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5 Punkte Checkliste: Kommt meine Botschaft beim Publikum an?

Botschaft an das Publikum

Eines wird nie passieren: dass alle im Publikum deine Botschaft im selben Moment verstehen, verarbeiten und bewerten. Trotzdem ist das Ziel jeder Rede, jedes Vortrags und jeder Präsentation, dass die ZuhörerInnen deine Hauptbotschaft mitnehmen. Deshalb ist es so ungeheuer wichtig, dass du während deines Auftritts immer wieder überprüfst, ob dir noch die nötige Aufmerksamkeit von Seiten des Publikums geschenkt wird. Einige ZuhörerInnen werden vielleicht nicht mit allen deinen Thesen einverstanden sein, einige werden vielleicht mit keinem einzigen deiner Punkte übereinstimmen. Manche werden Teile unterstützen und andere Gedanken ablehnen. Aber alle diese Entscheidungen kann ein Publikum nur fällen, wenn es deine Botschaft grundsätzlich verstanden hat. Ohne dass sie sie verstehen, macht ein weiterer Dialog keinen Sinn. Und nur wenn du das Publikum aufmerksam beobachtest und seine Signale richtig interpretierst, kannst du abschätzen wie sehr du durchdringst.

Setze deinen Hausverstand ein

Die nachfolgenden Tipps sind so genannte No na-Punkte. Dinge, die logisch, offensichtlich und leicht nachvollziehbar sind. Und dennoch, in der Aufregung vergisst und übersieht man oft die einfachsten und offensichtlichsten Sachen. Es ist deshalb immer gut auch völlig logische und einfache Grundregeln immer wieder durchzudenken, sich selbst daran zu erinnern und sie präsent zu halten.

Hier ist eine Checkliste mit Anzeichen und Werkzeugen um das Publikum bei der Stange zu halten

1. Sieh ihnen in die Augen

  • Wenn sie mit dir Augenkontakt halten, dann hören sie aufmerksam zu. Sie verarbeiten deine Aussagen und Ideen. Viel Augenkontakt ist natürlich ein sehr positives Signal. Scanne den Raum und beobachte ob in allen Bereichen des Zuschauerraums Augenkontakt vorhanden ist. Wenn nicht, könnte das ein Hinweis sein, dass du in bestimmten Bereichen akustisch nicht ausreichend zu verstehen bist.

2. Es steht ihnen ins Gesicht geschrieben

  • Verwirrung, Langeweile, Desinteresse, Interesse, Neugier und Freude sind Menschen leicht anzusehen. Das machst du täglich, egal ob im Büro oder im Privatleben. Nutze deinen Hausverstand und interpretiere die Gesichter.

  • Kopfnicken signalisiert Zustimmung, Kopfschütteln signalisiert Ablehnung. Beides sind gute Signale. Offensichtlich wirst du verstanden und deine Botschaft verarbeitet. Du hast zumindest die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen.

  • Gähnen, Schnarchen, Speichelfluss aus den Mundecken sind natürlich keine guten Signale. Sie können auch von Schlafmangel, Übermüdung und einer langen Nacht zeugen. Allerdings nur, wenn es sich um ein oder zwei Einzelfälle im Publikum handelt. Wenn zwei Drittel des Publikums gemütlich vor sich hin schnarchen, dann bist du verloren.

3. Beobachte die Körpersprache des Publikums

  • So wie bei dir als RednerIn selbst, verrät uns die Körpersprache auch viel über unser Publikum. Leicht vorgebeugt sitzend, signalisiert Interesse und Aufmerksamkeit.

  • Im Sessel lümmelnd ist ziemlich sicher kein gutes Signal. Die Position ist eher ein Indikator für Langeweile und Desinteresse.

  • Verschränkte Arme sind kein schlechtes Signal. Sie signalisieren Ablehnung, Verteidigung und Nicht-Übereinstimmung, sie bestätigen aber Aufmerksamkeit und Verarbeitung deiner Argumente und Ideen.

4. Fragen ob sie verstanden haben

  • Es ist völlig in Ordnung nachzufragen. Fragen wie: »War das verständlich?« oder »Können mir alle folgen?« sind wichtige Werkzeuge. Sie sind ein weiterer Weg um zu prüfen, ob das Publikum deine Botschaften versteht.

  • Nach der Frage eine kurze Pause machen, um tatsächlich Fragen zu bekommen, wenn es welche gibt. Die Frage muss ernst gemeint sein und darf keine rhetorische Floskel sein.

5. Niemanden herausheben

  • Wenn du einer Person im Publikum offensichtlich anmerkst, dass sie den Faden oder das Interesse an deinen Ausführungen verloren hat, dann führe sie nicht vor. Stell die einzelne Person nicht ins Schaufenster. Sprich auf keinen Fall nur diese eine Person an. Es könnte ihr unangenehm und peinlich sein. Sei dir bewusst, dass wenn es diese eine Person nicht verstanden hat, dann gibt es sicher auch noch andere im Publikum, denen es genauso geht.

  • Erkenne das Signal und versuche die ZuhörerInnen wieder ins Boot zu holen. Manchmal müssen Dinge einfach wiederholt werden, manchmal erklärt man etwas noch einmal in anderen Worten. Menschen hören und verstehen jeweils auf ihre eigene individuelle Art. Obwohl du es natürlich nie wirklich allen und jeden in jedem Moment recht machen kannst, versuche möglichst viele am gemeinsamen Weg zu halten.

 

Angst, die uns durchschnittlich macht.

Anleitung zur lustigen Rede – der gute alte Witz

lustigen Rede

Und weiter geht es. Im ersten Teil dieser kleinen Serie “Anleitung zur lustigen Rede” habe ich über Recherche und das tolle Werkzeug Zeitreise geschrieben, um eine lustige Rede vorzubereiten. Heute geht es um Witze. Ja, gute, zum Teil auch alte, Witze, die aber trotzdem für jede komische Rede ein wunderbarer Grundbaustein sein können.

Besorg dir ein Witzbuch

Die große Mehrzahl witziger und lustiger Reden ist in Wahrheit sehr oft eine kreative und schlaue Aneinanderreihung von mehr oder weniger bekannten Witzen. Ganz ehrlich, auch viele Comedy- und Kabarettprogramme bestehen in Teilen aus genau solchen Witzen. Und jeder Comedian bzw. Kabarettist, der das für sich abstreitet, lügt. Die Frage ist immer nur, woher die Witze bekommen und vor allem solche Witze, die eben nicht alle kennen?

Internet – Das Internet ist, so wie für alles andere, auch eine riesige Quelle für Witze. Aber Achtung, wenn du sie findest (vielleicht auch noch schnell), dann finden sie auch andere oder haben sie gar schon als Email bekommen. Deshalb rate ich vom Internet eher ab. Außer du bist gut in einer anderen Sprache. Wenn dein Englisch gut genug ist, hol dir englische Witze z.B. aus Australien und übersetze sie. Die kannst du sicher ohne große Angst verwenden. Suche einfach nach “Jokes” oder Witzen aus bestimmten Themenbereichen (Banking, Kids, Family, Seniors, Business, etc.)

Witzbuch – Witzbücher sind gute Quellen. Vor allem ganz alte Witzbücher, denn die Witze in diesen alten Werken haben Jüngere oft noch nicht gehört. Die sind auch nicht so oft im Internet. Nimm aber nicht einfach das erste Witzbuch, das in jedem Thalia vorne im Regal steht. Das kennen sicher viele. Auch da empfehle ich auf Bücher in anderen Sprachen auszuweichen. Klassiker sind die so genannten Pub-Jokes-Bücher, wie z.B. The Best Pub Joke Book Ever! Nr. 5. Wie der Titel schon andeutet, gibt es da eine ganze Serie davon. Für viele Comedians eine Quelle an Ideen, Inspiration und auch Material. Bücher kann ich nur empfehlen und da findet man dann Witze für viele Situationen im Leben.

Witze umarbeiten

Jetzt wo du deine Witzequelle hoffentlich gefunden hast stellt sich die Frage: Welche Witze auswählen und wie sie für die Jubiläumsrede verwenden?

*Alle Themen können passen** – Fast alle Witzbücher sind nach Themenbereichen gegliedert. Du kannst also einfach suchen, ob es brauchbares Material z.B. zu den Themen »Büro, Verabschiedung, Pension, Hobbys, Alter, etc.« zu finden gibt. Aber mit ein wenig Kreativität wirst du schnell merken, dass auch viele Witze zu völlig anderen Themen lustig sind und in deiner speziellen Rede verwendet werden können. Es liegt nur an deiner Fähigkeit sie elegant einzubauen.

Verknüpfe die Themen der Witze mit der Lebensgeschichte und dem beruflichen Werdegangs des/der Geehrten. Oft kann man Witze auch mit der Geschichte von Unternehmen verweben. Wenn in einem Witz aus einem Buch über Telex oder Fax gesprochen wird, dann verknüpfe sie mit Details aus dem beruflichen oder persönlichen (abhängig von der Qualität deiner Vorab-Recherche) Leben des/der MitarbeiterIn zu dieser Zeit. Genauso funktioniert es, wenn der Witz z.B. auf einem Wählscheibentelefon basiert. Unternehmen mit langjähriger Tradition haben auch eine Zeitreise hinter sich gebracht. Sprich von den alten Zeiten und was der Kollege damals alles im Vertrieb hätte erreichen können, wenn er mit einem Wählscheibentelefon schon SMS schicken hätte können? Schon dieser Ausflug, der eigentlich nur dazu da ist das Wählscheibentelefon für einen Witz elegant in die Jubiläumsrede einzuführen, sorgt für Lacher.

Früher hat es in Clubs Tischtelefone gegeben, heute gibt es Smart-Phones und Facebook. Und trotzdem kann der Witz über das Tischtelefon großartig funktionieren, wenn er mit einem Detail aus dem Leben des Geehrten oder dessen KollegInnen verknüpft wird.

Die Verknüpfung mit persönlichen Details aus dem Leben der anwesenden Personen täuscht das Publikum darüber hinweg, dass die Geschichte mit der Pointe eigentlich nur ein Witz über ein Fax, ein Telex oder eben ein Wählscheibentelefon ist. Fast jeder Witz aus vergangenen Tagen und zu jedem Thema kann so ein wenig adaptiert, clever eingeleitet und runderneuert wieder großartig funktionieren.

Das war eine aufregende Zeit, als wir unser erstes Fax im Unternehmen installiert haben. Der Senior-Chef war damals so stolz, denn damit hatte er eines der ersten Faxgeräte die es gab. Unser Kollege Huber war damals ehrlich gesagt ein wenig genervt. Wann immer der Senior-Chef ein Fax geschickt hat rief er gleich danach beim Hr. Huber an und sagte: »Aber schicken sie es mir zurück, das war meine einzige Kopie.«

Geographische Nähe – Wenn ein Witz in einem Supermarkt spielt, dann spielt er in deiner Rede ab sofort in dem Aldi um die Ecke, in den du und alle KollegInnen gehen um Kleinigkeiten oder Jausen zu besorgen. Das Gleiche gilt für Theater, Kino, Restaurant, Einkaufszentren, etc. Jede Location eines Witzes kann so umgelegt werden, dass der Witz genau dort spielt, wo die Mehrheit der ZuhörerInnen, deren Familien oder du selbst schon warst.

So wird der Ort auch in deiner Vorstellungskraft lebendig und du kannst ihn viel überzeugender und lebhafter beschreiben. Plötzlich erzählst du nicht von irgendeiner Bar in einem alten Witz, du erzählst und beschreibst vielleicht das Lokal, in dem alle aus der Firma gerne nach Feierabend einen trinken. Der Witz spielt jetzt dort. Das bindet das Publikum und tarnt den alten Witz. Wenn der Witz in einem Flugzeug spielt, dann ist es das Flugzeug mit dem alle zum Firmenausflug geflogen sind. Lass den alten Witz im hier und jetzt lebendig werden.

Personalisiere den Witz – Wenn es im Witz um irgendeinen Mann, irgendeine Frau oder Männer und Frauen im allgemeinen geht, dann personalisiere den Witz. In deiner Version geht es immer um ehemalige oder jetzige KollegInnen, MitarbeiterInnen von Konkurrenzfirmen, den Abteilungsleiter, dich, deinen besten Freund, deine Frau, deinen verrückten Onkel Toni oder deine Tochter Bernadette. Immer wenn Personen im Witz vorkommen, mach sie zu realen Personen, die du und die ZuhörerInnen kennen könnten oder sogar wirklich kennen.

Wenn Hauptpersonen eines Witzes etwas wirklich Peinliches machen, dann erzähle es je nach Thema so, als hättest du das selbst, oder vielleicht ein nicht beliebter Mitarbeiter, oder ein Mitarbeiter eines Konkurrenten gemacht von dem eh alle wissen, dass er immer Blödsinn macht. Je näher an einer bestimmten Person, je peinlicher (nicht in einem bösartigen Sinn) für die Person, desto größer die Lacher.

Streiche alle Allgemeinbeschreibungen von Personen aus dem Witz und personalisiere sie. Gib ihnen Namen, Charaktereigenschaften oder ein paar Details ihres Aussehens oder Angewohnheiten. Wenn du das machst, werden nur mehr Wenige im Publikum das Gefühl bekommen, dass du einen alten Witz erzählst. Sie werden in deine Welt gezogen, in der die Menschen von denen du sprichst real leben. Wenn du glaubhaft darstellst, dass du über Menschen sprichst die es wirklich gibt, die du kennst, mit denen du lebst, arbeitest oder die du gar selbst bist, dann wird die Geschichte glaubhaft. Dann wird keiner mehr vermuten, dass die Story ein alter Witz ist.

Es geht nicht um die Wahrheit – Deine Rede soll unterhalten. Natürlich sollst du nicht ein riesiges Lügengebäude aufziehen, aber man kann die Wahrheit in so einer Situation strecken, dekorieren und ein wenig nostalgisch verklären. Vor allem wenn du über KollegInnen, Konkurrenten oder auch andere Unternehmen sprichst. Niemand wird aufspringen und sagen: »Das war gar nicht so!« Selbst die Einbindung kleiner Unwahrheiten, um einen genialen Witz oder eine grandiose Pointe unterzubringen, kann man geschickt tarnen und maskieren. Nutze einfach Formulierungen wie:

Daran kann er/sie sich sicher nicht mehr erinnern…

Bei meiner Recherche habe ich bemerkt, dass das Ereignis aus der kollektiven Erinnerung gestrichen wurde…

Georg war bekannt für seine Erinnerungslücken nach besonders lustigen Abenden und deshalb wird er behaupten es sei nicht wahr, aber…

Verknüpfe die Witze mit (d)einer Zeitreise – roter Faden

Damit das Publikum nicht das Gefühl bekommt du spulst nur einen Witz nach dem anderen ab, musst du den Anschein eines roten Fadens, der sich durch deinen ganzen Auftritt zieht, wecken. Je nach Anlass bietet sich vielleicht eine zeitliche Anordnung oder anderes an: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft oder Ausbildung, Aufstieg, Karrierehöhepunkt, Gründung, Wachstum, Heute/Zukunft etc.

Alles was du jetzt noch tun musst, ist kleine Überleitungen schreiben, die dich charmant von der Ausbildung zum ersten Job und dann zum Karrierehöhepunkt und der heutigen Feier bringen. Zu jedem dieser Zeitabschnitte kannst du jeweils wieder eine Sammlung an Witzen und Pointen abfeuern. Wenn du die paar Überleitungen hinbekommst, wird das Publikum das Gefühl haben, eine zusammenhängende Geschichte gehört zu haben.

Anleitung zur lustigen Rede – Recherche und Zeitreise

Anleitung zur lustigen Rede – eigene Pointen und Gags

Anleitung zur lustigen Rede – Showtime

DNA der PolitkerInnen

Mit der Pause auf Du und Du

Pause lernen In einem anderen Beitrag habe ich über die Effektivität und Bedeutung gut gesetzter Pausen in Reden, Vorträgen und Präsentationen geschrieben. Die Argumente für Pausen sind für die meisten gut nachvollziehbar, aber für viele RednerInnen, vor allem wenn sie noch nicht so erfahren sind, ist eine einfache Pause in einem Vortrag nicht leicht umzusetzen. Sie tun sich damit schwer.

Schlecht: Pausen mit Fülllauten vertonen

Das ist auch nachvollziehbar, denn Menschen versuchen instinktiv Stille irgendwie zu füllen. Wir leben in einer Zeit, in der wirklich ruhige und stille Momenten kaum mehr vorkommen und für viele daher so ungewohnt sind, dass sie verunsichernd wirken. Wir haben das Gefühl, immer für einen Tonteppich sorgen zu müssen. Beobachte andere RednerInnen, PolitikerInnen oder Vortragende und versuche bewusst zu hören, wie sie versuchen Pausen mit Fülllauten und Worten wie »Ahh…, ähh…, uhm…., und…« etc. zu überspielen. Zähle bewusst mit wie oft eine ach so tolle Moderatorin bei einer Talk-Show während ihren Fragen “Ahh.., ahhh…, ahhh…« verlauten lässt. Wenn du wirklich bewusst auf die verbalen Pausenfüller achtest, wirst du überrascht sein wie oft sie vorkommen und wie schnell sie dir unangenehm auffallen. Und dann versuche dir selbst beim Sprechen zuzuhören und dich selbst dabei zu erwischen. Noch besser ist es, eine FreundIn zu bitten bei einer Probe, einem Vortrag oder einer Rede darauf zu achten und sie zu zählen.

Wenn du dir dieser Angewohnheit einmal bewusst bist, dann ist es Zeit dagegen etwas zu unternehmen. Immer wenn du bei einem Auftritt plötzlich das Bedürfnis verspürst solche Füller zu verwenden, weil dir vielleicht nicht sofort eine Formulierung einfällt, dann verbeiß dir das Geräusch. Mach einfach eine kurze Pause. Dabei nicht nach unten oder nach oben blicken, sondern Augenkontakt mit dem Publikum halten und sobald du bereit bist setze mit deiner Rede fort. Das wird nicht sofort und immer klappen, aber mit ein wenig Übung wirst du selbst verblüfft sein wie schnell du Fülllaute und Füllworte streichen kannst. Bei Rede- und Konversationsclubs, wir z.B.Toastmaster International, wird oft bei Meetings ein Ahh…-Zähler bestimmt, der bei allen Redebeiträgen diese Ahhs, Ohhhs, Uhmmms, etc. mitzählt. So lernen die RednerInnen schnell wie oft sie – natürlich unbewusst – darauf zurückgreifen.

Große RednerInnen haben keine Angst vor Stille

Warum ist es wichtig die Fülllaute los zu werden? Zugegeben, kaum ein Mensch sitzt in einem Vortrag, einer Rede oder auch vor dem TV-Schirm und zählt bewusst mit wie oft ein Redner ahh oder ähh sagt. Aber, unser Unterbewusstsein ist sehr sensibel und nimmt die Fülllaute wahr. Beobachte dich beim Zuhören selbst. Ich gehe jede Wette ein, dass Menschen, die du für ihre Redekunst und -fähigkeit bewunderst, eben keine Fülllaute verwenden. Du beurteilst sie als gute RednerInnen, völlig unabhängig vom Inhalt. Auf der anderen Seite wirst du Menschen, die sich von einer Formulierung zur nächsten mit einem Ahh oder Uhmm weiterwursteln, als schlechte RednerInnen einstufen. Egal wie brillant deren Argumente sind. Wie so oft bei der Kommunikation ist nicht immer der Inhalt, sondern die Form entscheidend. Die Fähigkeit sinnlose Laute und Wörter durch gekonnte Pausen zu ersetzen und sie ganz zu eliminieren ist eine ganz wichtige Fähigkeit um als RednerIn erfolgreich zu sein.

 

neue Gags und Chaos

12 Voraussetzungen für Charisma

Charisma lernenWir alle kennen Beispiele für Menschen, denen besonderes Charisma zugesprochen wird. Aus Wirtschaft, Politik, Sport und vielen anderen Lebensbereichen. Barack Obama, Steve Jobs, Martin Luther King, und viele mehr. Wir alle wären froh auch nur annähernd das Charisma großer Vorbilder zu haben. Wir spüren, erkennen es oft instinktiv und sind fasziniert davon. Wenn wir selbst auf der Bühne oder am Rednerpult stehen, würden wir gerne auch so charismatisch wirken, wie die, die wir bewundern.

Charisma – nur angeboren?

Ist Charisma naturgegeben? Kann man es lernen? Ist es eine angeborene Eigenschaft, oder kann man mit Übung selbst charismatischer werden? Interessanterweise glauben Wissenschaftler, dass man es lernen kann. Wie so oft im Leben, erweist sich eine scheinbar instinktiv erlangte Fähigkeit als ein Handwerk, das bis zu einem gewissen Grad von jedem gelernt werden kann. Klingt verrückt, aber Forschungstätigkeiten weisen in diese Richtung. Die Universität Lausanne hat bei einer wissenschaftlichen Untersuchung 12 Grundelemente und Taktiken identifiziert (Link zur Studie), die von besonders charismatischen Menschen verstärkt und regelmäßig eingesetzt wurden und werden. Davon sind neun verbale Fähigkeiten und drei non-verbale Werkzeuge.

Die verbalen Fähigkeiten:

  1. Überzeuge mit Moral: Verbinde deine Botschaft mit festen moralischen Prinzipien und zeige, dass du »das Richtig machen willst«.
  2. Zeige Verständnis für die Anliegen des Publikums: Höre ernsthaft zu, zeig, dass du die Anliegen verstehst und dass es Gemeinsamkeiten gibt. In der Vergangenheit, bei Problemlösungen und Lösungswegen und Visionen.
  3. Greif nach den Sternen: Verkünde große Ziele. Für dich selbst aber auch für die ZuhörerInnen.
  4. Kommuniziere Selbstbewusstsein und Optimismus: Versichere dem Publikum, dass die Ziele, auch wenn sie hoch gesteckt sind, erreichbar sind.
  5. Geschichten und Anekdoten: Mach deine Botschaft fühl- und spürbar. Hauch ihr mit Geschichten und Anekdoten Leben ein. Bring theoretische Botschaften ins reale Leben.
  6. Verwende Metaphern, Vergleiche und Analogien: Bringe Zahlen, Daten, Statistiken und Fakten in einen klar und leicht verständlichen Zusammenhang. Mach Größenordnungen und Notwendigkeiten mit drastischen Vergleichen greifbar.
  7. Definiere „Gut“ und „Böse“: Zeige und definiere klar was du bist und wofür du stehst. Aber zeige und definiere auch klar, was du nicht bist, nie sein wirst und wofür du nicht stehst und nie stehen wirst.
  8. Die Magie der Zahl 3: Organisiere deine Botschaften, deine Anliegen und deine Inhalte nach der magischen 3er-Regel. So wird alles einprägsamer und leichter verständlich.
  9. Frage das Publikum: Binde das Publikum durch rhetorische Fragen und zwinge sie so mit zu denken und Position zu beziehen.

Die non-verbalen Fähigkeiten:

  1. Natürliche Körpersprache und Gestik: Unterstütze und verstärke deine Botschaften mit natürlichen Körperbewegungen und Gesten. Vielleicht auch mit symbolischen Gesten, die in sich schon emotionale Reaktionen herausfordern.
  2. Passender Gesichtsausdruck: Deine Botschaften werden nicht nur durch Worte transportiert. Menschen lesen Gesichter. Deine Augen, dein Mund, deine Miene muss der Botschaft entsprechen.
  3. Stimm- und Tonlage, Diktion und Lautstärke: Nutze alle Möglichkeiten deiner Stimme. Variiere Lautstärke, Geschwindigkeit und nutze Pausen. Alles um wichtige Punkte zu betonen und herauszustreichen.

Die Studien

In einer der Studien wurde das Charisma von 34 ManagerInnen von MitarbeiterInnen bewertet. Danach wurde die Hälfte der Manager unter zu Hilfenahme der 12 Werkzeuge für ein besseres Charisma trainiert. Drei Monate nach dem Training wurden die 34 ManagerInnen noch einmal von den MitarbeiterInnen bewertet. Das Charisma der ManagerInnen, die das Training durchlaufen hatten, wurde dabei signifikant höher bewertet als das Charisma derjenigen, die ohne Vorbereitung blieben.

In einem zweiten Experiment wurden 41 MBA-StudentInnen gebeten einen Vortrag zu halten. Danach bat man die ZuhörerInnen gebeten die Vortragenden anhand einer Skala zu bewerten. Die gleichen StudentInnen hatten dann Zeit ihr „Charisma“ nach den 12 Eigenschaften zu trainieren und hielten dann ihren Vortrag vor einer neuen Gruppe von ZuhörerInnen. Beim zweiten Vortrag erhielten sie dann in den Bereichen „Vertrauenswürdig, Kompetenz, Einfluss und Führungsstärke“ höhere Bewertungen.

Ja, ich kann die KritikerInnen schon hören. »Was sollen zwei Studien schon beweisen?« Natürlich ist das kein absoluter Beweis, aber die Resultate deuten in eine Richtung. Und diese Richtung ist für RednerInnen eine Vielversprechende. Niemand wir dadurch und sofort zum absoluten Charismatiker, aber, und das ist das Wichtige, es gibt Möglichkeiten sich positiv zu entwickeln. Es macht also Sinn sich Gedanken über die richtigen verbalen und non-verbalen Instrumente Gedanken zu machen, zu lernen und zu üben. Und das kann nie falsch sein.

Test-Dummy

Erfolgreich reden: Albtraum Mikrofon

MikrofonDa steht er nun vorn am Podium und in der Hand hat er ein Mikrofon von dem er nicht sicher ist ob es eingeschaltet ist. Er sieht kein Licht an dem Ding und wenn er drauf rumklopft dann hört er es nicht. Er beginnt seine Rede mit den Worten: »…..das nicht. Test, Test, ah jetzt hör ich was. Uuuuuuuiiii, das pfeift. Hallo…« Dabei hatte er gerade für diesen Auftritt so einen genialen und überraschenden Redeanfang vorbereitet. Tja, Pech gehabt. Jeder von uns hat das schon gesehen und erlebt. Immer wieder passiert es. Kümmere dich als drum, dass es dir nicht passiert.

Die wenigsten von uns sind es gewohnt regelmäßig mit Mikrofonen zu sprechen. Plötzlich sollen wir vor vielen Menschen mit dieser Herausforderung umgehen können. Es wird von den ZuhörerInnen erwartet. Gerade wenn man den Umgang mit Mikrofonen nicht gewohnt ist, sollte man im Vorfeld einer Rede oder eines Vortrages versuchen, vermeidbare Pannen auch wirklich zu vermeiden. Wie soll das gehen? Keine Sorge, ist nicht so schwer.

Ganz wichtig: Der Soundcheck

Jede Minute, die man in einen guten Soundcheck investiert ist Gold wert. Auch die verantwortlichen Techniker sind froh, wenn sie in Ruhe Zeit haben die vorhandene Technik mit dem Vortragenden zu testen und einzurichten. Beim Soundcheck bekommt man wichtige Informationen.

  • Was für ein Mikrofon bekomme ich? Handmikrofon, am Rednerpult fixierte Mikrofone, Antsteck-Mikrofon, Headset, gibt es ein Stativ, etc.?
  • Muss ich das Mikrofon vor dem Auftritt selbst einschalten? Wenn ja wie, wo und wann? Wenn nein, wann öffnet der Tontechniker den Kanal, also ab wann bin ich zu hören?
  • Missverständnisse bei diesem Punkt führen immer zu Pannen. Der Redner steht mit dem Mikro vorne. Er spricht hinein, es ist nichts zu hören. Es ist aber deshalb nichts zu hören, weil der Tontechniker den Kanal nicht geöffnet bzw. hochgezogen hat. Der Redner hört nichts. Er ist verunsichert. Er glaubt das Mikro ist ausgeschaltet und schaltet es “ein”. In Wahrheit schaltet er es aber aus und während der Techniker den Kanal aufgemacht hat, wurde vorne das Mikro ausgeschaltet. Es geht wieder nichts. Verunsicherung überall. Soll der Techniker nach vorne kommen und das Mikro wieder einschalten? Da muss er den Kanal wieder zumachen. Wie wird das dem Redner kommuniziert?…
  • Achtung beim Headset!
    Meist wird das schon einige Zeit vor deinem Auftritt angelegt. Wenn du sicher gehen willst, dass dir niemand beim Toilettenbesuch zuhört, dann selber abschalten. Den Techniker fragen wie das geht oder ihn bitten es zu tun.
  • Ansteckmikro
    Aufpassen, dass man es während des Vortrags nicht berührt. Jede Berührung wird zum unangenehmen Knacken und Rauschen. Auch wenn es das Sakko, die Brillenkette oder auch nur die Perlenkette ist.

Welches Mikro und was soll ich damit?

Meistens hat man keine Wahl. Der Veranstalter bestimmt das Mikrofon, außer man hat alles selber immer dabei. Ich selbst habe z. b. immer mein Handmikrofon, mein Headset, meine Funkstrecke und passende Kabel mit. Aber das zahlt sich natürlich nicht für jeden aus.

  • Handmikro Der Vorteil des Handmikros ist, dass es meist am einfachsten einzurichten ist und die Stimme am besten klingt. Je nach Qualität muss man mit dem Mund nahe ran (schlechte Qualität) oder kann ein wenig weg bleiben, um mehr Abwechslung in die Intonation zu bringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Handmikros leicht zu finden sind, um mit ihnen zu üben. Wichtig: Immer wenn gesprochen wird bitte direkt in das Mikro (also wenn die Power-Präsentation hinter einem ist, dann mit Mikro umdrehen). Vorteil Handmikrofon: man kann sich bewegen wie man will und meist auch ins Publikum gehen ohne die ganze Anlage grandios zum Pfeifen zu bringen oder zum Übersteuern.
  • Ansteckmikro Bekommt man meist, wenn der Auftritt mit Video, TV oder Podiumsdiskussionen zusammen hängt. Achtung: Beachte auf welcher Seite des Sakkos, der Jacke bzw. des Hemds das Ding angesteckt wird. Es sollte die sein, in dessen Richtung man beim Reden meist den Kopf dreht. Übrigens, Ansteckmikros sind schwer an T-Shirts und Sweater zu befestigen. Außerdem braucht man noch eine Möglichkeit den Sender irgendwo festzumachen (Gürtel, Bund, etc.) oder einzustecken. Vorsicht mit den Händen und Gesten. Nicht über das Mikro bewegen. Das Gleiche gilt für modische Accessoires wie Ketten, Krawatten, Schals und Halstücher. Nachteil Ansteckmikro: klingt schlechter als Handmikro, übersteuert leichter wenn man sich z.B. ins Publikum bewegt. Vorteil: Die Hände sind frei. Es dreht sich automatisch mit dem Körper mit.
  • Headset Ähnlich wie beim Ansteckmikro nur dass der Bügel das Mikro an der richtigen Stelle fixiert. Unbedingt testen ob der Bügel passt und ob das Kabel zum Sender genug Spielraum gibt wenn man den Kopf bewegt. Auch hier muss man darauf achten dass Mikro nicht vielleicht mit einer Hand zu verdecken. Es gibt zwei verschiedene Headset-Versionen. Die technischen Details erspare ich euch, nur so viel: Niere oder Kugel? Unterschied: Die Kugel ist empfindlicher und nimmt mehr der Umgebung auf, während die Niere unempfindlicher gegen Rückkoppelungen ist. Sie erlaubt es oft dann doch ins Publikum zu gehen ohne Rückkoppelungen auszulösen.
  • Fixierte Mikrofone Manchmal sind Mikrofone am Tisch oder Rednerpult fixiert. Ganz wichtig ist sie vorab zu testen. Wie nah muss ich sie an den Mund bringen? Nachteil: Sobald ich den Kopf zu weit drehe, ist die Wirkung weg. Vor allem wenn nur ein Mikro am Pult befestigt ist. Auf die Höheneinstellung achten. Wenn das Mikro zu hoch oder zu tief ist nimm dir auch noch direkt vor dem Start die Zeit es auf deine Größe einzustellen. Zu oft haben kleinere RednerInnen aus der Sicht der ZuhörerInnen dann statt Augen plötzlich zwei Mikros, bzw. deren Popschutz, im Kopf. Am besten noch mit bunten Popschutz. Besonders übel, wenn das dann auch auf allen Fotos so ist. Also, Zeit nehmen und selbstbewusst alles so einstellen wie man es möchte. Erst dann beginnen.

Man glaubt es kaum, aber selbst so ein scheinbar kleines Thema wie “Mikrofon” kann viel zu Erfolg oder Misserfolg eines Auftritts bzw. eines Vortrages beitragen. Ja, im ersten Moment klingt das nach vielen Dingen, die du beachten sollst. Aber, wenn man sich die nötige Zeit nimmt, nachfragt und sich gut vorbereitet ist das alles schnell und einfach zu lösen. Sollte dann beim Auftritt doch einmal was schiefgehen nur die Ruhe bewahren. Auch vom Pult aus nach Unterstützung durch die Technik fragen. Zeigen, dass man das Problem bemerkt hat, dass es einen nicht aus der Ruhe bringt, dass man ein Mensch ist und entspannt darauf reagieren. Dann wird auch das Publikum entspannt und beeindruckt bleiben. Trotz technischer Probleme.