingt ankündigen, denn das signalisiert den ZuhörerInnen: »Selbst wenn du jetzt nicht immer konzentriert zugehört hast, du bekommt jetzt das Executive Summary meiner Rede geliefert. Also konzentriere dich!«:

Ich möchte also meine Argumente wie folgt zusammenfassen…

Ich rekapituliere also….

Ich möchte kurz noch einmal meine Bedenken klar formulieren…

Zusammenfassend sehe ich somit drei Hauptargumente für….

Hier ist jetzt Schluss

Ganz wichtig ist die klare Ankündigung des Redeendes. Wenn du das gut hinbekommst wird jede Präsentation auf einer positiven Note zu Ende gehen. Wenn die Leute genau wissen wann Schluss ist, dann wissen sie auch wann sie applaudieren sollen. Unter professionellen RednerInnen in den USA z.B. ist es verpönt am Ende einer Rede so Floskeln wie »Danke«, »Danke für ihre Aufmerksamkeit«, etc. zu sagen. Sie sagen zu Recht, dass eigentlich das Publikum dankbar für die Rede sein sollte. Allerdings klappt das nur, wenn das Publikum die Struktur der Rede verstanden und damit auch sicher einschätzen kann, wann die Rede zu Ende ist. Wenn das gut gemacht wird, dann wissen sie auch wann zu applaudieren ist, ohne durch ein »Danke« darauf hingewiesen zu werden.

Ich schließe mit folgendem Zitat…

Zum Abschluss möchte ich ihnen diesen Gedanken (Denkanstoss) mitgeben…

Mir bleibt eigentlich nur mehr eins zu sagen….

Ich verabschiede mich mit einem geflügelten Wort (Zitat, Aufruf…)

 

5 Punkte Checkliste: Kommt meine Botschaft beim Publikum an?

Botschaft an das Publikum

Eines wird nie passieren: dass alle im Publikum deine Botschaft im selben Moment verstehen, verarbeiten und bewerten. Trotzdem ist das Ziel jeder Rede, jedes Vortrags und jeder Präsentation, dass die ZuhörerInnen deine Hauptbotschaft mitnehmen. Deshalb ist es so ungeheuer wichtig, dass du während deines Auftritts immer wieder überprüfst, ob dir noch die nötige Aufmerksamkeit von Seiten des Publikums geschenkt wird. Einige ZuhörerInnen werden vielleicht nicht mit allen deinen Thesen einverstanden sein, einige werden vielleicht mit keinem einzigen deiner Punkte übereinstimmen. Manche werden Teile unterstützen und andere Gedanken ablehnen. Aber alle diese Entscheidungen kann ein Publikum nur fällen, wenn es deine Botschaft grundsätzlich verstanden hat. Ohne dass sie sie verstehen, macht ein weiterer Dialog keinen Sinn. Und nur wenn du das Publikum aufmerksam beobachtest und seine Signale richtig interpretierst, kannst du abschätzen wie sehr du durchdringst.

Setze deinen Hausverstand ein

Die nachfolgenden Tipps sind so genannte No na-Punkte. Dinge, die logisch, offensichtlich und leicht nachvollziehbar sind. Und dennoch, in der Aufregung vergisst und übersieht man oft die einfachsten und offensichtlichsten Sachen. Es ist deshalb immer gut auch völlig logische und einfache Grundregeln immer wieder durchzudenken, sich selbst daran zu erinnern und sie präsent zu halten.

Hier ist eine Checkliste mit Anzeichen und Werkzeugen um das Publikum bei der Stange zu halten

1. Sieh ihnen in die Augen

  • Wenn sie mit dir Augenkontakt halten, dann hören sie aufmerksam zu. Sie verarbeiten deine Aussagen und Ideen. Viel Augenkontakt ist natürlich ein sehr positives Signal. Scanne den Raum und beobachte ob in allen Bereichen des Zuschauerraums Augenkontakt vorhanden ist. Wenn nicht, könnte das ein Hinweis sein, dass du in bestimmten Bereichen akustisch nicht ausreichend zu verstehen bist.

2. Es steht ihnen ins Gesicht geschrieben

  • Verwirrung, Langeweile, Desinteresse, Interesse, Neugier und Freude sind Menschen leicht anzusehen. Das machst du täglich, egal ob im Büro oder im Privatleben. Nutze deinen Hausverstand und interpretiere die Gesichter.

  • Kopfnicken signalisiert Zustimmung, Kopfschütteln signalisiert Ablehnung. Beides sind gute Signale. Offensichtlich wirst du verstanden und deine Botschaft verarbeitet. Du hast zumindest die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen.

  • Gähnen, Schnarchen, Speichelfluss aus den Mundecken sind natürlich keine guten Signale. Sie können auch von Schlafmangel, Übermüdung und einer langen Nacht zeugen. Allerdings nur, wenn es sich um ein oder zwei Einzelfälle im Publikum handelt. Wenn zwei Drittel des Publikums gemütlich vor sich hin schnarchen, dann bist du verloren.

3. Beobachte die Körpersprache des Publikums

  • So wie bei dir als RednerIn selbst, verrät uns die Körpersprache auch viel über unser Publikum. Leicht vorgebeugt sitzend, signalisiert Interesse und Aufmerksamkeit.

  • Im Sessel lümmelnd ist ziemlich sicher kein gutes Signal. Die Position ist eher ein Indikator für Langeweile und Desinteresse.

  • Verschränkte Arme sind kein schlechtes Signal. Sie signalisieren Ablehnung, Verteidigung und Nicht-Übereinstimmung, sie bestätigen aber Aufmerksamkeit und Verarbeitung deiner Argumente und Ideen.

4. Fragen ob sie verstanden haben

  • Es ist völlig in Ordnung nachzufragen. Fragen wie: »War das verständlich?« oder »Können mir alle folgen?« sind wichtige Werkzeuge. Sie sind ein weiterer Weg um zu prüfen, ob das Publikum deine Botschaften versteht.

  • Nach der Frage eine kurze Pause machen, um tatsächlich Fragen zu bekommen, wenn es welche gibt. Die Frage muss ernst gemeint sein und darf keine rhetorische Floskel sein.

5. Niemanden herausheben

  • Wenn du einer Person im Publikum offensichtlich anmerkst, dass sie den Faden oder das Interesse an deinen Ausführungen verloren hat, dann führe sie nicht vor. Stell die einzelne Person nicht ins Schaufenster. Sprich auf keinen Fall nur diese eine Person an. Es könnte ihr unangenehm und peinlich sein. Sei dir bewusst, dass wenn es diese eine Person nicht verstanden hat, dann gibt es sicher auch noch andere im Publikum, denen es genauso geht.

  • Erkenne das Signal und versuche die ZuhörerInnen wieder ins Boot zu holen. Manchmal müssen Dinge einfach wiederholt werden, manchmal erklärt man etwas noch einmal in anderen Worten. Menschen hören und verstehen jeweils auf ihre eigene individuelle Art. Obwohl du es natürlich nie wirklich allen und jeden in jedem Moment recht machen kannst, versuche möglichst viele am gemeinsamen Weg zu halten.

 

Test-Dummy

Erfolgreich reden: Albtraum Mikrofon

MikrofonDa steht er nun vorn am Podium und in der Hand hat er ein Mikrofon von dem er nicht sicher ist ob es eingeschaltet ist. Er sieht kein Licht an dem Ding und wenn er drauf rumklopft dann hört er es nicht. Er beginnt seine Rede mit den Worten: »…..das nicht. Test, Test, ah jetzt hör ich was. Uuuuuuuiiii, das pfeift. Hallo…« Dabei hatte er gerade für diesen Auftritt so einen genialen und überraschenden Redeanfang vorbereitet. Tja, Pech gehabt. Jeder von uns hat das schon gesehen und erlebt. Immer wieder passiert es. Kümmere dich als drum, dass es dir nicht passiert.

Die wenigsten von uns sind es gewohnt regelmäßig mit Mikrofonen zu sprechen. Plötzlich sollen wir vor vielen Menschen mit dieser Herausforderung umgehen können. Es wird von den ZuhörerInnen erwartet. Gerade wenn man den Umgang mit Mikrofonen nicht gewohnt ist, sollte man im Vorfeld einer Rede oder eines Vortrages versuchen, vermeidbare Pannen auch wirklich zu vermeiden. Wie soll das gehen? Keine Sorge, ist nicht so schwer.

Ganz wichtig: Der Soundcheck

Jede Minute, die man in einen guten Soundcheck investiert ist Gold wert. Auch die verantwortlichen Techniker sind froh, wenn sie in Ruhe Zeit haben die vorhandene Technik mit dem Vortragenden zu testen und einzurichten. Beim Soundcheck bekommt man wichtige Informationen.

  • Was für ein Mikrofon bekomme ich? Handmikrofon, am Rednerpult fixierte Mikrofone, Antsteck-Mikrofon, Headset, gibt es ein Stativ, etc.?
  • Muss ich das Mikrofon vor dem Auftritt selbst einschalten? Wenn ja wie, wo und wann? Wenn nein, wann öffnet der Tontechniker den Kanal, also ab wann bin ich zu hören?
  • Missverständnisse bei diesem Punkt führen immer zu Pannen. Der Redner steht mit dem Mikro vorne. Er spricht hinein, es ist nichts zu hören. Es ist aber deshalb nichts zu hören, weil der Tontechniker den Kanal nicht geöffnet bzw. hochgezogen hat. Der Redner hört nichts. Er ist verunsichert. Er glaubt das Mikro ist ausgeschaltet und schaltet es “ein”. In Wahrheit schaltet er es aber aus und während der Techniker den Kanal aufgemacht hat, wurde vorne das Mikro ausgeschaltet. Es geht wieder nichts. Verunsicherung überall. Soll der Techniker nach vorne kommen und das Mikro wieder einschalten? Da muss er den Kanal wieder zumachen. Wie wird das dem Redner kommuniziert?…
  • Achtung beim Headset!
    Meist wird das schon einige Zeit vor deinem Auftritt angelegt. Wenn du sicher gehen willst, dass dir niemand beim Toilettenbesuch zuhört, dann selber abschalten. Den Techniker fragen wie das geht oder ihn bitten es zu tun.
  • Ansteckmikro
    Aufpassen, dass man es während des Vortrags nicht berührt. Jede Berührung wird zum unangenehmen Knacken und Rauschen. Auch wenn es das Sakko, die Brillenkette oder auch nur die Perlenkette ist.

Welches Mikro und was soll ich damit?

Meistens hat man keine Wahl. Der Veranstalter bestimmt das Mikrofon, außer man hat alles selber immer dabei. Ich selbst habe z. b. immer mein Handmikrofon, mein Headset, meine Funkstrecke und passende Kabel mit. Aber das zahlt sich natürlich nicht für jeden aus.

  • Handmikro Der Vorteil des Handmikros ist, dass es meist am einfachsten einzurichten ist und die Stimme am besten klingt. Je nach Qualität muss man mit dem Mund nahe ran (schlechte Qualität) oder kann ein wenig weg bleiben, um mehr Abwechslung in die Intonation zu bringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Handmikros leicht zu finden sind, um mit ihnen zu üben. Wichtig: Immer wenn gesprochen wird bitte direkt in das Mikro (also wenn die Power-Präsentation hinter einem ist, dann mit Mikro umdrehen). Vorteil Handmikrofon: man kann sich bewegen wie man will und meist auch ins Publikum gehen ohne die ganze Anlage grandios zum Pfeifen zu bringen oder zum Übersteuern.
  • Ansteckmikro Bekommt man meist, wenn der Auftritt mit Video, TV oder Podiumsdiskussionen zusammen hängt. Achtung: Beachte auf welcher Seite des Sakkos, der Jacke bzw. des Hemds das Ding angesteckt wird. Es sollte die sein, in dessen Richtung man beim Reden meist den Kopf dreht. Übrigens, Ansteckmikros sind schwer an T-Shirts und Sweater zu befestigen. Außerdem braucht man noch eine Möglichkeit den Sender irgendwo festzumachen (Gürtel, Bund, etc.) oder einzustecken. Vorsicht mit den Händen und Gesten. Nicht über das Mikro bewegen. Das Gleiche gilt für modische Accessoires wie Ketten, Krawatten, Schals und Halstücher. Nachteil Ansteckmikro: klingt schlechter als Handmikro, übersteuert leichter wenn man sich z.B. ins Publikum bewegt. Vorteil: Die Hände sind frei. Es dreht sich automatisch mit dem Körper mit.
  • Headset Ähnlich wie beim Ansteckmikro nur dass der Bügel das Mikro an der richtigen Stelle fixiert. Unbedingt testen ob der Bügel passt und ob das Kabel zum Sender genug Spielraum gibt wenn man den Kopf bewegt. Auch hier muss man darauf achten dass Mikro nicht vielleicht mit einer Hand zu verdecken. Es gibt zwei verschiedene Headset-Versionen. Die technischen Details erspare ich euch, nur so viel: Niere oder Kugel? Unterschied: Die Kugel ist empfindlicher und nimmt mehr der Umgebung auf, während die Niere unempfindlicher gegen Rückkoppelungen ist. Sie erlaubt es oft dann doch ins Publikum zu gehen ohne Rückkoppelungen auszulösen.
  • Fixierte Mikrofone Manchmal sind Mikrofone am Tisch oder Rednerpult fixiert. Ganz wichtig ist sie vorab zu testen. Wie nah muss ich sie an den Mund bringen? Nachteil: Sobald ich den Kopf zu weit drehe, ist die Wirkung weg. Vor allem wenn nur ein Mikro am Pult befestigt ist. Auf die Höheneinstellung achten. Wenn das Mikro zu hoch oder zu tief ist nimm dir auch noch direkt vor dem Start die Zeit es auf deine Größe einzustellen. Zu oft haben kleinere RednerInnen aus der Sicht der ZuhörerInnen dann statt Augen plötzlich zwei Mikros, bzw. deren Popschutz, im Kopf. Am besten noch mit bunten Popschutz. Besonders übel, wenn das dann auch auf allen Fotos so ist. Also, Zeit nehmen und selbstbewusst alles so einstellen wie man es möchte. Erst dann beginnen.

Man glaubt es kaum, aber selbst so ein scheinbar kleines Thema wie “Mikrofon” kann viel zu Erfolg oder Misserfolg eines Auftritts bzw. eines Vortrages beitragen. Ja, im ersten Moment klingt das nach vielen Dingen, die du beachten sollst. Aber, wenn man sich die nötige Zeit nimmt, nachfragt und sich gut vorbereitet ist das alles schnell und einfach zu lösen. Sollte dann beim Auftritt doch einmal was schiefgehen nur die Ruhe bewahren. Auch vom Pult aus nach Unterstützung durch die Technik fragen. Zeigen, dass man das Problem bemerkt hat, dass es einen nicht aus der Ruhe bringt, dass man ein Mensch ist und entspannt darauf reagieren. Dann wird auch das Publikum entspannt und beeindruckt bleiben. Trotz technischer Probleme.

Rhetorik Im Freien

Reden halten: Anfang und Ende – die Klammern des Erfolgs

Anfang und Ende der Rede

Erfahrene RednerInnen wissen: die ersten und die letzten Worte, die du bei deiner Präsentation sprichst, sind was den ZuhörerInnen in Erinnerung bleiben wird. Das liegt einfach in der menschlichen Natur und ist deshalb für jeden, der öffentlich auftreten und reden muss von großer Bedeutung. Das ist der Grund warum der Beginn und Schluss jeder Rede derartig entscheidend und wichtig für deinen Erfolg sind.

Schluss schlägt Anfang

Unter den beiden rhetorischen Schwergewichten ist der Schluss auch noch bedeutender als der Beginn der Rede. Das liegt ganz einfach daran, dass das Ende deiner Rede jener Teil ist, den die ZuhörerInnen nachher noch am frischesten im Kopf haben. Ist ja auch klar, sie haben es ja eben gerade erst gehört. Jede Reaktion auf deine Rede ihrerseits ist von diesem Eindruck beeinflusst – in ihrer eigenen Bewertung, in einem ersten Dialog mit anderen ZuhörerInnen am Buffet, in Erzählungen an Kolleginnen und FreundInnen. Die Worte und die Art der Präsentation des Schlusses müssen daher beeindruckend, klar und selbstbewusst sein.

Ersten und letzte Worte machen den Unterschied

Der Anfang

Der Anfang der Rede hat natürlich deshalb so eine Bedeutung, weil er den ersten Eindruck bestimmt, den das Publikum von dir als RednerIn hat. Aufgrund dieser ersten Worte legen die ZuhörerInnen fest wie viel Aufmerksamkeit sie dir schenken werden, wie sympathisch sie dich finden und ob sie nicht gleich lieber mental abschalten sollen. Deshalb muss die Information am Anfang einer Präsentation so besonders klar, unterhaltsam und vielversprechend sein, um das Publikum dazu zu bringen in dich als RednerIn Zeit und Energie zu investieren. Die ersten Worte und Argumente sollten allen im Saal klar zeigen, dass es eine gute Entscheidung war zu kommen.

Überprüfe, ob deine ersten Argumente und Fakten klar, wahr und für die Botschaft der Rede relevant sind. Überprüfe Fakten, Zitate, Zahlen und Statistiken, ob sie korrekt und vor allem am letzten Stand sind. Wenn du schon in den erste Minuten Informationen präsentierst, die veraltet oder gar falsch sind, wird dieser schlechte Eindruck deine ganze Rede überschatten. Wie immer im Leben: man bekommt nur eine Chance einen ersten Eindruck zu machen.

Der Schluss

»Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!«, was für ein kraftloser und schwacher Schluss?! Wie viele Reden – auch ausgezeichnete Reden – haben wir schon mit diesem schwachen und enttäuschenden Schluss erlebt? Dieser Satz ist inzwischen zu einem Art technischen Signal verkommen, um dem Publikum zu sagen: »Jetzt ist es soweit. Jetzt applaudieren!« Da könnte man gleich eine kleine Schlusssirene wie im Sport betätigen. In den USA lernen Schülerinnen schon in der High School, dass man so keine Rede beendet. Wenn sich jemand bedanken sollte, dann wohl das Publikum. Und das sollte man ihm nicht extra sagen müssen, dass sollte den ZuhörerInnen aufgrund der ausgezeichneten Rede klar sein.

Formuliere einen klaren Schluss, in dem die wichtigsten Punkte und Argumente deiner Rede zusammengefasst sind. Und dann eine letzten Satz der als ein klares Schlusswort zu erkennen und verstehen ist. Zum Beispiel ein Zitat, eine Frage oder ein Aufruf. Nach dem letzten Wort mach eine klare Pause, blicke ins Publikum, lächle und genieße den Applaus. Danach kannst du noch Danke sagen, wenn du es für nötig hältst. Wenn du dir unsicher bist, dann übe den Schluss. Präsentiere ihn KollegInnen, FreundInnen oder Familienmitgliedern, aber beherrsche die Intonation, Artikulation und die Worte, die für den Erfolg deiner Rede so wichtig sind.

Investiere in Anfang und Ende

Wenn du also Erfolg als RednerIn haben willst, dann konzentriere dich in der Vorbereitung zu Auftritten besonders auf den Anfang (Einleitung) und den Schluss deiner Rede. Schreibe, überarbeite, schreibe, überarbeite, übe, übe und übe. Investiere für Anfang und Schluss mehr Vorbereitungszeit und Aufmerksamkeit als für alle anderen Teile deiner Rede. Und dann freu dich auf einen erfolgreichen Auftritt.

 

Stolpersteine der Rhetorik

Wichtig: Wer sitzt im Publikum!

Publikum kennen.Bevor man vor Publikum loslegt sollte man klären wer eigentlich das Publikum ist? Jetzt denkst du sicher: »No na, das ist wirklich nicht neu!« Mag sein, aber viel zu oft erlebe ich bei Veranstaltungen, Vorträgen und auch Comedy-Shows, dass sich die, die auf der Bühne sind nicht damit beschäftigt haben wer eigentlich zuhört. Natürlich sollte das selbstverständlich sein, aber Unwissen über das Publikum führt viel zu oft zu einem vermeidbaren Fiasko. Wir alle wissen, dass ein zufriedenes Publikum der Schlüssel zum Erfolg ist.

Wichtige Publikum-Infos für RednerInnen

Bevor ich mich meinen Comedy-KollegInnen zuwende möchte ich das Thema zuerst aus der Sicht eines Redners, bzw. Vorragenden, beleuchten. Wenn du eingeladen wurdest zu sprechen, eine Präsentation zu machen oder einen Workshop zu leiten, dann informiere dich vorab über die Zusammensetzung deiner Zuhörerschaft. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • sozialer Hintergrund des Publikums
  • Fachwissen des Publikums
  • Durchschnittsalter des Publikums
  • Erwartungen der BesucherInnen an die Veranstaltung
  • Rednerumfeld (wer sind die anderen Vortragenden?)
  • Zahlendes Publikum oder eingeladenes Publikum
  • Freundlich gesinnt oder feindlich
  • Location (bequem, spartanisch, enttäuschend) aus der Sicht der BesucherInnen
  • gute oder schlechte Organisation des Gesamtevents
  • Licht- und Tonverhältnisse vor Ort

Viele dieser Informationen kann man schon lange vor dem eigentlichen Event recherchieren und erfragen. Veranstalter haben in vielen Fällen schon Erfahrungen, die sie seit Jahren bei ihrem Event gesammelt haben. Sie können gut einschätzen, ob das Publikum aus ausgewiesenen Fachleuten besteht, die tief in der vorgetragenen Materie stecken und schnell gelangweilt sind. Oder, ob die meisten ZuhörerInnen zum ersten mal mit einem bestimmten Thema konfrontiert und daher von zu viel vorausgesetztem Wissen und einem zu fachspezifischen Vortrag schnell gelangweilt sind. Wenn es die Möglichkeit gibt sollte ein RednerIn auch immer die Location vorab besuchen und sich vor Ort ein Bild von Sichtverhältnissen, Beleuchtung und Tontechnik machen. Ein kleiner Tipp von mir. Versucht unbedingt die Beleuchtung bei einem Vorabbesuch so einstellen zu lassen, wie sie dann tatsächlich auch beim Vortrag sein wird. Für viele nicht so erfahrene RednerInnen ist es überraschend oder sogar irritierend, wenn sie plötzlich nur mehr Scheinwerfer in den Augen haben und vom Publikum nichts mehr sehen. Also, vorher checken.

Natürlich ist eine Einschätzung der “weicheren” Faktoren, wie z.b. sozialer Hintergrund, politische Ausrichtung und Altersstruktur des Publikums nicht einfach. Aber mit gesundem Hausverstand kann man auch dabei gut schätzen und seine Rede, bzw. den Vortrag, den Erwartungen anpassen. Dabei geht es nicht darum den Menschen nach dem Mund zu reden, nein, es geht darum zu wissen mit welcher Sprache und mit welchen Themen man die Menschen erreicht und fesselt. Ein Beispiel: Du arbeitest für einen Energieversorger und wirst eingeladen den Bau einer neuen Mega-Stromleitung in einer Bürgerversammlung einer kleinen Gemeinde zu präsentieren. Natürlich gibt es dort eine Bürgerinitiative gegen die Leitung. Klar, dass ein großer Teil des zu erwartenden Publikums wahrscheinlich nicht auf deiner Seite sein wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht nach deinem Vortrag, völlig egal wie fachlich korrekt und richtig deine Argumente sind und waren. Aber, mit der richtigen Vorbereitung kannst du dir zumindest Respekt verschaffen. Wenn du dir vorab Informationen darüber geholt hast, was die Gemeinde seit Jahren bewegt, wie die wirtschaftliche und politische Situation vor Ort ist, welche Menschen du im Publikum persönlich ansprechen solltest, wer ein Verbündeter sein kann, wenn du dazu bringen kannst dich vor Ort öffentlich zu unterstützen, und vieles mehr. Du wirst sicher nicht zum Held des Abends, aber die Menschen werden zumindest das Gefühl haben, dass sie ernst genommen werden und dir und deinem Unternehmen dafür Anerkennung zollen.

Was Comedians über ihr Publikum wissen sollen und können

Für Comedians muss man Veranstaltungen in zwei Kategorien einordnen. Auf der einen Seite bestreiten wir entweder Solo-Shows in Theatern und Bühnen, bzw. sind Teil von Mixed-Shows, auf der anderen Seite werden wir regelmäßig für Firmen-Veranstaltungen und Galas gebucht. In beiden Fällen gibt es Möglichkeiten, bzw. zwingende Gründe, Informationen über das zu erwartende Publikum einzuholen.

Nicht ganz so einfach ist es, wenn wir als Künstler in einem Theater- bzw. Bühnenumfeld auftreten. Es liegt in der Natur der Sache, dass jeder dafür Tickets kaufen kann und es daher schwierig einzuschätzen ist, wer wirklich im Publikum sitzen wird. Dennoch gibt es Faktoren, die eine gute Einschätzung ermöglichen.

  • Logischerweise macht es einen Unterschied ob ich an der Nordsee in einem kleinen Ort oder in Berlin auftrete
  • Welche KünstlerInnen treten in der Location sonst regelmäßig auf
  • Was sagt der Veranstalter zu Altersdurchschnitt, sozialem Hintergrund und Erwartungen des Publikums
  • Vor dem Auftritt sich ein wenig unter die eintreffenden ZuschauerInnen mischen
  • Kurz vor dem Auftritt einen Blick auf die Menschen in den Zuschauerreihen werfen
  • KollegInnen nach Erfahrungen fragen, die vor Ort oder in der Show schon einmal aufgetreten sind

Alle diese Informationen sind einfach zu bekommen und können viel zu einem erfolgreichen Auftritt beitragen. Das Wissen rund um die zu erwartenden ZuschauerInnen zeichnet einen Profi aus.

Das Gala-Publikum muss man kennen

Wer auf Firmen-Veranstaltungen und Galas spielt der muss sich im Vorfeld Informationen über sein Publikum, den Veranstalter und die Rahmenbedingungen besorgen. Galas sind das finanzielle Brot, das es vielen überhaupt erst möglich macht als KünstlerInnen zu überleben. Umso wichtiger ist es Kunden ein perfektes Service zu bieten. Vor allem auch, weil gerade die Firmenkunden bei Organisation und technischer Ausstattung oft überfordert sind – es fehlt ihnen ja meist die Erfahrung – und trotzen erwarten, dass ein Künstler eine professionelle Show abliefert. Unabhängig davon wie chaotisch alles vor Ort ist und war. Deshalb unbedingt vorher so viel wie möglich abklären.

  • Wer wird erwartet? (Management, Stahlarbeiter,…)
  • Wer sind die Chefs? (Von der Bühne ansprechen? Namen lernen und merken!)
  • Wie war das Jahr für die Firma? (Läuft alles gut? Sind die Chefs beliebt? Wurden alle gezwungen zu kommen?)
  • Wer spricht vor dem Auftritt über was? (Verkündet der Chef, dass 50% der Leute gefeuert werden?…)
  • Wer macht die Ansage bzw. Einführung für den Künstler? Was wird er sagen?
  • Bühne, Licht, Ton?
  • Fachwörter der Branche? Ein paar Details zum Unternehmen. Was macht die Firma eigentlich?
  • Welche KünstlerInnen haben schon einmal gespielt?

Die Recherche für alle diese Informationen ist natürlich bei einer Firmengala einfacher. Einfach denjenigen um Hilfe bitten, der dich bucht. Das Interesse dieses Menschen muss es sein, dass dein Auftritt ein Erfolg wird und diese Person wird daher auch bereit sein dir beim Sammeln der notwendigen Informationen behilflich zu sein. Bitte um Unterstützung und nutze sie. Deine Professionalität wird sich herumsprechen und zu weiteren Buchungen führen. Garantiert.