Publikum kennen.Bevor man vor Publikum loslegt sollte man klären wer eigentlich das Publikum ist? Jetzt denkst du sicher: »No na, das ist wirklich nicht neu!« Mag sein, aber viel zu oft erlebe ich bei Veranstaltungen, Vorträgen und auch Comedy-Shows, dass sich die, die auf der Bühne sind nicht damit beschäftigt haben wer eigentlich zuhört. Natürlich sollte das selbstverständlich sein, aber Unwissen über das Publikum führt viel zu oft zu einem vermeidbaren Fiasko. Wir alle wissen, dass ein zufriedenes Publikum der Schlüssel zum Erfolg ist.

Wichtige Publikum-Infos für RednerInnen

Bevor ich mich meinen Comedy-KollegInnen zuwende möchte ich das Thema zuerst aus der Sicht eines Redners, bzw. Vorragenden, beleuchten. Wenn du eingeladen wurdest zu sprechen, eine Präsentation zu machen oder einen Workshop zu leiten, dann informiere dich vorab über die Zusammensetzung deiner Zuhörerschaft. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • sozialer Hintergrund des Publikums
  • Fachwissen des Publikums
  • Durchschnittsalter des Publikums
  • Erwartungen der BesucherInnen an die Veranstaltung
  • Rednerumfeld (wer sind die anderen Vortragenden?)
  • Zahlendes Publikum oder eingeladenes Publikum
  • Freundlich gesinnt oder feindlich
  • Location (bequem, spartanisch, enttäuschend) aus der Sicht der BesucherInnen
  • gute oder schlechte Organisation des Gesamtevents
  • Licht- und Tonverhältnisse vor Ort

Viele dieser Informationen kann man schon lange vor dem eigentlichen Event recherchieren und erfragen. Veranstalter haben in vielen Fällen schon Erfahrungen, die sie seit Jahren bei ihrem Event gesammelt haben. Sie können gut einschätzen, ob das Publikum aus ausgewiesenen Fachleuten besteht, die tief in der vorgetragenen Materie stecken und schnell gelangweilt sind. Oder, ob die meisten ZuhörerInnen zum ersten mal mit einem bestimmten Thema konfrontiert und daher von zu viel vorausgesetztem Wissen und einem zu fachspezifischen Vortrag schnell gelangweilt sind. Wenn es die Möglichkeit gibt sollte ein RednerIn auch immer die Location vorab besuchen und sich vor Ort ein Bild von Sichtverhältnissen, Beleuchtung und Tontechnik machen. Ein kleiner Tipp von mir. Versucht unbedingt die Beleuchtung bei einem Vorabbesuch so einstellen zu lassen, wie sie dann tatsächlich auch beim Vortrag sein wird. Für viele nicht so erfahrene RednerInnen ist es überraschend oder sogar irritierend, wenn sie plötzlich nur mehr Scheinwerfer in den Augen haben und vom Publikum nichts mehr sehen. Also, vorher checken.

Natürlich ist eine Einschätzung der “weicheren” Faktoren, wie z.b. sozialer Hintergrund, politische Ausrichtung und Altersstruktur des Publikums nicht einfach. Aber mit gesundem Hausverstand kann man auch dabei gut schätzen und seine Rede, bzw. den Vortrag, den Erwartungen anpassen. Dabei geht es nicht darum den Menschen nach dem Mund zu reden, nein, es geht darum zu wissen mit welcher Sprache und mit welchen Themen man die Menschen erreicht und fesselt. Ein Beispiel: Du arbeitest für einen Energieversorger und wirst eingeladen den Bau einer neuen Mega-Stromleitung in einer Bürgerversammlung einer kleinen Gemeinde zu präsentieren. Natürlich gibt es dort eine Bürgerinitiative gegen die Leitung. Klar, dass ein großer Teil des zu erwartenden Publikums wahrscheinlich nicht auf deiner Seite sein wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht nach deinem Vortrag, völlig egal wie fachlich korrekt und richtig deine Argumente sind und waren. Aber, mit der richtigen Vorbereitung kannst du dir zumindest Respekt verschaffen. Wenn du dir vorab Informationen darüber geholt hast, was die Gemeinde seit Jahren bewegt, wie die wirtschaftliche und politische Situation vor Ort ist, welche Menschen du im Publikum persönlich ansprechen solltest, wer ein Verbündeter sein kann, wenn du dazu bringen kannst dich vor Ort öffentlich zu unterstützen, und vieles mehr. Du wirst sicher nicht zum Held des Abends, aber die Menschen werden zumindest das Gefühl haben, dass sie ernst genommen werden und dir und deinem Unternehmen dafür Anerkennung zollen.

Was Comedians über ihr Publikum wissen sollen und können

Für Comedians muss man Veranstaltungen in zwei Kategorien einordnen. Auf der einen Seite bestreiten wir entweder Solo-Shows in Theatern und Bühnen, bzw. sind Teil von Mixed-Shows, auf der anderen Seite werden wir regelmäßig für Firmen-Veranstaltungen und Galas gebucht. In beiden Fällen gibt es Möglichkeiten, bzw. zwingende Gründe, Informationen über das zu erwartende Publikum einzuholen.

Nicht ganz so einfach ist es, wenn wir als Künstler in einem Theater- bzw. Bühnenumfeld auftreten. Es liegt in der Natur der Sache, dass jeder dafür Tickets kaufen kann und es daher schwierig einzuschätzen ist, wer wirklich im Publikum sitzen wird. Dennoch gibt es Faktoren, die eine gute Einschätzung ermöglichen.

  • Logischerweise macht es einen Unterschied ob ich an der Nordsee in einem kleinen Ort oder in Berlin auftrete
  • Welche KünstlerInnen treten in der Location sonst regelmäßig auf
  • Was sagt der Veranstalter zu Altersdurchschnitt, sozialem Hintergrund und Erwartungen des Publikums
  • Vor dem Auftritt sich ein wenig unter die eintreffenden ZuschauerInnen mischen
  • Kurz vor dem Auftritt einen Blick auf die Menschen in den Zuschauerreihen werfen
  • KollegInnen nach Erfahrungen fragen, die vor Ort oder in der Show schon einmal aufgetreten sind

Alle diese Informationen sind einfach zu bekommen und können viel zu einem erfolgreichen Auftritt beitragen. Das Wissen rund um die zu erwartenden ZuschauerInnen zeichnet einen Profi aus.

Das Gala-Publikum muss man kennen

Wer auf Firmen-Veranstaltungen und Galas spielt der muss sich im Vorfeld Informationen über sein Publikum, den Veranstalter und die Rahmenbedingungen besorgen. Galas sind das finanzielle Brot, das es vielen überhaupt erst möglich macht als KünstlerInnen zu überleben. Umso wichtiger ist es Kunden ein perfektes Service zu bieten. Vor allem auch, weil gerade die Firmenkunden bei Organisation und technischer Ausstattung oft überfordert sind – es fehlt ihnen ja meist die Erfahrung – und trotzen erwarten, dass ein Künstler eine professionelle Show abliefert. Unabhängig davon wie chaotisch alles vor Ort ist und war. Deshalb unbedingt vorher so viel wie möglich abklären.

  • Wer wird erwartet? (Management, Stahlarbeiter,…)
  • Wer sind die Chefs? (Von der Bühne ansprechen? Namen lernen und merken!)
  • Wie war das Jahr für die Firma? (Läuft alles gut? Sind die Chefs beliebt? Wurden alle gezwungen zu kommen?)
  • Wer spricht vor dem Auftritt über was? (Verkündet der Chef, dass 50% der Leute gefeuert werden?…)
  • Wer macht die Ansage bzw. Einführung für den Künstler? Was wird er sagen?
  • Bühne, Licht, Ton?
  • Fachwörter der Branche? Ein paar Details zum Unternehmen. Was macht die Firma eigentlich?
  • Welche KünstlerInnen haben schon einmal gespielt?

Die Recherche für alle diese Informationen ist natürlich bei einer Firmengala einfacher. Einfach denjenigen um Hilfe bitten, der dich bucht. Das Interesse dieses Menschen muss es sein, dass dein Auftritt ein Erfolg wird und diese Person wird daher auch bereit sein dir beim Sammeln der notwendigen Informationen behilflich zu sein. Bitte um Unterstützung und nutze sie. Deine Professionalität wird sich herumsprechen und zu weiteren Buchungen führen. Garantiert.